Abdominelles Kompartmentsyndrom: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Das abdominelle Kompartmentsyndrom (ACS) ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der durch einen anhaltenden intraabdominellen Druck (IAP) von über 20 mmHg mit neu aufgetretenen Organdysfunktionen definiert ist. Die StatPearls-Leitlinie betont, dass die Erkrankung häufig bei kritisch kranken Personen auftritt und schnell zu einem Multiorganversagen führen kann.
Eine intraabdominelle Hypertonie (IAH) liegt bereits ab einem IAP von 12 mmHg vor und stellt eine Vorstufe dar. Ursachen können eine verminderte Compliance der Bauchwand, ein erhöhtes intraluminales oder extraluminales Volumen sowie ein Kapillarleck durch massive Volumengabe oder Sepsis sein.
Ein erhöhter intraabdomineller Druck beeinträchtigt den venösen Rückstrom, reduziert das Herzzeitvolumen und schränkt die Nierenperfusion massiv ein. Ohne frühzeitige Erkennung und Intervention ist die Prognose laut Leitlinie sehr schlecht, weshalb ein standardisiertes Monitoring essenziell ist.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie:
Diagnostik und Monitoring
Die Leitlinie empfiehlt die routinemäßige Messung des intraabdominellen Drucks (IAP) bei Personen mit Risikofaktoren, da die körperliche Untersuchung allein unzuverlässig ist. Als Goldstandard wird die indirekte Messung über einen Blasenkatheter empfohlen.
Für eine korrekte Messung wird folgendes Vorgehen beschrieben:
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Vollständige Rückenlage der betroffenen Person.
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Messung am Ende der Exspiration.
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Instillation von 25 ml steriler Kochsalzlösung in die Blase.
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Nullabgleich des Transducers auf Höhe der mittleren Axillarlinie am Beckenkamm.
Es wird empfohlen, die Druckmessungen bei einem Risiko für ein ACS alle 6 Stunden zu wiederholen, um eine Verschlechterung frühzeitig zu erkennen.
Klassifikation der intraabdominellen Hypertonie (IAH)
Die Leitlinie übernimmt die Einteilung der World Society of Abdominal Compartment Syndrome (WSACS) in vier Schweregrade:
| Grad | Intraabdomineller Druck (IAP) |
|---|---|
| Grad I | 12 bis 15 mmHg |
| Grad II | 16 bis 20 mmHg |
| Grad III | 21 bis 25 mmHg |
| Grad IV | > 25 mmHg |
Konservative Therapie
Bevor eine chirurgische Intervention erfolgt, sollten laut Leitlinie konservative Maßnahmen zur Senkung des IAP ausgeschöpft werden. Dazu gehören:
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Intraluminale Dekompression mittels Magensonde oder Rektalrohr.
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Perkutane Drainage von Aszites oder Hämatomen zur Reduktion des extraluminalen Volumens.
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Verbesserung der Bauchwandcompliance durch adäquate Sedierung und neuromuskuläre Blockade.
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Optimierung des Flüssigkeitshaushalts durch Vermeidung einer positiven Flüssigkeitsbilanz und den Einsatz hypertoner Lösungen oder Kolloide.
Chirurgische Therapie
Wenn die konservative medizinische Behandlung nicht zu einer Besserung führt und weitere Organschäden auftreten, wird eine chirurgische Dekompression mittels Notfall-Laparotomie empfohlen.
Nach der Dekompression wird die Bauchdecke häufig vorübergehend offen gelassen und mit einem Unterdruck-Wundverband (Vakuumtherapie) versorgt. Dies minimiert laut Leitlinie das Infektionsrisiko, verringert Flüssigkeitsverluste und verhindert eine Retraktion der Faszie.
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt spezifische Kontraindikationen für die IAP-Messung über den Blasenkatheter. Dazu gehören ein Blasentrauma, eine neurogene Blase, eine benigne Prostatahyperplasie sowie ein Beckenhämatom.
Zudem wird darauf hingewiesen, dass Beckenfrakturen, Blasenverletzungen und peritoneale Adhäsionen zu ungenauen Messergebnissen führen können.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, sich bei der Diagnosestellung auf die klinische Untersuchung des Abdomens zu verlassen, da diese selbst bei erfahrenen Klinikern unzuverlässig ist. Es wird nachdrücklich empfohlen, bei kritisch kranken Personen mit massiven Flüssigkeitsverschiebungen oder nach großen Bauchoperationen frühzeitig und protokollbasiert den Blasendruck zu messen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird ein abdominelles Kompartmentsyndrom (ACS) bei einem anhaltenden intraabdominellen Druck von über 20 mmHg in Kombination mit einer neu aufgetretenen Organdysfunktion diagnostiziert. Eine intraabdominelle Hypertonie beginnt bereits ab 12 mmHg.
Die Leitlinie empfiehlt die indirekte Messung über einen Blasenkatheter. Dabei werden 25 ml sterile Kochsalzlösung in die Blase injiziert und der Druck in Rückenlage am Ende der Exspiration gemessen.
Es wird empfohlen, das intraluminale Volumen durch Magensonden zu reduzieren und extraluminale Flüssigkeit perkutan zu drainieren. Zudem rät die Leitlinie zu einer Optimierung der Sedierung und einer restriktiven Flüssigkeitstherapie.
Eine Notfall-Laparotomie wird empfohlen, wenn konservative Maßnahmen den intraabdominellen Druck nicht ausreichend senken können. Dies ist insbesondere der Fall, wenn eine fortschreitende Organdysfunktion beobachtet wird.
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Quelle: StatPearls: Abdominal Compartment Syndrome (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.