Thrombozytopenie bei Leber: Avatrombopag Dosierung
Hintergrund
Die IQWiG-Nutzenbewertung aus dem Jahr 2021 untersucht den Wirkstoff Avatrombopag. Dieser wird zur Behandlung einer schweren Thrombozytopenie bei erwachsenen Personen mit chronischer Lebererkrankung (CLD) eingesetzt, bei denen ein invasiver Eingriff geplant ist.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde das beobachtende Abwarten festgelegt. Dabei wird davon ausgegangen, dass Thrombozytentransfusionen in beiden Behandlungsarmen bei entsprechender Indikation durchgeführt werden.
Die Bewertung basiert maßgeblich auf den Ergebnissen der beiden randomisierten, kontrollierten Studien ADAPT-1 und ADAPT-2. Diese verglichen Avatrombopag mit Placebo hinsichtlich patientenrelevanter Endpunkte wie Mortalität, Morbidität und Nebenwirkungen.
Empfehlungen
Zusatznutzen nach Blutungsrisiko
Laut IQWiG-Bericht hängt der Zusatznutzen von Avatrombopag maßgeblich vom Blutungsrisiko des geplanten invasiven Eingriffs ab.
Für Eingriffe mit mittlerem oder hohem Blutungsrisiko ergibt sich ein Beleg für einen beträchtlichen Zusatznutzen gegenüber dem beobachtenden Abwarten. In dieser Gruppe zeigte sich ein statistisch signifikanter Vorteil, da deutlich mehr Behandelte weder Thrombozytentransfusionen noch Rettungsmaßnahmen aufgrund von Blutungen benötigten.
Für Eingriffe mit geringem Blutungsrisiko (z. B. Parazentese, unkomplizierte Endoskopie) gibt es laut Bericht keinen Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen. Ein Zusatznutzen ist für diese Gruppe somit nicht belegt.
Mortalität und Nebenwirkungen
Hinsichtlich der Gesamtmortalität zeigte sich in der Metaanalyse der Studien kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Avatrombopag und Placebo.
Auch bei den schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (SUE) und Therapieabbrüchen wegen unerwünschter Ereignisse ergaben sich keine signifikanten Unterschiede. Ein höherer oder geringerer Schaden durch Avatrombopag ist demnach nicht belegt.
Thromboembolische Ereignisse
Personen mit chronischer Lebererkrankung haben ein erhöhtes Risiko für thromboembolische Ereignisse. Der Bericht stellt fest, dass sich in den Studien kein signifikanter Unterschied bezüglich thromboembolischer Ereignisse zwischen den Behandlungsgruppen zeigte.
Dosierung
Die Dosierung von Avatrombopag richtet sich nach dem Thrombozytenausgangswert, der vor der Einnahme und am Tag des Eingriffs bestimmt werden muss. Die Einnahme erfolgt über 5 Tage, immer zur gleichen Tageszeit und zusammen mit einer Mahlzeit.
| Thrombozytenausgangswert | Tagesdosis | Behandlungsdauer |
|---|---|---|
| < 40 x 10^9/l | 60 mg | 5 Tage |
| ≥ 40 bis < 50 x 10^9/l | 40 mg | 5 Tage |
Der Behandlungsbeginn ist für 10 bis 13 Tage vor dem geplanten invasiven Eingriff vorgesehen. Der Eingriff selbst sollte 5 bis 8 Tage nach der letzten Einnahme von Avatrombopag stattfinden.
Kontraindikationen
Bei Vorliegen einer schweren Leberfunktionsstörung (Child-Pugh-Stadium C, MELD-Score > 24) liegen nur begrenzte Informationen vor. Eine Behandlung sollte hier nur erfolgen, wenn der erwartete Nutzen die Risiken überwiegt, und erfordert eine engmaschige Überwachung.
Zudem wird von einer Anwendung bei hereditärer Galactose-Intoleranz, völligem Lactasemangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption abgeraten.
Während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter ohne Empfängnisverhütung wird die Anwendung nicht empfohlen. Bei stillenden Frauen muss eine Entscheidung über das Abstillen oder den Verzicht auf die Therapie getroffen werden.
💡Praxis-Tipp
Der IQWiG-Bericht weist darauf hin, dass bei Personen mit einer Lebererkrankung im Child-Pugh-Stadium C am Tag des Eingriffs auf einen unerwartet hohen Anstieg der Thrombozytenwerte geachtet werden sollte. Zudem wird betont, dass die gleichzeitige Anwendung von moderaten oder starken CYP2C9- und CYP3A4/5-Hemmern die Exposition gegenüber Avatrombopag verändern kann, was ebenfalls eine Kontrolle der Thrombozytenwerte am Eingriffstag erforderlich macht.
Häufig gestellte Fragen
Die Einnahme von Avatrombopag wird 10 bis 13 Tage vor dem geplanten Eingriff begonnen. Der Eingriff sollte dann 5 bis 8 Tage nach der letzten Einnahme stattfinden.
Die Behandlung erfolgt über einen Zeitraum von genau 5 Tagen. Aufgrund begrenzter Datenlage wird von einer längeren Einnahmedauer abgeraten.
Laut IQWiG-Bericht ist ein beträchtlicher Zusatznutzen nur bei Eingriffen mit mittlerem oder hohem Blutungsrisiko belegt. Bei Eingriffen mit geringem Blutungsrisiko konnte kein Zusatznutzen gegenüber dem beobachtenden Abwarten festgestellt werden.
Es wird nicht erwartet, dass bei schwerer Leberfunktionsstörung (Child-Pugh C) eine Dosisanpassung erforderlich ist. Allerdings wird eine engmaschige Überwachung der Thrombozytenwerte empfohlen.
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Quelle: IQWiG A21-31: Avatrombopag (Thrombozytopenie) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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