Vitamin D bei Kindern: Dosierung & Rachitis-Prophylaxe
Hintergrund
Diese Zusammenfassung basiert auf der Monographie des Kinderformulariums und den Empfehlungen der DGKJ (2024). Vitamin D spielt eine zentrale Rolle im Calcium- und Phosphatstoffwechsel und ist essenziell für den Knochenaufbau im Kindesalter.
Ein Mangel an Vitamin D kann bei Säuglingen und Kleinkindern zu Rachitis führen, einer Störung der Knochenmineralisation. Da Muttermilch nur geringe Mengen an Vitamin D enthält und die Eigensynthese über die Haut oft nicht ausreicht, ist eine systematische Prophylaxe in den ersten Lebensmonaten etabliert.
Die Leitlinie definiert klare Zielwerte für den 25-OH-Vitamin-D-Spiegel und identifiziert spezifische Risikogruppen, die einer besonderen Überwachung bedürfen.
Empfehlungen
Rachitis-Prophylaxe
Die Leitlinie empfiehlt eine generelle Rachitis-Prophylaxe für alle Säuglinge. Diese sollte ab der ersten Lebenswoche beginnen und bis zum zweiten erlebten Frühsommer fortgeführt werden.
Für voll gestillte Kinder wird die Substitution als obligat eingestuft, da Muttermilch kaum Vitamin D enthält. Auch bei Säuglingen, die mit Formulanahrung ernährt werden, wird die Prophylaxe trotz der Anreicherung der Nahrung empfohlen.
Risikogruppen für einen Mangel
Laut Leitlinie gibt es spezifische Risikogruppen, bei denen ein erhöhter Bedarf oder ein Risiko für einen Vitamin-D-Mangel besteht. Zu diesen Gruppen zählen:
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Gestillte Säuglinge ohne adäquate Substitution
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Kinder mit dunkler Hautpigmentierung oder geringer Sonnenexposition (z. B. durch Verschleierung)
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Patienten mit Malabsorptionssyndromen wie Zöliakie, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) oder Mukoviszidose
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Kinder unter Therapie mit Antiepileptika aufgrund einer CYP-Induktion
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Kinder mit Adipositas, da Vitamin D im Fettgewebe sequestriert wird
Monitoring und Zielwerte
Zur Überwachung des Vitamin-D-Status wird die Bestimmung des 25-OH-Vitamin-D-Spiegels empfohlen. Die Leitlinie definiert folgende Zielwerte:
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Zielbereich: >50 nmol/l (>20 ng/ml)
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Optimaler Bereich: 75-125 nmol/l
Dosierung
Dosierung zur Prophylaxe
Für die Standard-Rachitis-Prophylaxe in Deutschland wird eine tägliche Dosis von 400 bis 500 IE (10-12,5 µg) empfohlen. Hierfür stehen verschiedene Präparate zur Verfügung:
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Vigantoletten 500 IE (1 Tablette täglich)
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D-Fluoretten 500 IE (Kombination mit Fluorid)
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Vigantol Öl (20.000 IE/ml, wobei 1 Tropfen etwa 667 IE entspricht)
Therapie des Vitamin-D-Mangels
Die therapeutische Dosierung richtet sich nach dem Alter des Kindes und dem Schweregrad des Mangels. Die Leitlinie unterscheidet zwischen einem manifesten Mangel (<25 nmol/l) und einer Insuffizienz (25-50 nmol/l).
| Alter | Mangel (<25 nmol/l) | Insuffizienz (25-50 nmol/l) |
|---|---|---|
| 0-12 Monate | 1000 IE/Tag für 8-12 Wochen | 400-1000 IE/Tag |
| 1-18 Jahre | 2000-4000 IE/Tag für 6-12 Wochen | 600-1000 IE/Tag |
Erhaltungstherapie
Nach erfolgreicher Auffüllung der Speicher wird eine Erhaltungstherapie von 600 bis 1000 IE pro Tag empfohlen, abhängig vom Alter. Bei Vorliegen von Risikofaktoren wie dunkler Haut, Adipositas oder Malabsorption ist laut Leitlinie eine höhere Erhaltungsdosis erforderlich.
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor einer Überdosierung von Vitamin D. Toxische Dosen werden bei einer Einnahme von >50.000 IE pro Tag über mehrere Wochen erreicht.
Eine solche Intoxikation kann zu schweren Komplikationen führen. Als Symptome einer Überdosierung werden Hyperkalzämie, Nephrokalzinose sowie Übelkeit und Erbrechen genannt.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass die Rachitis-Prophylaxe auch bei Säuglingen empfohlen wird, die mit Formulanahrung ernährt werden, obwohl diese bereits mit Vitamin D angereichert ist. Zudem wird darauf hingewiesen, dass bei Kindern mit Adipositas oder unter antiepileptischer Therapie ein erhöhter Erhaltungsbedarf bestehen kann, der im klinischen Alltag oft unterschätzt wird.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt, die Prophylaxe ab der ersten Lebenswoche zu beginnen. Sie sollte kontinuierlich bis zum zweiten erlebten Frühsommer des Kindes fortgeführt werden.
Für die Standardprophylaxe in Deutschland wird eine tägliche Dosis von 400 bis 500 IE (10-12,5 µg) empfohlen. Dies gilt sowohl für gestillte als auch für mit Formulanahrung ernährte Säuglinge.
Ein manifester Vitamin-D-Mangel wird laut Leitlinie bei einem 25-OH-Vitamin-D-Spiegel von unter 25 nmol/l diagnostiziert. Werte zwischen 25 und 50 nmol/l werden als Insuffizienz eingestuft.
Bei Kindern zwischen 1 und 18 Jahren mit einem Spiegel unter 25 nmol/l wird eine therapeutische Dosis von 2000 bis 4000 IE pro Tag empfohlen. Diese Therapie sollte über einen Zeitraum von 6 bis 12 Wochen erfolgen.
Eine toxische Überdosierung kann zu Hyperkalzämie und Nephrokalzinose führen. Klinisch äußert sich dies laut Leitlinie unter anderem durch Übelkeit und Erbrechen.
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Quelle: Vitamin D Dosierung Kinder (Kinderformularium / DGKJ, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt. Vor jeder Anwendung oder Verschreibung muss die aktuelle Fachinformation konsultiert werden.
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