Tumor-Fatigue: Herz-Kreislauf-Training & Therapie
Hintergrund
Krebsbedingte Fatigue (CRF) ist das häufigste und am stärksten belastende Symptom bei onkologischen Erkrankungen. Sie äußert sich als anhaltende Erschöpfung, die nicht durch Ruhe gelindert werden kann und die Lebensqualität massiv einschränkt.
Die genaue Ursache der Tumor-Fatigue ist multifaktoriell, wobei entzündungsfördernde Zytokine eine zentrale Rolle spielen. Ein strukturiertes Herz-Kreislauf-Training kann dazu beitragen, diese Entzündungsprozesse zu regulieren und die Symptomatik zu lindern.
Der aktuelle Cochrane Review (2025) untersucht die Effekte von Ausdauertraining auf Fatigue, Lebensqualität und psychische Symptome. Dabei wird differenziert, ob das Training vor, während oder nach der Krebstherapie stattfindet.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der aktuellen Studienlage folgende Kernaussagen zum Herz-Kreislauf-Training bei Menschen mit Krebs:
Training während der Krebstherapie
Laut Meta-Analyse zeigt ein Ausdauertraining während der laufenden Tumortherapie folgende Effekte:
-
Es reduziert die kurzfristige krebsbedingte Erschöpfung (bis zu 12 Wochen) wahrscheinlich geringfügig (moderate Evidenz).
-
Auf die kurzfristige Lebensqualität hat das Training wahrscheinlich kaum bis keinen Einfluss (moderate Evidenz).
-
Die Auswirkungen auf mittel- und langfristige Fatigue sowie Lebensqualität sind derzeit ungewiss (sehr niedrige Evidenz).
Training nach Abschluss der Therapie
Für die Phase nach der Krebstherapie liefert der Review folgende Erkenntnisse:
-
Die Effekte auf kurz- und langfristige Fatigue sowie Lebensqualität sind aufgrund der Studienlage unsicher (sehr niedrige Evidenz).
-
Es zeigt sich wahrscheinlich kein wesentlicher Unterschied hinsichtlich kurzfristiger Angstzustände und Depressionen (moderate Evidenz).
-
Subgruppenanalysen deuten darauf hin, dass ein Training mit moderater Intensität effektiver sein könnte als ein hochintensives Training.
-
Ein Training in der Gruppe scheint für die Reduktion der kurzfristigen Fatigue vorteilhafter zu sein als ein reines Einzeltraining.
Intensitätssteuerung
Zur Klassifizierung der Trainingsintensität bei onkologischen Erkrankungen nutzt der Review folgende etablierte Parameter:
| Intensität | VO2 max / VO2peak (%) | Maximale Herzfrequenz (%) | Herzfrequenzreserve (%) | RPE-Skala |
|---|---|---|---|---|
| Niedrig | < 41 | < 55 | < 23 | < 8 |
| Moderat | 41-64 | 55-70 | 23-48 | 8-14 |
| Hoch | > 64 | > 70 | > 48 | > 14 |
Training vor der Krebstherapie und Sicherheit
Es wird darauf hingewiesen, dass aktuell keine Studien zum Herz-Kreislauf-Training vor Beginn einer Krebstherapie vorliegen. Zudem ist die Evidenz zu unerwünschten Ereignissen aufgrund mangelhafter Berichterstattung in den Primärstudien sehr unsicher.
💡Praxis-Tipp
Es wird hervorgehoben, dass bei der Planung von Ausdauerintervallen nach einer Krebstherapie ein Training mit moderater Intensität vorteilhafter für die Fatigue-Reduktion sein kann als hochintensive Einheiten. Zudem deutet die Evidenz darauf hin, dass Gruppentrainings aufgrund der psychosozialen Unterstützung stärkere positive Effekte auf die Erschöpfungssymptomatik haben als reine Einzeltrainings.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review zeigt, dass ein Herz-Kreislauf-Training während der Krebstherapie die kurzfristige Erschöpfung wahrscheinlich geringfügig reduziert. Die langfristigen Effekte sind aufgrund der aktuellen Studienlage noch unsicher.
Subgruppenanalysen deuten darauf hin, dass ein Training mit moderater Intensität nach der Krebstherapie effektiver zur Reduktion der Fatigue ist als hochintensives Training. Dies deckt sich mit gängigen sportmedizinischen Empfehlungen für die Onkologie.
Laut der Meta-Analyse profitieren Betroffene nach Abschluss der Therapie hinsichtlich der kurzfristigen Fatigue stärker von einem Gruppentraining. Dies wird auf die zusätzliche psychosoziale Unterstützung und Gruppendynamik zurückgeführt.
Die Evidenz zu unerwünschten Ereignissen ist derzeit sehr unsicher, da viele Studien Sicherheitsdaten nur unzureichend berichten. Es wird jedoch in den verfügbaren Daten nur von wenigen trainingsbedingten Nebenwirkungen wie leichten Muskelschmerzen berichtet.
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Quelle: Cochrane Review: Cardiovascular training for fatigue in people with cancer (Cochrane, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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