Ulcus cruris venosum: Kompressionstherapie & Behandlung
Hintergrund
Beingeschwüre sind offene Hautwunden am Unterschenkel, die Wochen, Monate oder Jahre andauern können. Die meisten dieser Geschwüre entstehen als Folge von Venenerkrankungen.
Bei venösen Beingeschwüren ist der Blutfluss in den Venen durch Venenschäden, Obstruktionen oder ein Versagen der Wadenmuskelpumpe beeinträchtigt. Dies führt zu einem erhöhten Druck in den Venen und letztlich zu Hautschäden.
Zur Erstbehandlung werden häufig Kompressionsverbände oder -strümpfe eingesetzt. Der vorliegende Cochrane Review untersucht die Wirksamkeit dieser Maßnahmen im Vergleich zu keiner Kompression.
Der Review beschreibt folgende Klassifikation für Kompressionsstrümpfe basierend auf dem Druck am Knöchel:
| Klasse | Unterstützung | Druck am Knöchel | Indikation |
|---|---|---|---|
| Klasse 1 | Leichte Unterstützung | 14-17 mmHg | Krampfadern |
| Klasse 2 | Mittlere Unterstützung | 18-24 mmHg | Schwere Varikosis, Prävention von venösen Ulzera |
| Klasse 3 | Starke Unterstützung | 25-35 mmHg | Schwere chronische Hypertonie, Prävention von venösen Ulzera |
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der Meta-Analyse folgende Kernaussagen zur Therapie mit Kompressionsverbänden oder -strümpfen.
Wundheilung
Laut Review heilen venöse Beingeschwüre bei der Verwendung von Kompressionsverbänden oder -strümpfen wahrscheinlich schneller ab als ohne Kompression (moderate Evidenz, Hazard Ratio 2,17).
Zudem wird berichtet, dass die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Abheilung innerhalb von 12 Monaten unter Kompressionstherapie signifikant höher ist (moderate Evidenz, relatives Risiko 1,77).
Schmerzen und Lebensqualität
Die Auswertung der Daten zeigt folgende Effekte auf das subjektive Befinden:
-
Die Verwendung von Kompression reduziert wahrscheinlich den durchschnittlichen Schmerzwert im Vergleich zu keiner Kompression (moderate Evidenz)
-
Die krankheitsspezifische Lebensqualität verbessert sich durch die Kompressionstherapie möglicherweise (niedrige Evidenz)
-
Allgemeine Aspekte des Gesundheitszustands zeigten hingegen keine konsistenten Verbesserungen
Unerwünschte Ereignisse und Kosten
Hinsichtlich möglicher unerwünschter Ereignisse durch die Kompressionstherapie besteht laut den Autoren Unsicherheit (sehr niedrige Evidenz).
Ebenso wird betont, dass die aktuelle Studienlage keine sicheren Aussagen zur relativen Kosteneffizienz von Kompressionsverbänden im Vergleich zu keiner Kompression zulässt.
Kontraindikationen
Der Review weist darauf hin, dass die Anwendung von Kompression bei venösen Beingeschwüren nicht ohne Risiko ist.
Wenn der ausgeübte Druck den lokalen arteriellen Perfusionsdruck übersteigt, wird der arterielle Zufluss verringert, was das Risiko einer Ischämie birgt.
Es wird darauf hingewiesen, dass Personen mit venösen Beingeschwüren und einem Knöchel-Arm-Druck-Index (ABPI) zwischen 0,5 und 0,8 möglicherweise nur für eine modifizierte, reduzierte Kompression in Frage kommen.
💡Praxis-Tipp
Laut Review ist es essenziell, vor Beginn einer Kompressionstherapie eine arterielle Begleiterkrankung mittels Doppler-Ultraschall auszuschließen. Eine unerkannte arterielle Insuffizienz stellt ein erhebliches Risiko für ischämische Komplikationen unter Kompression dar. Zudem wird betont, dass die korrekte Anwendungstechnik und die Adhärenz maßgeblich für den Therapieerfolg sind.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review zeigt, dass die Zeit bis zur vollständigen Abheilung unter Kompressionstherapie signifikant verkürzt wird. Die Wahrscheinlichkeit für eine Heilung ist im Vergleich zu keiner Kompression etwa doppelt so hoch.
Ja, die Evidenz deutet darauf hin, dass das Tragen von Kompressionsverbänden oder -strümpfen die Schmerzen wahrscheinlich reduziert. Dies trägt laut Review auch zu einer möglichen Verbesserung der krankheitsspezifischen Lebensqualität bei.
Die Studienlage zu unerwünschten Ereignissen ist laut Review sehr unsicher. Es wird jedoch davor gewarnt, dass bei einer vorliegenden arteriellen Durchblutungsstörung ein zu hoher Kompressionsdruck zu einer Ischämie führen kann.
Dieser spezifische Review vergleicht lediglich Kompression mit keiner Kompression. Die Autoren weisen darauf hin, dass zukünftige Studien alternative Kompressionsverbände und -strümpfe direkt miteinander vergleichen sollten.
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Quelle: Cochrane Review: Compression bandages or stockings versus no compression for treating venous leg ulcers (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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