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WHO2020

Patientensicherheit & Incident Reporting: WHO-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Incident-Reporting-Systeme müssen primär dem Lernen und der Verbesserung der Sicherheit dienen, nicht der Schuldzuweisung.
  • Eine fehlerverzeihende Sicherheitskultur ist die Grundvoraussetzung, um das weitreichende Problem des Underreportings zu überwinden.
  • Vorfälle werden in Beinahe-Fehler (Near Miss), Vorfälle ohne Schaden und Vorfälle mit Schaden (Adverse Events) unterteilt.
  • Das WHO Minimal Information Model (MIM PS) definiert essenzielle Datenkategorien für die strukturierte Erfassung von Vorfällen.
  • Die Aggregation von Meldedaten ermöglicht systemische Einblicke, um Schwachstellen zu identifizieren und zukünftige Schäden zu vermeiden.
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Hintergrund

Die WHO-Leitlinie zu Patient Safety Incident Reporting and Learning Systems betont, dass Meldesysteme primär dem Lernen und der Verbesserung der Sicherheit dienen müssen. Ein zentrales Problem weltweit ist das Underreporting, welches meist durch eine von Angst und Schuldzuweisungen geprägte Kultur ("blame culture") verursacht wird. Ziel ist es, von der reinen Datensammlung zu einer echten, systemischen Risikominimierung zu gelangen, bei der das Lernen in konkrete Verhaltens- und Organisationsänderungen mündet.

Klassifikation von Vorfällen

Die WHO klassifiziert Vorfälle in der Patientensicherheit in drei Hauptkategorien:

Vorfall-TypDefinitionBeispiel
Near Miss (Beinahe-Fehler)Ein Vorfall, der den Patienten nicht erreicht hat.Falsche Blutkonserve wird vor Transfusionsbeginn bemerkt.
No Harm Incident (Ohne Schaden)Ein Vorfall, der den Patienten erreicht hat, aber keinen erkennbaren Schaden verursacht hat.Falsche, aber kompatible Blutkonserve wird transfundiert.
Harmful Incident (Mit Schaden)Ein Vorfall, der zu einem Schaden beim Patienten führt.Falsche Blutkonserve führt zu hämolytischer Reaktion.

Hinweis: Bei Vorfällen mit Schaden wird unterschieden zwischen einem Adverse Event (vermeidbarer Schaden) und einer Adverse Reaction (unvermeidbarer Schaden bei korrekter Durchführung).

WHO Minimal Information Model (MIM PS)

Um eine standardisierte Erfassung zu gewährleisten, empfiehlt die WHO das Minimal Information Model for Patient Safety Incident Reporting and Learning Systems (MIM PS). Es besteht aus strukturierten Daten und einem Freitextteil:

KategorieErfasste Parameter
PatientendatenAlter, Geschlecht
Vorfall-DetailsZeit, Ort, Art des Vorfalls, Ausgang (Outcome)
EinflussfaktorenUrsachen, beitragende Faktoren, mildernde Faktoren (Mitigating Factors)
Aktionen & RollenResultierende Maßnahmen, Rolle des Meldenden
NarrativFreitext zur detaillierten Beschreibung des Hergangs

Ursachenanalyse und Systemverständnis

Die Untersuchung von Vorfällen sollte sich auf systemische Schwächen konzentrieren. Das Schweizer-Käse-Modell (Swiss Cheese Model) von James Reason veranschaulicht, dass Vorfälle meist durch eine Kombination aus aktiven Fehlern und latenten Systembedingungen (Löcher in den Abwehrschichten) entstehen.

  • Root Cause Analysis (RCA): Gilt als Goldstandard der Untersuchung, hat in der Praxis jedoch oft Limitierungen durch Zeitdruck, fehlendes Training oder mangelnde Unabhängigkeit.
  • Fokus auf Abwehrmechanismen: Die zentrale Frage lautet nicht "Wer hat den Fehler gemacht?", sondern "Wie und warum haben die Sicherheitsmechanismen versagt?"

Nutzung aggregierter Meldedaten

Die Aggregation von Einzelmeldungen liefert entscheidende systemische Einblicke zur Fehlerprävention:

AktivitätFokus der AnalyseStärken
SurveillanceBreite Muster und Trends über alle VorfallartenZeigt langfristige Entwicklungen, aber wenig direkte Handlungsoptionen
Performance AssessmentVorfälle in bestimmten VersorgungsbereichenErmöglicht System-Redesign in spezifischen Feldern
Breakdown in ResilienceVersagen von Standards und KontrollmaßnahmenErlaubt die gezielte Korrektur von Lücken in den Abwehrmechanismen
Neue GefahrenquellenNeuartige Vorfälle, die zeitlich/räumlich gehäuft auftretenBietet die sofortige Chance, Schäden bei zukünftigen Patienten zu blockieren

Empfehlungen für die Praxisimplementierung

Um ein erfolgreiches Meldesystem zu etablieren, müssen Führungskräfte eine fehlerverzeihende Kultur schaffen.

  • Einfache Meldewege: Elektronische, nutzerfreundliche Systeme bevorzugen.
  • Ressourcen für Analyse: Ausreichend Zeit und geschultes Personal für die Untersuchung bereitstellen.
  • Patienteneinbindung: Patienten und Angehörige aktiv in die Aufarbeitung einbeziehen.
  • Feedback-Schleifen: Dem Personal regelmäßig zeigen, welche konkreten Verbesserungen aus ihren Meldungen resultiert sind.

💡Praxis-Tipp

Etablieren Sie eine absolut fehlerverzeihende Meldekultur. Geben Sie dem Personal konkretes Feedback, welche systemischen Verbesserungen aus ihren Meldungen abgeleitet wurden, um die Meldebereitschaft dauerhaft hoch zu halten.

Häufig gestellte Fragen

Ein Adverse Event ist ein Vorfall, der zu einem vermeidbaren Schaden führt. Eine Adverse Reaction ist ein unvermeidbarer Schaden bei einer ansonsten gerechtfertigten und korrekt durchgeführten Maßnahme.
Ein Vorfall, der das Potenzial für einen Schaden hatte, den Patienten aber nicht erreicht hat (z.B. ein Medikationsfehler wird bemerkt, bevor das Medikament verabreicht wird).
Gemäß dem WHO MIM PS sollten Alter, Geschlecht, Zeit, Ort, Art des Vorfalls, Ursachen, beitragende/mildernde Faktoren, Outcome, resultierende Maßnahmen sowie ein detaillierter Freitext erfasst werden.
Häufige Gründe sind eine Kultur der Schuldzuweisung (Angst vor Bestrafung), zu komplexe Meldewege, fehlendes Feedback an die Meldenden und mangelnde zeitliche Ressourcen für eine tiefgehende Ursachenanalyse.

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