Pseudoexfoliationssyndrom & Glaukom: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Das Pseudoexfoliationssyndrom (PEX) ist eine altersbedingte systemische Erkrankung der extrazellulären Matrix. Es kommt zu einer chronischen Ablagerung von grau-weißem, fibrillärem Material in verschiedenen Körpergeweben, wobei sich die Erkrankung primär am vorderen Augenabschnitt manifestiert.
Laut der StatPearls-Leitlinie ist PEX die häufigste identifizierbare Ursache für ein sekundäres Offenwinkelglaukom. Bis zu 44 Prozent der Betroffenen entwickeln im Verlauf erhöhte Augeninnendruckwerte und ein Pseudoexfoliationsglaukom (PEG).
Die genaue Ätiologie ist ungeklärt, jedoch spielen genetische Faktoren wie Mutationen im LOXL1-Gen eine wesentliche Rolle. Zudem werden Umweltfaktoren wie UV-Strahlung und oxidativer Stress als Auslöser für die pathologischen Ablagerungen diskutiert.
Empfehlungen
Die Leitlinie strukturiert das klinische Vorgehen bei PEX und PEG wie folgt:
Klinische Diagnostik
Die Diagnose eines PEX wird klinisch anhand charakteristischer Befunde in der Spaltlampenuntersuchung und Gonioskopie gestellt. Es wird eine systematische Untersuchung auf folgende Zeichen empfohlen:
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Weißliches, schuppiges PEX-Material am Pupillarsaum und auf der vorderen Linsenkapsel
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Fleckige Hyperpigmentierung im Trabekelwerk und eine Sampaolesi-Linie in der Gonioskopie
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Eingeschränkte Mydriasis und Phakodonesis aufgrund von Zonulaschwäche
Glaukom-Evaluation
Bei Verdacht auf ein Pseudoexfoliationsglaukom entspricht die Evaluation laut Leitlinie der eines primären Offenwinkelglaukoms (POAG). Folgende Untersuchungen werden zur Basisdiagnostik herangezogen:
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Messung des Augeninnendrucks (IOP) zu verschiedenen Tageszeiten aufgrund starker Tagesschwankungen
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Beurteilung des Sehnervenkopfes auf glaukomatöse Veränderungen
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Statische Perimetrie und optische Kohärenztomografie (OCT) zur Beurteilung der retinalen Nervenfaserschicht
Medikamentöse und Laser-Therapie
Die primäre Behandlung des PEG zielt auf die Senkung des Augeninnendrucks ab. Da das PEG oft aggressiver verläuft als das POAG, wird ein niedrigerer Zieldruck empfohlen.
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Als medikamentöse Erstlinientherapie werden Prostaglandin-Analoga, Betablocker oder Carboanhydrasehemmer eingesetzt
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Die selektive Lasertrabekuloplastik (SLT) wird als sehr effektive Erstlinien- oder Alternativtherapie beschrieben
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Die hohe Wirksamkeit der SLT beruht auf der vermehrten Pigmentierung des Trabekelwerks, welche die Laserenergie gut absorbiert
Chirurgische Interventionen
Bei Versagen der maximalen medikamentösen Therapie oder der SLT kommen operative Verfahren in Betracht. Die Trabekulektomie zeigt bei PEG-Betroffenen ähnliche Erfolgsraten wie bei POAG.
Die Leitlinie warnt vor erhöhten Risiken bei Kataraktoperationen. Aufgrund der Zonulainsuffizienz und der schlechten Mydriasis besteht eine erhöhte Gefahr für Kapselriss, Glaskörperverlust und eine späte Dislokation der Intraokularlinse.
Kontraindikationen
Laut Leitlinie wird von der medikamentösen Therapie mit Pilocarpin bei Patienten mit Pseudoexfoliationssyndrom abgeraten. Es besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Winkelblockglaukoms sowie für die Bildung von hinteren Synechien.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie weist nachdrücklich auf die chirurgischen Herausforderungen bei Kataraktoperationen von Augen mit Pseudoexfoliationssyndrom hin. Es wird empfohlen, präoperativ gezielt auf PEX-Zeichen zu achten, da eine ausgeprägte Zonulaschwäche und eine schlechte Mydriasis das Risiko für intraoperative Komplikationen wie einen Kapselriss signifikant erhöhen. Zudem erfordern diese Augen postoperativ oft eine aggressivere und längere Steroidtherapie.
Häufig gestellte Fragen
Die Diagnose erfolgt rein klinisch durch eine Spaltlampenuntersuchung und Gonioskopie. Laut Leitlinie ist der Nachweis von weißlichem, schuppigem Material auf der vorderen Linsenkapsel und dem Pupillarsaum wegweisend.
Das Pseudoexfoliationsglaukom geht laut StatPearls mit höheren Augeninnendruckwerten und stärkeren Tagesschwankungen einher. Es zeigt eine schnellere Progression der Nervenschäden und ist oft resistenter gegenüber medikamentösen Therapien.
Die Leitlinie nennt Prostaglandin-Analoga, Betablocker und Carboanhydrasehemmer als wirksame Erstlinientherapie. Pilocarpin sollte hingegen aufgrund des Risikos für Synechien und Winkelblockglaukome vermieden werden.
Es wird eine mindestens jährliche augenärztliche Untersuchung empfohlen. Dies dient der Früherkennung von okulärer Hypertension oder der Entwicklung eines Glaukoms.
Ja, die SLT wird in der Leitlinie als sehr erfolgreiche Therapieoption beschrieben. Durch die vermehrte Pigmentierung des Trabekelwerks bei PEX wird die Laserenergie besonders gut absorbiert, was zu einer effektiven Drucksenkung führt.
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Quelle: StatPearls: Pseudoexfoliation Syndrome and Glaucoma (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.