Verapamil Dosierung & Indikation: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Verapamil ist ein Nicht-Dihydropyridin-Calciumkanalblocker. Der Wirkstoff hemmt den Einstrom von Kalziumionen in die langsamen L-Typ-Kalziumkanäle des Myokards und der glatten Gefäßmuskulatur während der Depolarisation.
Diese Hemmung führt zu einer Relaxation der koronaren Gefäßmuskulatur und einer Vasodilatation, was insbesondere bei Hypertonie und vasospastischer Angina von Nutzen ist. Zudem besitzt Verapamil negativ chronotrope Eigenschaften und verringert die Aktivität des sympathischen Nervensystems.
Der vorliegende Artikel basiert auf der StatPearls-Zusammenfassung zu Verapamil. Er beleuchtet sowohl die offiziell zugelassenen Indikationen als auch den Off-Label-Gebrauch in der klinischen Praxis.
Empfehlungen
Die StatPearls-Zusammenfassung beschreibt folgende Kernaspekte für den klinischen Einsatz von Verapamil:
Indikationen
Laut Text ist Verapamil für folgende Indikationen offiziell zugelassen:
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Angina pectoris (chronisch stabil, vasospastisch, instabil)
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Hypertonie (als Zusatztherapie)
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Prophylaxe der paroxysmalen supraventrikulären Tachykardie (PSVT)
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Supraventrikuläre Tachykardie (SVT)
Zudem werden verschiedene Off-Label-Indikationen beschrieben. Dazu gehören das akute Koronarsyndrom (wenn Betablocker kontraindiziert sind), die Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen, die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) sowie die idiopathische ventrikuläre Tachykardie (IVT).
Anwendungshinweise
Die Verabreichung kann oral (als schnell oder verzögert freisetzende Formulierung) oder intravenös erfolgen. Bei Retardkapseln ist es laut Quelle möglich, diese zu öffnen und den Inhalt über Apfelmus zu streuen, wobei die Einnahme sofort und ohne Kauen erfolgen muss.
Bei der intravenösen Gabe wird betont, dass die Injektion über einen Zeitraum von mindestens zwei Minuten erfolgen muss.
Überwachung und besondere Patientengruppen
Es wird empfohlen, Blutdruck, Herzfrequenz und Leberfunktionstests regelmäßig zu überwachen. Bei Patienten mit Leberzirrhose ist eine Dosisreduktion erforderlich.
In der Schwangerschaft (Kategorie C) kann Verapamil zur akuten Behandlung einer SVT eingesetzt werden, wenn Adenosin oder Betablocker unwirksam sind. Das Stillen unter Verapamil-Therapie gilt als akzeptabel, da die relative Säuglingsdosis unter 1 % liegt.
Toxizität und Überdosierung
Eine Vergiftung äußert sich typischerweise durch Bradykardie, Hypotonie, metabolische Azidose und Hyperglykämie. Die schwerwiegendsten Komplikationen sind Bradykardie und Schock.
Als Erstlinientherapie bei symptomatischer Überdosierung werden intravenöses Kalzium, hochdosiertes Insulin (bei myokardialer Dysfunktion) und Noradrenalin (bei vasodilatatorischem Schock) aufgeführt.
Dosierung
Orale Dosierung
| Indikation | Formulierung | Initiale Dosis | Erhaltungsdosis / Maximaldosis |
|---|---|---|---|
| Hypertonie | Immediate-Release (IR) | 40 mg 3-mal täglich | 120-360 mg/Tag (max. 480 mg/Tag) |
| Hypertonie | Extended-Release (ER) | 120 mg morgens oder 100 mg abends | - |
| Angina pectoris | IR | 80-160 mg 3-mal täglich | - |
| Vorhofflimmern | IR | 240-480 mg/Tag in 3-4 Dosen | max. 480 mg/Tag |
| Vorhofflimmern | ER | 180-480 mg 1-mal täglich | - |
| Cluster-Kopfschmerz | IR | 240 mg/Tag in 3 Dosen | Titration um 80 mg alle 1-2 Wochen |
| PSVT-Prophylaxe | IR | 240-480 mg/Tag in 3-4 Dosen | - |
| IVT | IR | 360 mg/Tag in 3 Dosen | - |
| IVT | ER | 240-480 mg 1-mal täglich | - |
Intravenöse Dosierung
| Indikation | Initiale Dosis | Wiederholungsdosis / Erhaltung |
|---|---|---|
| Vorhofflimmern | 0,075-0,15 mg/kg über mind. 2 Min. | 10 mg nach 15-30 Min. bei Bedarf |
| SVT (akut) | 2,5-5 mg über 2 Min. (3 Min. bei Geriatrie) | 5-10 mg nach 15-30 Min. (max. 20-30 mg gesamt) |
| IVT | 2,5-5 mg | Alle 15-30 Min. bei Bedarf |
Kontraindikationen
Allgemeine Kontraindikationen (Oral und Intravenös)
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Überempfindlichkeit gegen Verapamil oder einen Bestandteil der Formulierung
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Schwere Dysfunktion des linken Ventrikels
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Schwere Hypotonie (systolischer Blutdruck < 90 mmHg) oder kardiogener Schock
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Sick-Sinus-Syndrom und AV-Block 2. oder 3. Grades (Ausnahme: funktionierender künstlicher Herzschrittmacher)
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Vorhofflimmern oder Vorhofflattern mit akzessorischer Leitungsbahn (z. B. WPW-Syndrom, LGL-Syndrom)
Spezifische Kontraindikationen für die intravenöse Gabe
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Schwere Herzinsuffizienz (es sei denn, sie resultiert aus einer auf Verapamil ansprechenden SVT)
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Gleichzeitige Anwendung von intravenösen Betablockern
Warnhinweise
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Verapamil ist bei Breitkomplextachykardien kontraindiziert, sofern nicht zweifelsfrei ein supraventrikulärer Ursprung nachgewiesen wurde.
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Bei Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) sollte die Anwendung aufgrund eines ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses vermieden werden.
💡Praxis-Tipp
Laut StatPearls-Zusammenfassung ist die intravenöse Gabe von Verapamil bei Breitkomplextachykardien streng kontraindiziert, sofern nicht zweifelsfrei ein supraventrikulärer Ursprung nachgewiesen wurde. Zudem wird eindringlich vor der gleichzeitigen intravenösen Verabreichung von Betablockern gewarnt, da diese Kombination zu schweren kardialen Komplikationen wie ausgeprägter Hypotonie und Asystolie führen kann.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie gibt an, dass die intravenöse Gabe über einen Zeitraum von mindestens zwei Minuten erfolgen muss. Bei geriatrischen Patienten wird eine langsamere Injektionsdauer von drei Minuten empfohlen.
Verapamil fällt in die Schwangerschaftskategorie C und sollte laut Text nur bei strenger Indikation, wie einer akuten SVT, eingesetzt werden. Das Stillen unter Verapamil-Therapie gilt als akzeptabel, da die in die Muttermilch übergehende Menge sehr gering ist.
Bei einer Toxizität werden als Erstlinientherapie intravenöses Kalzium, hochdosiertes Insulin und bei Schockzuständen Noradrenalin empfohlen. Eine Magenspülung oder die Gabe von Aktivkohle kann erwogen werden, wenn die Einnahme weniger als eine Stunde zurückliegt.
Ja, bei Patienten mit Leberzirrhose wird eine deutliche Dosisreduktion empfohlen. Laut Quelle sollte die orale Dosis auf 20 % und die intravenöse Dosis auf 50 % der Normaldosis reduziert werden.
Zu den im Text genannten unerwünschten Wirkungen zählen unter anderem Gingivahyperplasie, Verstopfung (Obstipation), periphere Ödeme, Hypotonie und Müdigkeit.
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Quelle: StatPearls: Verapamil (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.