Vertebroplastie & Kyphoplastie: Indikation & Vorgehen
Hintergrund
Osteoporotische Wirbelkörperkompressionsfrakturen stellen die häufigsten Fragilitätsfrakturen dar. Laut der StatPearls-Leitlinie können sie bei Osteoporose bereits durch minimale Traumata entstehen, während bei jüngeren Patienten meist Hochenergietraumata ursächlich sind.
Die Frakturen führen häufig zu erheblichen Schmerzen und funktionellen Einschränkungen. Es wird beschrieben, dass sie im Laufe der Zeit fortschreiten und durch eine veränderte axiale Belastung benachbarte Wirbel gefährden können.
Die perkutane Vertebroplastie und Kyphoplastie sind minimalinvasive Verfahren zur Behandlung symptomatischer, nicht heilender Frakturen. Dabei wird Polymethylmethacrylat-Zement in den Wirbelkörper injiziert, um strukturelle Stabilität zu gewährleisten und Schmerzen zu lindern.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert spezifische Kriterien für die Durchführung einer Vertebroplastie oder Kyphoplastie.
Indikationsstellung
Eine Intervention wird empfohlen, wenn eine konservative Therapie keine ausreichende Schmerzlinderung oder funktionelle Besserung erbringt. Für einen Eingriff müssen folgende Kriterien erfüllt sein:
-
Nachweis einer aktiven Wirbelkörperfraktur mittels MRT oder Szintigrafie
-
Korrelation der Schmerzlokalisation mit der Frakturstelle
-
Hohe Schmerzintensität, die einen invasiven Eingriff rechtfertigt
Präoperative Vorbereitung
Die Eingriffe werden als Prozeduren mit hohem Blutungsrisiko eingestuft. Es wird empfohlen, vor dem Eingriff den INR-Wert (Ziel: ≤ 1,5 bis 1,8) und die Thrombozytenzahl (Ziel: > 50.000) zu kontrollieren.
Das genaue perioperative Medikationsmanagement sowie die empfohlene Antibiotikaprophylaxe sind in der Dosierungstabelle aufgeführt.
Verfahrenswahl und Technik
Die Eingriffe sollten unter strenger fluoroskopischer Kontrolle durchgeführt werden. Es wird hervorgehoben, dass die Kyphoplastie im Vergleich zur Vertebroplastie mit einem signifikant geringeren Risiko für Zementaustritte verbunden ist.
Dies wird darauf zurückgeführt, dass bei der Kyphoplastie durch einen Ballon eine Höhle geschaffen wird. Dadurch kann der Zement mit geringerem Druck und in höherer Viskosität injiziert werden.
Dosierung
Die Leitlinie gibt folgende Empfehlungen zum perioperativen Medikationsmanagement und zur Infektionsprophylaxe:
| Medikament | Dosis / Maßnahme | Zeitpunkt vor Eingriff |
|---|---|---|
| Aspirin | Pausieren | 3 bis 5 Tage |
| Clopidogrel | Pausieren | 5 Tage |
| Niedermolekulares Heparin (prophylaktisch) | 1 Dosis pausieren | Vor dem Eingriff |
| Niedermolekulares Heparin (therapeutisch) | 2 Dosen pausieren | Vor dem Eingriff |
| Cefazolin (i.v.) | 1 g (Antibiotikaprophylaxe) | 1 Stunde |
Kontraindikationen
Die Leitlinie definiert folgende Kontraindikationen für die Durchführung der Verfahren:
| Art der Kontraindikation | Klinische Zustände und Befunde |
|---|---|
| Absolut | Berstungsfrakturen, retropulsierte Knochenfragmente, signifikante Defekte der posterioren Wirbelkörperwand |
| Absolut | Spinale Instabilität, symptomatische Myelopathie oder Radikulopathie, Vertebra plana |
| Absolut | Unkorrigierbare Koagulopathien, aktive Infektionen (systemisch oder spinal) |
| Absolut | Allergien gegen Knochenzement oder Kontrastmittel, Schwangerschaft |
| Relativ | Wirbelkörperkollaps von mehr als 75 % der ursprünglichen Höhe, in den Spinalkanal einwachsende Tumoren |
| Relativ | Korrigierbare moderate Koagulopathien, asymptomatische oder chronische Frakturen ohne Frakturspalt |
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, dass ein Zementaustritt die häufigste Komplikation darstellt und bei der Vertebroplastie aufgrund des höheren Injektionsdrucks signifikant wahrscheinlicher ist als bei der Kyphoplastie.
Häufig gestellte Fragen
Eine Intervention wird empfohlen, wenn konservative Maßnahmen keine ausreichende Schmerzlinderung erbringen. Zudem muss eine aktive Fraktur im MRT nachweisbar sein, die mit der Schmerzlokalisation korreliert.
Es wird empfohlen, Aspirin 3 bis 5 Tage vor dem Eingriff abzusetzen. Die Eingriffe gelten als Prozeduren mit hohem Blutungsrisiko.
Bei der Kyphoplastie wird zunächst mit einem Ballon eine Höhle im Wirbelkörper geschaffen. Dies ermöglicht laut Leitlinie eine Zementinjektion mit geringerem Druck und reduziert das Risiko von Zementaustritten.
Nein, ein nahezu vollständiger Kollaps des Wirbelkörpers (Vertebra plana) stellt eine absolute Kontraindikation dar. Es wird beschrieben, dass in diesen Fällen aufgrund des fehlenden Knochenvolumens kein relevanter Nutzen zu erwarten ist.
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Quelle: StatPearls: Percutaneous Vertebroplasty and Kyphoplasty (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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