Avelumab (Urothelkarzinom): Indikation & Zusatznutzen
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A21-23 bewertet den Zusatznutzen von Avelumab als Erstlinien-Erhaltungstherapie. Das Anwendungsgebiet umfasst erwachsene Patientinnen und Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom.
Voraussetzung für die Therapie ist, dass die Erkrankung nach einer platinbasierten Chemotherapie progressionsfrei ist. Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) Best supportive Care (BSC) festgelegt.
Die Bewertung basiert maßgeblich auf den Daten der offenen, randomisierten Phase-3-Studie JAVELIN Bladder 100. In dieser wurde die Kombination aus Avelumab und BSC mit einer alleinigen BSC-Behandlung verglichen.
Empfehlungen
Die Nutzenbewertung des IQWiG kommt zu folgenden zentralen Ergebnissen hinsichtlich der Wirksamkeit und Sicherheit.
Gesamtüberleben
Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten der Kombinationstherapie. Daraus leitet der Bericht einen Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen ab.
Nebenwirkungen und Sicherheit
Bei den unerwünschten Ereignissen (UE) zeigen sich vermehrt negative Effekte zum Nachteil von Avelumab. Für schwere unerwünschte Ereignisse (CTCAE-Grad ≥ 3) ergibt sich ein Anhaltspunkt für einen höheren Schaden mit erheblichem Ausmaß.
Ein höherer Schaden zeigt sich laut Bewertung unter anderem bei folgenden spezifischen Ereignissen:
-
Erhöhte Lipase- und Amylasewerte
-
Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen
-
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts sowie der Atemwege
-
Infektionen und parasitäre Erkrankungen
-
Hypothyreose und Hauterkrankungen
Gesamtaussage zum Zusatznutzen
In der Gesamtschau stehen dem Überlebensvorteil signifikante Risiken durch Nebenwirkungen gegenüber. Da die negativen Effekte den positiven Effekt im Gesamtüberleben jedoch nicht gänzlich infrage stellen, wird ein positiver Gesamteffekt abgeleitet.
Das IQWiG konstatiert für Avelumab in dieser Indikation insgesamt einen Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen gegenüber Best supportive Care.
Dosierung
Die Fachinformation und das Studienprotokoll geben folgende Dosierungen für Avelumab vor:
| Anwendung | Dosierung | Applikationsweg | Rhythmus |
|---|---|---|---|
| Gemäß Fachinformation | 800 mg | intravenös (über 60 Min.) | alle 2 Wochen |
| Gemäß JAVELIN Bladder 100 Studie | 10 mg/kg Körpergewicht | intravenös (über 60 Min.) | alle 2 Wochen |
Vor den ersten vier Infusionen ist eine Prämedikation mit einem Antihistaminikum und Paracetamol erforderlich. Die Behandlung wird fortgesetzt, bis die Krankheit fortschreitet oder inakzeptable Toxizität auftritt.
Kontraindikationen
Die Anwendung von Avelumab ist bei einer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile kontraindiziert.
Der Bericht verweist auf Warnhinweise zu immunvermittelten Nebenwirkungen. Dazu zählen unter anderem:
-
Immunvermittelte Pneumonitis und Hepatitis
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Immunvermittelte Kolitis und Pankreatitis
-
Immunvermittelte Endokrinopathien (z. B. Schilddrüsenerkrankungen, Nebenniereninsuffizienz, Typ-1-Diabetes)
-
Immunvermittelte Nephritis und Myokarditis
Zudem wird auf das Risiko von infusionsbedingten Reaktionen sowie auf eine mögliche Schädigung des Fötus bei Anwendung in der Schwangerschaft hingewiesen.
💡Praxis-Tipp
Bei der Erhaltungstherapie mit Avelumab wird ein besonderes Augenmerk auf das Nebenwirkungsmanagement empfohlen, da die Nutzenbewertung einen erheblich höheren Schaden bei schweren unerwünschten Ereignissen (CTCAE-Grad ≥ 3) feststellt. Es wird angeraten, Patientinnen und Patienten engmaschig auf immunvermittelte Reaktionen sowie auf asymptomatische Laborwertveränderungen (wie erhöhte Lipase- oder Amylasewerte) zu überwachen.
Häufig gestellte Fragen
Das IQWiG bescheinigt Avelumab als Erstlinien-Erhaltungstherapie beim Urothelkarzinom einen Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen. Dem beträchtlichen Vorteil beim Gesamtüberleben stehen erhebliche Risiken bei schweren Nebenwirkungen gegenüber.
Die Zulassung umfasst erwachsene Patientinnen und Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom. Voraussetzung ist, dass die Erkrankung nach einer platinbasierten Chemotherapie progressionsfrei geblieben ist.
Gemäß Fachinformation wird Avelumab in einer fixen Dosis von 800 mg alle zwei Wochen als intravenöse Infusion verabreicht. Vor den ersten vier Gaben ist eine medikamentöse Prämedikation erforderlich.
Der Bewertungsbericht hebt ein erhöhtes Risiko für schwere unerwünschte Ereignisse hervor. Dazu gehören unter anderem erhöhte Lipase- und Amylasewerte, Stoffwechselstörungen sowie diverse immunvermittelte Entzündungsreaktionen.
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Quelle: IQWiG A21-23: Avelumab (Urothelkarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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