IQWiG2017Onkologie

Vandetanib (MTC): Dosierung und Therapie bei Kindern

Diese Leitlinie stammt aus 2017 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2017)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die IQWiG-Nutzenbewertung A17-01 untersucht den Zusatznutzen von Vandetanib bei Jugendlichen und Kindern ab 5 Jahren. Das Anwendungsgebiet umfasst das aggressive und symptomatische medulläre Schilddrüsenkarzinom (MTC) mit nicht resektabler, lokal fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung.

Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) Best Supportive Care (BSC) festgelegt. Darunter wird eine bestmögliche, patientenindividuell optimierte, unterstützende Behandlung zur Linderung von Symptomen und Verbesserung der Lebensqualität verstanden.

Da keine direkt vergleichenden Studien für die pädiatrische Population vorlagen, versuchte der pharmazeutische Unternehmer, Daten aus einer Erwachsenen-Studie (Studie 58) auf eine einarmige pädiatrische Studie (Studie 98) zu extrapolieren. Das IQWiG hat diesen methodischen Ansatz und die daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen kritisch geprüft.

Empfehlungen

Bewertung des Zusatznutzens

Laut IQWiG ist ein Zusatznutzen von Vandetanib im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie (Best Supportive Care) bei Kindern und Jugendlichen nicht belegt. Die vorgelegten Daten und die methodische Umsetzung der Extrapolation wurden als unzureichend bewertet.

Methodische Kritikpunkte an der Datenextrapolation

Das IQWiG führt mehrere Gründe an, warum die Übertragung der Erwachsenen-Daten auf Kinder nicht sachgerecht ist:

  • Es fehlt eine Recherche und Auseinandersetzung mit dem Krankheitsverlauf unter der Vergleichstherapie (BSC) bei Kindern.

  • Die Genese der Erkrankung unterscheidet sich deutlich (überwiegend sporadisch bei Erwachsenen, ausschließlich hereditär in der pädiatrischen Population).

  • Der Endpunkt "Zeit bis zur Schmerzprogression", der bei Erwachsenen für den Zusatznutzen ausschlaggebend war, wurde in der pädiatrischen Studie nicht erhoben.

  • Es zeigten sich auffällige Unterschiede zwischen Erwachsenen und Kindern hinsichtlich Gesamtüberleben und Nebenwirkungsprofil (z. B. QTc-Verlängerung, Diarrhö).

Anforderungen an die Anwendung

Die Leitlinie verweist auf die Fachinformation, wonach die Behandlung durch einen in der Onkologie und MTC-Therapie erfahrenen Arzt veranlasst werden sollte. Zudem wird Erfahrung in der Auswertung von Elektrokardiogrammen (EKG) vorausgesetzt.

Es wird empfohlen, vor Therapieentscheidung einen Test auf RET-Mutationen durchzuführen. Bei Patienten mit negativem oder unbekanntem RET-Mutationsstatus sollte ein möglicherweise geringerer Nutzen der Therapie berücksichtigt werden.

Dosierung

Die Dosierung bei Kindern und Jugendlichen erfolgt auf Basis der Körperoberfläche (KOF) in mg/m². Höhere Dosen als 150 mg/m² wurden in klinischen Studien mit Kindern nicht angewendet.

Körperoberfläche (m²)AnfangsdosisErhöhte Dosis (bei guter Verträglichkeit nach 8 Wochen)Reduzierte Dosis (bei Toxizität)
0,7 bis < 0,9100 mg jeden zweiten Tag100 mg täglich-
0,9 bis < 1,2100 mg täglich200 mg täglich100 mg jeden zweiten Tag
1,2 bis < 1,6100 mg täglich300 mg täglich100 mg jeden zweiten Tag
≥ 1,6200 mg täglich300 mg täglich100 mg täglich

Bei Auftreten eines Ereignisses vom CTCAE-Grad 3, einer höheren Toxizität oder einer Verlängerung des QTc-Intervalls sollte die Therapie zeitweilig ausgesetzt werden. Nach Erholung auf maximal Grad 1 kann die Behandlung mit der nächstniedrigeren Dosisstufe wieder aufgenommen werden.

Kontraindikationen

Die Anwendung von Vandetanib ist mit spezifischen Risiken verbunden und in bestimmten Situationen kontraindiziert oder nicht empfohlen:

  • Kinder unter 5 Jahren (Sicherheit und Wirksamkeit nicht erwiesen)

  • Patienten mit einem QTc-Intervall > 480 ms im EKG

  • Patienten mit kongenitalem Long-QTc-Syndrom

  • Patienten mit Torsade de pointes in der Vorgeschichte (sofern Risikofaktoren nicht korrigiert wurden)

  • Gleichzeitige Gabe von spezifischen QTc-verlängernden Arzneimitteln

  • Schwere Niereninsuffizienz (Anwendung nicht empfohlen)

  • Leberfunktionsstörungen (Anwendung nicht empfohlen)

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Fachinformation warnt eindringlich vor dem Risiko einer QTc-Verlängerung und dem Auftreten eines posterioren reversiblen Enzephalopathie-Syndroms (PRES). Es wird empfohlen, bei Symptomen wie Krampfanfällen, Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Verwirrtheit sofort an PRES zu denken und ein MRT des Gehirns zu veranlassen. Zudem ist eine engmaschige Kontrolle von EKG, Elektrolyten (Kalium, Kalzium, Magnesium) und TSH zwingend erforderlich.

Häufig gestellte Fragen

Gemäß der IQWiG-Bewertung ist ein Zusatznutzen von Vandetanib gegenüber Best Supportive Care bei Kindern und Jugendlichen ab 5 Jahren nicht belegt. Die vom Hersteller vorgelegte Extrapolation von Erwachsenen-Daten auf die pädiatrische Population wurde als methodisch unzureichend eingestuft.

Die Dosierung erfolgt körperoberflächenadaptiert (mg/m²). Die Anfangsdosis variiert je nach Körperoberfläche zwischen 100 mg jeden zweiten Tag und 200 mg täglich.

Es wird eine regelmäßige Überwachung mittels EKG zur Kontrolle der QTc-Zeit empfohlen. Zusätzlich sollen die Serumspiegel von Kalium, Kalzium, Magnesium sowie das TSH kontrolliert werden.

Bei leichter Niereninsuffizienz ist laut Fachinformation keine Dosisanpassung erforderlich. Bei mittelschwerer Einschränkung kann eine reduzierte Dosis angewendet werden, während die Gabe bei schwerer Niereninsuffizienz nicht empfohlen wird.

Eine vergessene Dosis sollte eingenommen werden, sobald es bemerkt wird, es sei denn, der Zeitraum bis zur nächsten regulären Dosis beträgt weniger als 12 Stunden. Es wird ausdrücklich davor gewarnt, eine doppelte Dosis einzunehmen.

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Quelle: IQWiG A17-01: Vandetanib (medulläres Schilddrüsenkarzinom bei Jugendlichen und Kindern ab 5 Jahren) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2017). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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