Akute Nierenschädigung (AKI): Prävention und Therapie
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie NG148 behandelt die Prävention, Erkennung und Behandlung der akuten Nierenschädigung (AKI) bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen. Ziel ist es, die Beurteilung und Erkennung durch Nicht-Spezialisten zu verbessern.
Eine akute Nierenschädigung tritt bei einem signifikanten Anteil aller Krankenhauspatienten auf und ist mit einer hohen Mortalität verbunden. Die Leitlinie betont die Wichtigkeit von frühzeitiger Intervention, Risikobewertung und rechtzeitiger Überweisung an Spezialisten.
Zudem wurden im Update 2024 spezifische Empfehlungen zur Risikobewertung bei der Gabe von jodhaltigen Kontrastmitteln aktualisiert. Dies soll unnötige Verzögerungen bei bildgebenden Verfahren reduzieren, indem die Indikation für vorherige Bluttests präzisiert wird.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur akuten Nierenschädigung:
Risikobewertung und Prävention
Laut Leitlinie wird bei akuter Erkrankung eine Untersuchung auf AKI mittels Serumkreatinin empfohlen, wenn bestimmte Risikofaktoren vorliegen. Dazu zählen unter anderem chronische Nierenerkrankungen, Herzinsuffizienz, Sepsis, Hypovolämie oder die Einnahme nephrotoxischer Medikamente.
Bei der Gabe von jodhaltigen Kontrastmitteln besteht laut Leitlinie ein erhöhtes Risiko bei einer eGFR von unter 30 ml/min/1.73 m². Es wird empfohlen, in nicht-dringlichen Fällen einen eGFR-Wert aus den letzten 6 Monaten zur Entscheidungsfindung heranzuziehen.
Zur Prävention einer kontrastmittelinduzierten AKI wird bei Risikopatienten eine orale Hydratation empfohlen. Bei stationären Hochrisikopatienten sollte eine intravenöse Volumengabe mit isotonischem Natriumbikarbonat oder 0,9%igem Natriumchlorid erwogen werden.
Diagnostik und Erkennung
Die Erkennung einer AKI erfolgt gemäß den (p)RIFLE-, AKIN- oder KDIGO-Kriterien.
Die Leitlinie definiert eine AKI durch folgende Parameter:
-
Anstieg des Serumkreatinins um mindestens 26 Mikromol/Liter innerhalb von 48 Stunden
-
Anstieg des Serumkreatinins um 50 % oder mehr innerhalb der letzten 7 Tage
-
Abfall der Urinausscheidung auf unter 0,5 ml/kg/Stunde für mehr als 6 Stunden (Erwachsene) bzw. 8 Stunden (Kinder)
Sobald eine AKI vermutet wird, wird eine Urinstreifentestung auf Blut, Protein, Leukozyten, Nitrit und Glukose empfohlen. Bei Verdacht auf eine urologische Obstruktion ohne identifizierte Ursache sollte innerhalb von 24 Stunden ein Ultraschall der Harnwege erfolgen.
Therapie und Überweisung
Die Leitlinie rät vom routinemäßigen Einsatz von Schleifendiuretika zur Behandlung der AKI ab. Diese sollten nur zur Behandlung einer Volumenüberladung oder von Ödemen erwogen werden.
Eine sofortige Überweisung zur Nierenersatztherapie wird empfohlen, wenn Komplikationen nicht auf die medizinische Behandlung ansprechen. Zu diesen Komplikationen zählen Hyperkaliämie, metabolische Azidose, Lungenödem oder urämische Symptome.
Klassifikation der chronischen Nierenerkrankung (CKD)
Zur Einschätzung des Vorrisikos nutzt die Leitlinie die folgende Stadieneinteilung der chronischen Nierenerkrankung:
| Stadium | eGFR (ml/min/1.73 m²) | Beschreibung |
|---|---|---|
| 1 | ≥ 90 | Nierenschaden, normale oder erhöhte GFR |
| 2 | 60 bis 89 | Nierenschaden, leicht verringerte GFR |
| 3A | 45 bis 59 | Moderat verringerte GFR |
| 3B | 30 bis 44 | Moderat verringerte GFR |
| 4 | 15 bis 29 | Stark verringerte GFR |
| 5 | < 15 | Terminales Nierenversagen |
Kontraindikationen
Die Leitlinie formuliert folgende Warnhinweise im Rahmen der AKI-Behandlung:
-
Der routinemäßige Einsatz von Schleifendiuretika zur primären Behandlung der akuten Nierenschädigung wird nicht empfohlen.
-
Niedrig dosiertes Dopamin darf laut Leitlinie nicht zur Therapie der AKI eingesetzt werden.
-
Bei Durchfall, Erbrechen oder Sepsis wird empfohlen, ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptorblocker (ARBs) vorübergehend abzusetzen, bis sich der klinische Zustand stabilisiert hat.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist der Verzicht auf routinemäßige eGFR-Bestimmungen vor jeder Kontrastmittelgabe. Bei klinisch stabilen Patienten ohne bekannte Nierenerkrankung in der Anamnese kann laut Leitlinie auf aktuelle Bluttests verzichtet werden, was unnötige Verzögerungen bei CT-Untersuchungen vermeidet.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie besteht ein erhöhtes Risiko insbesondere bei einer eGFR von unter 30 ml/min/1.73 m². Bei diesen Patienten wird eine sorgfältige Abwägung und gegebenenfalls eine Volumentherapie empfohlen.
Die Leitlinie rät vom routinemäßigen Einsatz von Schleifendiuretika zur primären Behandlung der AKI ab. Sie sollten lediglich zur Behandlung einer Volumenüberladung oder von Ödemen erwogen werden.
Eine AKI wird laut Leitlinie unter anderem durch einen Kreatinin-Anstieg von mindestens 26 Mikromol/Liter innerhalb von 48 Stunden definiert. Auch ein Abfall der Urinausscheidung auf unter 0,5 ml/kg/Stunde für mehr als 6 Stunden ist ein Diagnosekriterium.
Eine sofortige Überweisung wird empfohlen, wenn Komplikationen wie Hyperkaliämie, Lungenödem oder metabolische Azidose nicht auf die medikamentöse Therapie ansprechen. Auch bei unklarer Ursache oder Verdacht auf systemische Erkrankungen sollte eine nephrologische Vorstellung erfolgen.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Acute kidney injury: prevention, detection and management (NICE, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen