LVEF und Myokardfibrose bei plötzlichem Herztod (Europace)
📋Auf einen Blick
- •Nur 15,4 % der Opfer eines plötzlichen Herztods (SCD) wiesen prämortal eine stark reduzierte LVEF (≤35 %) auf.
- •Myokardfibrose ist bei SCD-Opfern sehr häufig (ca. 95 %), unabhängig von der LVEF.
- •Es besteht eine nur schwache Korrelation zwischen der LVEF und dem Ausmaß der Myokardfibrose.
- •Fast die Hälfte der Patienten mit substanzieller Fibrose hatte eine normale LVEF (≥50 %).
- •Die LVEF ist ein unzureichender Surrogatparameter zur Erkennung eines potenziell tödlichen arrhythmogenen Fibrosesubstrats.
Hintergrund
Der plötzliche Herztod (SCD) ist eine führende Todesursache. Bisher stützt sich die Risikostratifizierung und Indikationsstellung für primärpräventive implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) hauptsächlich auf die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF). Eine aktuelle Auswertung der finnischen Fingesture-Studie (Europace, 2025) an 716 autopsierten SCD-Opfern untersuchte den Zusammenhang zwischen prämortaler LVEF und dem Ausmaß der Myokardfibrose.
LVEF bei Opfern des plötzlichen Herztods
Die Auswertung der prämortalen Echokardiografien (im Median 2 Jahre vor dem SCD) zeigte, dass eine stark reduzierte LVEF bei SCD-Opfern überraschend selten ist. Männer wiesen signifikant häufiger eine reduzierte LVEF auf als Frauen.
| LVEF-Kategorie | Anteil der SCD-Opfer | Bemerkung |
|---|---|---|
| Normal (≥50 %) | 62,7 % (n = 449) | Häufigste LVEF-Kategorie vor einem SCD |
| Leicht reduziert (36–49 %) | 21,9 % (n = 157) | - |
| Stark reduziert (≤35 %) | 15,4 % (n = 110) | Traditioneller ICD-Grenzwert erfasst nur eine Minderheit |
Prävalenz der Myokardfibrose
Bei der Autopsie zeigte sich, dass Myokardfibrose bei fast allen SCD-Opfern vorlag. Eine ischämische Ätiologie war bei ausgeprägterer Fibrose proportional häufiger.
| Fibrose-Ausmaß (Autopsie) | Anteil der SCD-Opfer |
|---|---|
| Substanziell | 19,6 % |
| Moderat | 53,8 % |
| Leicht | 22,1 % |
| Keine Fibrose | 4,5 % |
Zusammenhang zwischen LVEF und Myokardfibrose
Die Studie belegt eine nur schwache Korrelation zwischen der LVEF und dem Ausmaß der Myokardfibrose (Spearman’s ρ 0,21).
- Nur 21,4 % der Patienten mit substanzieller Fibrose hatten eine LVEF ≤35 %.
- Fast die Hälfte (47,9 %) der Patienten mit substanzieller Fibrose wies eine normale LVEF auf.
- Die Sensitivität einer LVEF ≤35 % zur Erkennung einer substanziellen Myokardfibrose lag bei lediglich 21,4 % (Spezifität 86,1 %).
Klinische Implikationen
Die LVEF ist ein unzureichender Surrogatparameter für Myokardfibrose. Da Myokardfibrose ein wesentliches arrhythmogenes Substrat für fatale Rhythmusstörungen darstellt, greift die alleinige Fokussierung auf eine LVEF ≤35 % zur SCD-Prävention zu kurz. Zukünftige Strategien zur Risikostratifizierung sollten alternative Methoden zur Fibroseerkennung (z. B. kardiale MRT mit Late Gadolinium Enhancement) stärker einbeziehen, auch bei Patienten mit einer LVEF >35 %.
💡Praxis-Tipp
Verlassen Sie sich bei der Einschätzung des SCD-Risikos nicht allein auf die LVEF. Bedenken Sie, dass auch Patienten mit normaler Pumpfunktion ein hohes arrhythmogenes Risiko durch unerkannte Myokardfibrose haben können.