NICE

Störung des Sozialverhaltens: Diagnostik und Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Störungen des Sozialverhaltens und assoziiertes antisoziales Verhalten gehören zu den häufigsten psychischen Problemen bei Kindern und Jugendlichen. Die NICE-Leitlinie CG158 bietet strukturierte Empfehlungen für die Erkennung, Beurteilung und Behandlung dieser Störungsbilder.

Die Prävalenz steigt im Laufe der Kindheit an und betrifft Jungen häufiger als Mädchen. Oftmals bestehen komorbide Erkrankungen wie die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder Lernschwierigkeiten.

Unbehandelt sind diese Störungen stark mit schlechten schulischen Leistungen, sozialer Isolation und im späteren Leben mit Substanzmissbrauch sowie Kriminalität assoziiert. Eine frühzeitige, altersgerechte und strukturierte Intervention wird daher als essenziell erachtet.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen:

Diagnostik und Assessment

Zu Beginn wird eine initiale Beurteilung empfohlen, wenn Eltern, Lehrkräfte oder Fachpersonal Bedenken hinsichtlich anhaltenden antisozialen Verhaltens äußern. Die Leitlinie rät dazu, den "Strengths and Difficulties Questionnaire" (SDQ) als Hilfsmittel zu nutzen.

Bei Vorliegen von komplizierenden Faktoren wird eine Überweisung an spezialisierte kinder- und jugendpsychiatrische Dienste (CAMHS) für ein umfassendes Assessment empfohlen. Zu diesen Faktoren zählen laut Leitlinie:

  • Koexistierende psychische Probleme (z. B. Depression, posttraumatische Belastungsstörung)

  • Neurologische Entwicklungsstörungen (insbesondere ADHS und Autismus)

  • Lernbehinderungen oder -schwierigkeiten

  • Substanzmissbrauch bei Jugendlichen

Psychosoziale Interventionen

Die Leitlinie priorisiert psychosoziale Interventionen, die an das Alter und die Entwicklungsstufe der Kinder angepasst sind. Es werden spezifische Programme je nach Altersgruppe empfohlen:

AltersgruppeInterventionstypZielgruppe
3 bis 7 JahreKlassenraumbasierte ProgrammeSelektive Prävention bei hohem Risiko
3 bis 11 JahreEltern-Trainingsprogramme (Gruppe oder Einzel)Kinder mit Diagnose oder hohem Risiko
9 bis 14 JahreKognitive Problemlösungsprogramme (Gruppe)Kinder mit Diagnose oder hohem Risiko
11 bis 17 JahreMultimodale Interventionen (z. B. Multisystemische Therapie)Jugendliche mit diagnostizierter Störung

Medikamentöse Therapie

Es wird ausdrücklich davon abgeraten, pharmakologische Interventionen zur routinemäßigen Behandlung von Verhaltensproblemen bei diesen Störungsbildern einzusetzen.

Bei Vorliegen einer komorbiden ADHS empfiehlt die Leitlinie den Einsatz von Methylphenidat oder Atomoxetin gemäß den jeweiligen Zulassungen.

Risperidon kann laut Leitlinie für das kurzfristige Management von schwerem aggressiven Verhalten bei Jugendlichen erwogen werden. Dies gilt für Fälle mit explosiver Wut und schwerer emotionaler Dysregulation, die nicht auf psychosoziale Interventionen angesprochen haben.

Dosierung

Die Leitlinie macht keine absoluten Dosisangaben in Milligramm, formuliert aber strikte Vorgaben zur Einleitung und Überwachung einer medikamentösen Therapie.

MedikamentDosierungsstrategieIndikationTherapiedauer
RisperidonStart am unteren Ende des zugelassenen Bereichs, langsame AuftitrationKurzfristiges Management schwerer Aggression bei TherapieresistenzÜberprüfung nach 3-4 Wochen, Abbruch bei Non-Response nach 6 Wochen
Methylphenidat / AtomoxetinGemäß ZulassungManagement einer komorbiden ADHSGemäß spezifischer ADHS-Leitlinie

Kontraindikationen

Die Leitlinie rät explizit davon ab, Medikamente zur routinemäßigen Behandlung von Verhaltensproblemen bei Störungen des Sozialverhaltens oder oppositionellem Trotzverhalten einzusetzen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie betont, dass eine Vorgeschichte mit neurologischen Entwicklungsstörungen wie ADHS niemals als Hindernis für ein umfassendes Assessment angesehen werden darf. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Eltern sich durch den Kontakt mit Hilfssystemen oft stigmatisiert oder beschuldigt fühlen. Es wird empfohlen, diese Sorgen bei der Vorstellung von Elterntrainings direkt und transparent anzusprechen.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt für das initiale Assessment den "Strengths and Difficulties Questionnaire" (SDQ). Für die Beurteilung von Begleiterkrankungen wird unter anderem die "Child Behavior Checklist" genannt.

Eine routinemäßige medikamentöse Therapie wird von der Leitlinie nicht empfohlen. Lediglich bei schwerer, therapieresistenter Aggression kann Risperidon kurzfristig und unter strenger Überwachung erwogen werden.

Vor Behandlungsbeginn wird eine umfassende Erhebung von Gewicht, Größe, Blutdruck, Puls sowie Nüchternblutzucker (oder HbA1c) und Blutfettwerten empfohlen. Zudem sollte laut Leitlinie der Ernährungsstatus und die körperliche Aktivität dokumentiert werden.

Für Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren empfiehlt die Leitlinie multimodale Interventionen, wie beispielsweise die multisystemische Therapie. Diese sollten die Familie, die Schule und das soziale Umfeld einbeziehen.

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Quelle: CG158: Antisocial behaviour and conduct disorders in children and young people: recognition and management (NICE). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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