Varizellen-Impfung: Impfschema, Indikation und PEP
Hintergrund
Varizellen (Windpocken) sind eine hochkontagiöse Infektionskrankheit, die durch das Varizella-Zoster-Virus ausgelöst wird. Während die Erkrankung bei Kindern oft unkompliziert verläuft, können bei Erwachsenen, Schwangeren und Immunsupprimierten schwere Komplikationen auftreten.
Diese Zusammenfassung basiert auf der Kurzfassung der STIKO-Empfehlungen von 2024. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut gibt darin detaillierte Vorgaben zur Standard- und Indikationsimpfung gegen Varizellen.
Ziel der Impfstrategie ist es, die Krankheitslast zu senken und besonders vulnerable Personengruppen vor einer Ansteckung zu schützen. Hierfür stehen attenuierte Lebendimpfstoffe zur Verfügung.
Klinischer Kontext
Varizellen sind eine weltweit verbreitete, hochkontagiöse Infektionskrankheit, die durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV) ausgelöst wird. Vor der breiten Verfügbarkeit von Impfstoffen erkrankten in Deutschland nahezu alle Kinder bis zum Jugendalter, was zu einer sehr hohen Durchseuchungsrate in der Bevölkerung führte.
Die Übertragung erfolgt primär aerogen durch Tröpfcheninfektion oder durch direkten Kontakt mit dem virushaltigen Bläscheninhalt. Nach der Primärinfektion persistiert das Virus lebenslang in den Spinal- und Hirnnervenganglien und kann in späteren Lebensphasen als Herpes Zoster reaktiviert werden.
Für den klinischen Alltag ist die Erkrankung besonders relevant, da sie bei Immunsupprimierten, Schwangeren und Neugeborenen schwere bis lebensbedrohliche Komplikationen wie Pneumonien oder Enzephalitiden verursachen kann. Zudem erfordert das enorme Ansteckungsrisiko strikte Isolationsmaßnahmen in medizinischen Einrichtungen, um nosokomiale Ausbrüche zu verhindern.
Die Diagnose wird in den meisten Fällen rein klinisch anhand des charakteristischen, stark juckenden Exanthems mit Papeln, Vesikeln und Krusten in unterschiedlichen Entwicklungsstadien gestellt. Bei atypischen Verläufen oder Risikopatienten erfolgt der direkte Erregernachweis mittels PCR aus dem Bläscheninhalt oder Liquor.
Wissenswertes
Die Ansteckungsfähigkeit beginnt in der Regel ein bis zwei Tage vor dem Auftreten des Exanthems. Sie endet erst, wenn alle Bläschen vollständig verkrustet sind, was meist fünf bis sieben Tage nach Exanthembeginn der Fall ist.
Erwachsene haben ein deutlich höheres Risiko für schwere Krankheitsverläufe als Kinder. Zu den häufigsten und gefürchtetsten Komplikationen zählen die primäre Varizellen-Pneumonie sowie neurologische Manifestationen wie Meningoenzephalitiden.
Bei ungeschützten Personen kann eine aktive Immunisierung innerhalb von wenigen Tagen nach Exposition den Ausbruch verhindern oder deutlich abmildern. Für Hochrisikopatienten wie Schwangere oder Immunsupprimierte steht zudem eine passive Immunisierung mit Varizella-Zoster-Immunglobulin zur Verfügung.
Das fetale Varizellensyndrom ist eine seltene, aber schwere Embryopathie, die bei einer mütterlichen Primärinfektion im ersten oder zweiten Trimenon der Schwangerschaft entstehen kann. Es äußert sich unter anderem durch charakteristische Hautnarben, Extremitätenhypoplasien sowie neurologische und okuläre Schäden.
Typisch für Varizellen ist das gleichzeitige Vorliegen verschiedener Effloreszenzen wie Makulopapeln, Bläschen und Krusten, was in der Dermatologie oft als Sternenhimmel-Aspekt bezeichnet wird. Zudem beginnt der Ausschlag meist am Stamm oder im Gesicht und breitet sich dann zentrifugal aus, wobei auch die behaarte Kopfhaut und Schleimhäute betroffen sein können.
Bei ansonsten gesunden Kindern im Vor- und Grundschulalter verläuft die Infektion meist selbstlimitierend und erfordert lediglich eine symptomatische Therapie gegen den Juckreiz. Eine antivirale Behandlung mit Aciclovir wird hingegen bei schweren Verläufen, Immunsuppression, Erwachsenen oder bei Neugeborenen eingesetzt, um Komplikationen abzuwenden.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Bei der postexpositionellen Prophylaxe (PEP) ist das enge Zeitfenster von maximal fünf Tagen nach Exposition zu beachten, wobei eine Gabe innerhalb der ersten drei Tage laut STIKO optimal ist. Zudem wird darauf hingewiesen, dass nach der Verabreichung des Lebendimpfstoffs bei Frauen im gebärfähigen Alter für mindestens einen Monat eine sichere Empfängnisverhütung sichergestellt werden muss.
Häufig gestellte Fragen
Die STIKO empfiehlt die erste Impfstoffdosis im 11. Lebensmonat. Die zweite Impfung sollte im 15. Lebensmonat erfolgen, wobei auch ein MMRV-Kombinationsimpfstoff verwendet werden kann.
Nein, laut Leitlinie ist die Impfung in der Schwangerschaft kontraindiziert, da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt. Frauen mit Kinderwunsch sollten bei Seronegativität vor einer Schwangerschaft geimpft werden und danach einen Monat lang verhüten.
Eine postexpositionelle Prophylaxe (PEP) wird innerhalb von fünf Tagen nach der Exposition empfohlen. Die STIKO gibt an, dass eine Impfung innerhalb der ersten drei Tage nach Kontakt optimal ist.
Da Immunsupprimierte keine Lebendimpfung erhalten dürfen, wird in diesen Fällen laut Leitlinie gegebenenfalls eine Passivimpfung erwogen. Hierfür kommt das Varizella-Zoster-Immunglobulin (VZIG) zum Einsatz.
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Quelle: STIKO: Varizellen (Windpocken) (RKI/STIKO, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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