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LVEF und Myokardfibrose bei plötzlichem Herztod (Europace)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Europace Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Nur 15,4 % der Opfer eines plötzlichen Herztods (SCD) wiesen prämortal eine stark reduzierte LVEF (≤35 %) auf.
  • Myokardfibrose ist bei SCD-Opfern sehr häufig (ca. 95 %), unabhängig von der LVEF.
  • Es besteht eine nur schwache Korrelation zwischen der LVEF und dem Ausmaß der Myokardfibrose.
  • Fast die Hälfte der Patienten mit substanzieller Fibrose hatte eine normale LVEF (≥50 %).
  • Die LVEF ist ein unzureichender Surrogatparameter zur Erkennung eines potenziell tödlichen arrhythmogenen Fibrosesubstrats.
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Hintergrund

Der plötzliche Herztod (SCD) ist eine führende Todesursache. Bisher stützt sich die Risikostratifizierung und Indikationsstellung für primärpräventive implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) hauptsächlich auf die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF). Eine aktuelle Auswertung der finnischen Fingesture-Studie (Europace, 2025) an 716 autopsierten SCD-Opfern untersuchte den Zusammenhang zwischen prämortaler LVEF und dem Ausmaß der Myokardfibrose.

LVEF bei Opfern des plötzlichen Herztods

Die Auswertung der prämortalen Echokardiografien (im Median 2 Jahre vor dem SCD) zeigte, dass eine stark reduzierte LVEF bei SCD-Opfern überraschend selten ist. Männer wiesen signifikant häufiger eine reduzierte LVEF auf als Frauen.

LVEF-KategorieAnteil der SCD-OpferBemerkung
Normal (≥50 %)62,7 % (n = 449)Häufigste LVEF-Kategorie vor einem SCD
Leicht reduziert (36–49 %)21,9 % (n = 157)-
Stark reduziert (≤35 %)15,4 % (n = 110)Traditioneller ICD-Grenzwert erfasst nur eine Minderheit

Prävalenz der Myokardfibrose

Bei der Autopsie zeigte sich, dass Myokardfibrose bei fast allen SCD-Opfern vorlag. Eine ischämische Ätiologie war bei ausgeprägterer Fibrose proportional häufiger.

Fibrose-Ausmaß (Autopsie)Anteil der SCD-Opfer
Substanziell19,6 %
Moderat53,8 %
Leicht22,1 %
Keine Fibrose4,5 %

Zusammenhang zwischen LVEF und Myokardfibrose

Die Studie belegt eine nur schwache Korrelation zwischen der LVEF und dem Ausmaß der Myokardfibrose (Spearman’s ρ 0,21).

  • Nur 21,4 % der Patienten mit substanzieller Fibrose hatten eine LVEF ≤35 %.
  • Fast die Hälfte (47,9 %) der Patienten mit substanzieller Fibrose wies eine normale LVEF auf.
  • Die Sensitivität einer LVEF ≤35 % zur Erkennung einer substanziellen Myokardfibrose lag bei lediglich 21,4 % (Spezifität 86,1 %).

Klinische Implikationen

Die LVEF ist ein unzureichender Surrogatparameter für Myokardfibrose. Da Myokardfibrose ein wesentliches arrhythmogenes Substrat für fatale Rhythmusstörungen darstellt, greift die alleinige Fokussierung auf eine LVEF ≤35 % zur SCD-Prävention zu kurz. Zukünftige Strategien zur Risikostratifizierung sollten alternative Methoden zur Fibroseerkennung (z. B. kardiale MRT mit Late Gadolinium Enhancement) stärker einbeziehen, auch bei Patienten mit einer LVEF >35 %.

💡Praxis-Tipp

Verlassen Sie sich bei der Einschätzung des SCD-Risikos nicht allein auf die LVEF. Bedenken Sie, dass auch Patienten mit normaler Pumpfunktion ein hohes arrhythmogenes Risiko durch unerkannte Myokardfibrose haben können.

Häufig gestellte Fragen

Laut der Fingesture-Studie weisen nur 15,4 % der Opfer eines plötzlichen Herztods prämortal eine stark reduzierte LVEF von ≤35 % auf.
Nein, die Korrelation ist schwach. Fast die Hälfte der Patienten mit substanzieller Myokardfibrose in der Autopsie hatte prämortal eine normale LVEF (≥50 %).
Sehr häufig. In der untersuchten Kohorte wiesen rund 95 % der SCD-Opfer bei der Autopsie eine leichte, moderate oder substanzielle Myokardfibrose auf.

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