Ösophaguskarzinom: Nivolumab Therapie und Indikation
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A21-62 stellt ein Addendum zur Nutzenbewertung von Nivolumab dar. Es geht um erwachsene Personen mit nicht resezierbarem, fortgeschrittenem, rezidivierendem oder metastasiertem Ösophaguskarzinom mit Plattenepithel-Histologie.
Diese Patientengruppe muss zuvor eine fluoropyrimidin- und platinbasierte Kombinationschemotherapie erhalten haben. Zudem müssen die Betroffenen gegenüber dieser Vortherapie refraktär oder intolerant sein.
Grundlage der Bewertung ist die offene, randomisierte Phase-3-Studie ATTRACTION-3. In dieser wurde Nivolumab mit einer Monochemotherapie, bestehend aus Docetaxel oder Paclitaxel, verglichen.
Empfehlungen
Die Bewertung der Studienergebnisse durch das IQWiG liefert folgende Erkenntnisse:
Gesamtüberleben und Gesundheitszustand
Laut Bericht zeigt sich für den primären Endpunkt Gesamtüberleben ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Nivolumab. Das Verzerrungspotenzial für dieses Ergebnis wird als niedrig eingestuft.
Auch beim Gesundheitszustand, gemessen anhand der visuellen Analogskala (EQ-5D VAS), ergibt sich ein signifikanter Vorteil für Nivolumab. Hier wird das Verzerrungspotenzial jedoch aufgrund fehlender Verblindung und unvollständiger Daten als hoch bewertet.
Nebenwirkungen und Sicherheit
Die Auswertung der unerwünschten Ereignisse (UE) zeigt laut Bewertung folgende Ergebnisse:
-
Bei den schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (SUE) und den Therapieabbrüchen wegen UE gibt es keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
-
Bei den schweren unerwünschten Ereignissen (CTCAE-Grad ≥ 3) zeigt sich ein signifikanter Vorteil für Nivolumab.
-
Spezifische Nebenwirkungen wie Stomatitis, Alopezie und febrile Neutropenie traten unter Nivolumab signifikant seltener auf.
Subgruppenanalysen
Der Bericht identifiziert das Alter als Effektmodifikator bei den schweren unerwünschten Ereignissen. Sowohl bei Personen unter 65 Jahren als auch bei Personen ab 65 Jahren zeigt sich jedoch ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Nivolumab.
Dosierung
Die Studie ATTRACTION-3 verwendete folgende Dosierungsschemata für die Studienmedikation:
| Wirkstoff | Dosierung | Zyklus |
|---|---|---|
| Nivolumab | 240 mg i.v. | Alle 2 Wochen (6-Wochen-Zyklus) |
| Docetaxel | 75 mg/m² i.v. | Alle 3 Wochen |
| Paclitaxel | 100 mg/m² i.v. | Wöchentlich über 6 Wochen, gefolgt von 2 Wochen Pause |
Laut Studienprotokoll waren Dosisanpassungen bei Nivolumab nicht vorgesehen. Bei Docetaxel und Paclitaxel waren Dosisreduktionen bei unerwünschten Ereignissen nach einem festgelegten Schema erlaubt.
Kontraindikationen
Gemäß dem Studienprotokoll der ATTRACTION-3-Studie waren bestimmte Begleit- und Vorbehandlungen ausgeschlossen. Dazu zählten unter anderem:
-
Systemische Kortikosteroide oder Immunsuppressiva innerhalb von 28 Tagen vor Randomisierung.
-
Vorherige Gabe von Taxanen zur spezifischen Behandlung des Ösophaguskarzinoms.
-
Vorherige Therapie mit Nivolumab oder anderen T-Zell-regulierenden Antikörpern.
-
Gleichzeitige Gabe von Bisphosphonaten oder Anti-RANKL-Antikörpern.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht weist darauf hin, dass die Beobachtungszeiten für Nebenwirkungen in der zugrundeliegenden Studie systematisch verkürzt waren, da diese nur während der Behandlung plus 28 bis 100 Tage erfasst wurden. Es wird angemerkt, dass für eine verlässliche Aussage über den gesamten Studienzeitraum eine Erhebung der Nebenwirkungen bis zum Versterben erforderlich gewesen wäre.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht richtet sich die Therapie an Personen, die gegenüber einer fluoropyrimidin- und platinbasierten Kombinationschemotherapie refraktär oder intolerant sind. Zudem dürfen sie nicht für eine radikale Resektion geeignet sein.
Die Auswertung der ATTRACTION-3-Studie zeigt einen statistisch signifikanten Unterschied beim Gesamtüberleben zum Vorteil von Nivolumab gegenüber Docetaxel oder Paclitaxel. Das Verzerrungspotenzial für dieses Ergebnis wird als niedrig bewertet.
Ja, bei den schweren unerwünschten Ereignissen (CTCAE-Grad ≥ 3) ergibt sich laut Bericht ein signifikanter Vorteil für Nivolumab. Bei den schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (SUE) zeigte sich hingegen kein signifikanter Unterschied.
Die Daten zeigen eine Effektmodifikation durch das Alter bei den schweren unerwünschten Ereignissen. Allerdings besteht sowohl bei Personen unter 65 Jahren als auch bei älteren Personen ein signifikanter Vorteil für Nivolumab.
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Quelle: IQWiG A21-62: Nivolumab (Ösophaguskarzinom) - Addendum zum Auftrag A20-121 (IQWiG, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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