CochraneIa2020

Süßstoffe bei Diabetes: Effekt auf HbA1c und Gewicht

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Nicht-nutritive Süßungsmittel (NNS) zeichnen sich durch eine höhere Süßkraft und einen geringeren Kaloriengehalt im Vergleich zu herkömmlichen Zuckern wie Saccharose aus. Viele Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes nutzen diese Süßstoffe als Ersatz für Zucker, um ihre Kohlenhydrat- und Energiezufuhr besser steuern zu können.

Der Cochrane Review (2020) untersucht die gesundheitlichen Auswirkungen des Konsums von NNS bei Personen mit Diabetes mellitus. Dabei liegt der Fokus auf patientenrelevanten Endpunkten wie dem Langzeitblutzuckerwert (HbA1c), dem Körpergewicht sowie möglichen unerwünschten Ereignissen.

Bisher gibt es nur sehr begrenzte Informationen über die langfristigen gesundheitlichen Folgen eines verstärkten Konsums von NNS bei Diabetikern. Die Meta-Analyse wertet randomisierte kontrollierte Studien aus, um den Nutzen oder potenziellen Schaden im Vergleich zu Zucker, Placebo oder anderen Süßungsmitteln zu bewerten.

Empfehlungen

Die Meta-Analyse formuliert folgende Kernaussagen zur Evidenzlage:

Fehlende eindeutige Evidenz

Laut Review ist die Evidenz hinsichtlich der Auswirkungen von nicht-nutritiven Süßungsmitteln (NNS) im Vergleich zu anderen Interventionen nicht eindeutig. Es wird betont, dass die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für alle untersuchten Endpunkte als sehr niedrig eingestuft wird.

Auswirkungen auf klinische Parameter

Die Auswertung vergleicht NNS mit Zucker, Placebo und dem kalorienarmen Süßungsmittel Tagatose. Dabei ergeben sich folgende Resultate:

  • Es zeigt sich kein klarer Unterschied bezüglich des HbA1c-Wertes (sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit).

  • Es gibt keinen signifikanten Effekt auf das Körpergewicht (sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit).

  • Es lässt sich kein Unterschied beim Auftreten von nicht schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen feststellen.

Datenlücken und Forschungsbedarf

Der Review weist auf erhebliche Datenlücken in der aktuellen Forschung hin. Es fehlen laut Auswertung insbesondere Daten zu folgenden patientenrelevanten Endpunkten:

  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität

  • Diabetes-Komplikationen (z. B. Retinopathie, Nephropathie)

  • Gesamtmortalität

  • Sozioökonomische Auswirkungen

Es wird der Bedarf an weiteren langfristigen, methodisch strengen randomisierten kontrollierten Studien mit großen Stichproben hervorgehoben.

Dosierung

Der Review listet die akzeptable tägliche Aufnahmemenge (Acceptable Daily Intake, ADI) für verschiedene nicht-nutritive Süßungsmittel auf, wie sie von regulatorischen Behörden definiert wurden:

SüßungsmittelFDA (mg/kg Körpergewicht)SCF/EFSA (mg/kg Körpergewicht)JECFA (mg/kg Körpergewicht)
Acesulfam-K15915
Advantam32,855
Aspartam504040
CyclamatNicht zugelassen711
Neotam0,322
Saccharin1555
Sucralose51515
Steviolglykoside444
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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

In der Praxis sollte beachtet werden, dass der Einsatz von nicht-nutritiven Süßungsmitteln bei Diabetes mellitus laut aktueller Evidenz nicht automatisch zu einer signifikanten Verbesserung des HbA1c-Wertes oder zu einer Gewichtsabnahme führt. Da Langzeitdaten zu möglichen Komplikationen oder der Gesamtmortalität fehlen, lässt sich derzeit weder ein klarer klinischer Nutzen noch ein eindeutiger Schaden belegen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Cochrane Review gibt es keine eindeutige Evidenz dafür, dass nicht-nutritive Süßungsmittel den HbA1c-Wert im Vergleich zu Zucker oder Placebo signifikant senken. Die Vertrauenswürdigkeit der zugrundeliegenden Daten wird als sehr niedrig eingestuft.

Die Meta-Analyse zeigt keinen klaren Unterschied im Körpergewicht, wenn Süßstoffe anstelle von Zucker oder Placebo konsumiert werden. Auch hier ist die Evidenzlage laut Review sehr schwach.

Der Review fand keine signifikanten Unterschiede beim Auftreten von unerwünschten Ereignissen zwischen Süßstoffen und Placebo. Allerdings fehlen laut Auswertung verlässliche Langzeitdaten zu Diabetes-Komplikationen und der Gesamtmortalität, um eine abschließende Sicherheitsbewertung abzugeben.

In den eingeschlossenen Studien wurden unter anderem Aspartam, Saccharin, Cyclamat, Sucralose und Steviolglykoside untersucht. Diese wurden entweder mit Zucker, Placebo oder dem kalorienarmen Süßungsmittel Tagatose verglichen.

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Quelle: Cochrane Review: Non-nutritive sweeteners for diabetes mellitus (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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