Perianalabszess: Diagnostik und Therapie laut StatPearls
Hintergrund
Perianalabszesse sind die häufigste Form anorektaler Abszesse und verursachen erhebliche Beschwerden. Sie entstehen in 90 Prozent der Fälle durch eine unspezifische Obstruktion und anschließende Infektion der Proktodealdrüsen (kryptoglanduläre Infektion).
Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 40 Jahren, wobei Männer doppelt so häufig betroffen sind wie Frauen. Zu den Risikofaktoren zählen Immunsuppression, Diabetes mellitus, Rauchen, HIV-Infektionen sowie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn.
Wenn die Analglandeln nicht adäquat über die Analkrypten auf Höhe der Linea dentata abfließen, bildet sich eine Eiteransammlung. Diese kann sich entlang anatomischer Schichten in den intersphinktären, ischiorektalen oder supralevatorischen Raum ausbreiten und unbehandelt zu systemischen Infektionen führen.
Empfehlungen
Die StatPearls-Zusammenfassung formuliert folgende Kernaspekte für das Management von Perianalabszessen:
Klinische Evaluation und Diagnostik
Die Diagnose wird primär klinisch gestellt. Typischerweise zeigt sich bei der körperlichen Untersuchung eine Fluktuation, ein Erythem oder eine Induration im perianalen Bereich.
Eine erweiterte Bildgebung mittels MRT oder CT wird laut Leitlinie nur in speziellen Fällen empfohlen:
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Bei unerklärtem, starkem anorektalem Schmerz ohne sichtbare äußere Zeichen
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Bei immunsupprimierten Personen, die möglicherweise keine adäquate Entzündungsreaktion zeigen
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Wobei das MRT bevorzugt wird, da CT-Scans kleine Abszesse bei Immunsupprimierten übersehen können
Chirurgische Therapie
Ein Perianalabszess stellt eine Indikation zur zeitnahen Inzision und Drainage dar. Die alleinige Gabe von Antibiotika wird als unzureichend und unangemessen eingestuft.
Für die Durchführung der Drainage werden folgende Schritte beschrieben:
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Lokalanästhesie (z. B. mit 1 % Lidocain) der umgebenden Gewebe
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Anlage einer kreuzförmigen Inzision so nah wie möglich an der Anokutanlinie, um eine mögliche Fistelbildung kurz zu halten
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Stumpfe Palpation zum Aufbrechen von Septierungen und unentdeckten Abszesstaschen
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Exzision der Hautlappenränder, um einen vorzeitigen Wundverschluss über der Abszesshöhle zu verhindern
Medikamentöse Therapie und Nachsorge
Eine routinemäßige Antibiotikagabe nach der Drainage ist nicht erforderlich. Sie wird jedoch bei Vorliegen bestimmter Risikofaktoren empfohlen:
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Herzklappenerkrankungen oder Diabetes mellitus
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Immunsuppression oder Sepsis
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Ausgedehnte begleitende Zellulitis oder systemische Infektionszeichen
Für die postoperative Phase wird eine Schmerztherapie, die Gabe von Laxanzien zur Stuhlregulation sowie die Durchführung von Sitzbädern empfohlen. Aufgrund der hohen Rezidivrate und des Risikos einer Fistelbildung ist eine engmaschige Nachsorge bis zur vollständigen Abheilung nach etwa acht Wochen indiziert.
Kontraindikationen
Die alleinige medikamentöse Behandlung mit Antibiotika ohne chirurgische Entlastung ist bei einem Perianalabszess kontraindiziert. Zudem wird von der routinemäßigen Anlage von Bakterienkulturen und Antibiogrammen abgeraten, da diese selten einen klinischen Nutzen für die Therapieentscheidung bieten.
💡Praxis-Tipp
Ein unauffälliges weißes Blutbild schließt einen Perianalabszess nicht aus und darf eine notwendige chirurgische Drainage nicht verzögern. Zudem wird betont, dass bei rezidivierenden oder komplexen Abszessen stets eine weiterführende Diagnostik zum Ausschluss eines Morbus Crohn, einer HIV-Infektion oder eines Malignoms erfolgen sollte.
Häufig gestellte Fragen
Laut StatPearls wird die Magnetresonanztomographie (MRT) bevorzugt. Ein CT-Scan kann insbesondere bei immunsupprimierten Personen kleine Abszesse übersehen.
Eine Antibiotikatherapie wird nur in Kombination mit einer chirurgischen Drainage bei Risikopersonen empfohlen. Dazu zählen Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus, Immunsuppression, Herzklappenfehler oder das Vorliegen einer Sepsis.
Bei diesen Abszessen, die den gesamten Anus umgreifen, wird eine posteriore Drainage mit anterioren Gegeninzisionen empfohlen. Zur Offenhaltung können Penrose-Drains für zwei bis drei Wochen eingelegt werden.
Etwa ein Drittel der Betroffenen entwickelt im Verlauf eine Analfistel. Dies kann entweder durch den natürlichen Krankheitsprozess oder als Folge der chirurgischen Intervention entstehen.
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Quelle: StatPearls: Perianal Abscess (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.