Phenothiazine: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Phenothiazine sind typische Antipsychotika der ersten Generation. Die StatPearls-Leitlinie beschreibt ihren Einsatz primär bei Schizophrenie, bipolaren Störungen sowie zur Kontrolle von Übelkeit und Erbrechen.
Der genaue Wirkmechanismus ist nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass die Wirkung hauptsächlich auf einer selektiven Hemmung von D2-Dopaminrezeptoren im mesolimbischen System beruht.
Neben der antipsychotischen Wirkung werden in aktuellen Studien auch potenzielle antineoplastische Eigenschaften bei Glioblastomen sowie antihelminthische Effekte untersucht.
Empfehlungen
Therapie und Wirksamkeit
Bei therapieresistenter Schizophrenie kann laut Leitlinie eine Kombination aus Phenothiazinen und atypischen Antipsychotika wie Clozapin eingesetzt werden. Aufgrund des erhöhten Nebenwirkungsrisikos wird dieser Ansatz jedoch erst in späteren Behandlungsphasen empfohlen.
Die besten klinischen Ergebnisse werden erzielt, wenn die pharmakologische Therapie mit nicht-pharmakologischen psychotherapeutischen Ansätzen kombiniert wird.
Monitoring
Die Leitlinie empfiehlt eine engmaschige Überwachung der Behandelten, insbesondere in den ersten sieben Behandlungstagen, um die Wirksamkeit zu beurteilen.
Bei Personen mit leichten QTc-Verlängerungen oder Blutdruckschwankungen in der Anamnese wird ein Monitoring mittels Echokardiogramm und Blutdruckmessungen empfohlen.
Weitere Überwachungsempfehlungen umfassen:
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Fortführung der Therapie für 12 Monate nach Remission der ersten psychotischen Episode zur Rückfallprävention.
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Überwachung auf erhöhte Toxizität bei Personen mit einer reduzierten Aktivität des CYP2D6-Enzyms.
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Wechsel der Therapiemodalität, falls nach mehreren Verabreichungen keine ausreichende Besserung eintritt.
Management von Überdosierungen
Bei einer Intoxikation wird die Durchführung eines Echokardiogramms für alle Betroffenen empfohlen.
Zur Behandlung einer Überdosierung nennt die Leitlinie folgende Maßnahmen:
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Magenspülung und Verabreichung von Ipecacuanha.
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Intravenöse Gabe von Diphenhydramin zur Reversierung extrapyramidaler Symptome.
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Intravenöse Hydratation.
Dosierung
Die Leitlinie teilt Phenothiazine in drei chemische Gruppen ein und nennt folgende verfügbare Wirkstoffe und Darreichungsformen:
| Wirkstoffklasse | Medikament | Verfügbare Darreichungsformen | Primäre Indikation |
|---|---|---|---|
| Aliphatische Verbindungen | Chlorpromazin | Tabletten (10-200 mg), Injektion (25 mg/mL) | Antipsychotisch |
| Piperidine | Thioridazin | Generika (selten verwendet) | Antipsychotisch |
| Piperazine | Fluphenazin | Tabletten (1-10 mg), Lösung, Injektion | Antipsychotisch |
| Piperazine | Prochlorperazin | Tabletten (5-10 mg), Injektion, Suppositorien (25 mg) | Migräne, Antiemetikum |
Kontraindikationen
Laut Leitlinie sind Phenothiazine bei folgenden Begleiterkrankungen und Konstellationen kontraindiziert:
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Demenz-assoziierte Psychosen (erhöhtes Sterblichkeitsrisiko durch kardiovaskuläre oder infektiöse Ereignisse).
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Anamnestisch bekannte QTc-Verlängerung, Hypotonie oder abnormale Lymphozytenzahlen.
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Bestehende extrapyramidale Symptome.
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Gleichzeitige Einnahme von Medikamenten, die den D2-Rezeptor hemmen (z. B. Levodopa, Cabergolin).
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Komedikation mit Betablockern oder anderen Medikamenten, die das QTc-Intervall verlängern.
Zu den häufigsten und schwerwiegendsten Nebenwirkungen zählen extrapyramidale Symptome (Dystonie, Parkinsonismus, Akathisie, tardive Dyskinesie), orthostatische Hypotonie und QTc-Verlängerungen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, dass orthostatische Hypotonie bei bis zu 75 % der Behandelten auftreten kann. Es wird betont, dass dieses Risiko bei Vorliegen eines Diabetes mellitus oder vorbestehenden kardiovaskulären Erkrankungen signifikant erhöht ist. Daher wird bei diesen Risikogruppen eine besonders sorgfältige Blutdruckkontrolle empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt, die Therapie nach der Remission der ersten psychotischen Episode für weitere 12 Monate fortzusetzen. Dies dient der Reduktion des Rückfallrisikos.
Laut Leitlinie zeigen sich bei einer Intoxikation häufig Hypothermie, Tachykardie, Tachypnoe und ein verminderter diastolischer Blutdruck. In schweren Fällen kann es zu einer Pupillengröße von unter 3 mm, QTc-Verlängerungen und Bewusstseinstrübungen kommen.
Das Markenpräparat von Thioridazin wurde aufgrund von kardialen Nebenwirkungen vom Markt genommen. Obwohl Generika laut Leitlinie noch verfügbar sind, wird der Wirkstoff nur noch selten eingesetzt.
Phenothiazine werden über das CYP2D6-Enzym metabolisiert. Es wird darauf hingewiesen, dass Personen mit einer reduzierten Enzymmenge ein erhöhtes Risiko für Toxizität aufweisen und entsprechend überwacht werden sollten.
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Quelle: StatPearls: Phenothiazine (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.