Surfactant via Larynxmaske: Therapie bei Atemnotsyndrom
Hintergrund
Das Atemnotsyndrom (RDS) ist eine der Hauptursachen für Morbidität und Mortalität bei Frühgeborenen und resultiert aus einem Mangel an pulmonalem Surfactant. Die Standardbehandlung umfasst die endotracheale Intubation zur Surfactant-Gabe sowie eine mechanische Beatmung, was jedoch das Risiko für beatmungsinduzierte Lungenschäden und eine bronchopulmonale Dysplasie (BPD) erhöht.
Um diese Komplikationen zu vermeiden, werden zunehmend weniger invasive Methoden wie der kontinuierliche positive Atemwegsdruck (CPAP) eingesetzt. Da unter alleinigem CPAP jedoch keine klassische Surfactant-Gabe möglich ist, wurden alternative Strategien wie das InSurE-Verfahren (Intubation, Surfactant, Extubation) entwickelt, welche aber weiterhin eine kurzzeitige Intubation erfordern.
Der aktuelle Cochrane Review (2024) untersucht die Surfactant-Gabe über eine Kehlkopfmaske (S-LMA) als minimalinvasive Alternative. Ziel der Analyse ist es, Nutzen und Risiken der S-LMA im Vergleich zu InSurE, Standard-Intubation oder alleinigem CPAP bei Frühgeborenen mit oder mit Risiko für ein RDS zu bewerten.
Empfehlungen
Die Meta-Analyse formuliert basierend auf den eingeschlossenen Studien folgende Kernaussagen zur Wirksamkeit der Surfactant-Gabe über eine Kehlkopfmaske (S-LMA):
Vergleich der S-LMA mit anderen Verfahren
Der Review vergleicht die S-LMA mit verschiedenen etablierten Strategien. Die Auswirkungen auf die wichtigsten klinischen Endpunkte stellen sich laut den Daten wie folgt dar:
| Vergleichsgruppe | Effekt auf mechanische Beatmung | Effekt auf Tod oder BPD |
|---|---|---|
| InSurE (Intubation-Surfactant-Extubation) | Mögliche Reduktion | Kaum oder kein Unterschied |
| S-ETT (Standard-Intubation und Beatmung) | Mögliche Reduktion | Nicht berichtet |
| Keine Surfactant-Gabe (nur CPAP) | Wahrscheinliche Reduktion | Kaum oder kein Unterschied |
S-LMA versus InSurE
Laut Review hat die S-LMA im Vergleich zum InSurE-Verfahren wahrscheinlich kaum oder keinen Einfluss auf den kombinierten Endpunkt aus Tod oder BPD im Alter von 36 Wochen. Es wird jedoch berichtet, dass die S-LMA die Notwendigkeit einer mechanischen Beatmung reduzieren kann.
Dieser Vorteil bezüglich der Beatmungshäufigkeit beschränkt sich den Daten zufolge auf Studien, in denen die InSurE-Gruppe eine Analgesie oder Sedierung erhielt. Bezüglich Luftleckagen (Pneumothorax) oder der Sterblichkeit während des ersten Krankenhausaufenthalts zeigt sich laut Analyse kaum oder kein Unterschied.
S-LMA versus CPAP ohne Surfactant
Im Vergleich zu einer rein nicht-invasiven Atemunterstützung ohne Surfactant reduziert die S-LMA wahrscheinlich die Notwendigkeit einer späteren mechanischen Beatmung. Auf die Rate an BPD oder die Mortalität hat die Intervention laut den eingeschlossenen Studien kaum oder keinen Einfluss.
Sicherheit und Komplikationen
Die Meta-Analyse findet kaum Unterschiede bei verfahrensassoziierten Komplikationen wie Bradykardien, Hypoxämien oder Surfactant-Reflux während der S-LMA im Vergleich zu InSurE. Es wird jedoch betont, dass die Evidenz für diese Sicherheitsendpunkte limitiert ist.
Implikationen für die Praxis
Der Review fasst die klinische Anwendbarkeit wie folgt zusammen:
-
Bei Frühgeborenen unter 36 Schwangerschaftswochen kann die S-LMA als Rescue-Therapie die Notwendigkeit einer mechanischen Beatmung senken.
-
Für extrem unreife Frühgeborene (unter 32 Wochen oder unter 1500 g) reichen die Daten nicht aus, um den Einsatz zu unterstützen oder zu widerlegen.
-
In dieser vulnerablen Gruppe sollte die Anwendung laut Autoren auf klinische Studien beschränkt bleiben.
Kontraindikationen
Laut dem Cochrane Review gibt es unzureichende Daten für die Anwendung der Kehlkopfmasken-Surfactant-Gabe bei extrem unreifen Frühgeborenen (unter 32 Schwangerschaftswochen oder unter 1500 g Geburtsgewicht). Es wird nachdrücklich darauf hingewiesen, dass der Einsatz in dieser Patientengruppe auf klinische Studien beschränkt bleiben sollte.
💡Praxis-Tipp
Der Review hebt hervor, dass die Surfactant-Gabe über eine Kehlkopfmaske bei Frühgeborenen (< 36 Wochen) zwar die Notwendigkeit einer mechanischen Beatmung reduzieren kann, dieser Effekt jedoch stark von der Sedierungspraxis in der Kontrollgruppe abhängt. Bei extrem unreifen Frühgeborenen (< 32 Wochen oder < 1500 g) wird aufgrund unzureichender Datenlage von einem routinemäßigen klinischen Einsatz außerhalb von Studien abgeraten.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review hat die Surfactant-Gabe über eine Kehlkopfmaske (S-LMA) im Vergleich zu InSurE oder CPAP kaum oder keinen Effekt auf die Rate an bronchopulmonaler Dysplasie (BPD) oder Tod. Die Evidenz für diesen Endpunkt wird als niedrig eingestuft.
Die Meta-Analyse zeigt, dass S-LMA die Notwendigkeit einer mechanischen Beatmung im Vergleich zu InSurE reduzieren kann. Dieser Vorteil beschränkt sich laut den Daten jedoch auf Studien, in denen die InSurE-Gruppe sediert oder analgetisiert wurde.
Der Review berichtet über mögliche Vorteile bei Frühgeborenen unter 36 Schwangerschaftswochen. Für extrem unreife Frühgeborene unter 32 Wochen oder unter 1500 g Geburtsgewicht reicht die Evidenz laut den Autoren nicht für einen routinemäßigen klinischen Einsatz aus.
Laut den eingeschlossenen Studien gibt es bei der S-LMA im Vergleich zu InSurE wahrscheinlich kaum Unterschiede bezüglich Bradykardien, Hypoxämien oder Surfactant-Reflux während der Prozedur. Die Datenlage zur Sicherheit wird im Review jedoch insgesamt als limitiert beschrieben.
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Quelle: Cochrane Review: Laryngeal mask airway surfactant administration for prevention of morbidity and mortality in preterm infants with or at risk of respiratory distress syndrome (Cochrane, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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