Analfissuren: Diagnostik und Therapie laut StatPearls
Hintergrund
Die StatPearls-Zusammenfassung beschreibt die Analfissur als einen longitudinalen Riss im Anoderm distal der Linea dentata. Die meisten Läsionen sind idiopathisch und gehen mit einem erhöhten Tonus des Musculus sphincter ani internus einher.
Dieser Hypertonus führt zu einer reduzierten lokalen Durchblutung und Ischämie. Dies verzögert die Wundheilung und unterhält einen schmerzbedingten Spasmus.
Klinisch wird zwischen akuten und chronischen Fissuren unterschieden. Akute Fissuren bestehen weniger als sechs Wochen, während chronische Läsionen über diesen Zeitraum hinaus persistieren und oft mit hypertrophen Analpapillen oder Vorpostenfalten (Sentinel-Marisken) vergesellschaftet sind.
Empfehlungen
Die StatPearls-Zusammenfassung formuliert folgende Kernempfehlungen:
Diagnostik
Die Diagnose wird primär klinisch anhand der Anamnese und der Inspektion des Anoderms gestellt. Um Schmerzen zu minimieren, wird empfohlen, auf eine digital-rektale Untersuchung oder eine Anoskopie in der Akutphase zu verzichten.
Es wird geraten, zwischen primären und sekundären Fissuren zu unterscheiden:
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Primäre Fissuren liegen typischerweise in der hinteren oder vorderen Mittellinie.
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Sekundäre Fissuren befinden sich oft abseits der Mittellinie oder treten multipel auf.
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Bei sekundären Fissuren wird eine weiterführende Diagnostik auf Grunderkrankungen wie Morbus Crohn, Tuberkulose, HIV oder Malignome empfohlen.
Konservative Therapie
Als Erstlinientherapie empfiehlt die Leitlinie einen sechswöchigen konservativen Behandlungsversuch. Dieser umfasst:
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Eine ballaststoffreiche Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr zur Stuhlregulierung.
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Die Einnahme von Stuhlweichmachern.
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Regelmäßige Sitzbäder und die Anwendung von Analgetika.
Pharmakologische Therapie
Bei Versagen der konservativen Maßnahmen wird der Einsatz topischer Präparate zur Sphinkterrelaxation empfohlen. Topisches Nifedipin wird dabei aufgrund höherer Heilungsraten und geringerer Nebenwirkungen gegenüber Nitroglycerin bevorzugt.
Für chronische oder refraktäre Fissuren wird die Injektion von Botulinumtoxin als Alternative beschrieben. Dies bewirkt eine reversible chemische Sphinkterotomie für bis zu drei Monate und birgt ein geringeres Risiko für Stuhlinkontinenz als chirurgische Eingriffe.
Chirurgische Therapie
Die laterale interne Sphinkterotomie (LIS) gilt als chirurgischer Goldstandard bei refraktären chronischen Analfissuren. Die Leitlinie berichtet von einer Heilungsrate von etwa 96 Prozent innerhalb von drei Wochen.
Aufgrund eines potenziellen Risikos für transiente Stuhlinkontinenz nach einer LIS werden für Personen mit hohem Inkontinenzrisiko sphinktererhaltende Verfahren empfohlen. Hierzu zählen anokutane Verschiebelappen (Advancement Flaps), die hohe Heilungsraten bei geringerem Inkontinenzrisiko aufweisen.
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende pharmakologische Optionen zur lokalen Anwendung:
| Wirkstoff | Konzentration | Indikation und Wirkung | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Nifedipin (topisch) | 0,2 % - 0,5 % | Senkung des Sphinktertonus, Förderung der Durchblutung | Bevorzugte Therapie aufgrund geringerer Nebenwirkungen |
| Nitroglycerin (topisch) | 0,2 % - 0,4 % | Vasodilatation, Förderung der Durchblutung | Risiko für Kopfschmerzen und Hypotonie |
| Lidocain-Gel | 2,0 % | Reine Schmerzkontrolle | Keine eigenständige kurative Therapie |
| Botulinumtoxin | Variabel | Reversible chemische Sphinkterotomie | Wirkdauer bis zu 3 Monate, Alternative bei chronischen Fissuren |
Kontraindikationen
Die gleichzeitige Anwendung von topischem Nitroglycerin und Phosphodiesterase-Inhibitoren (wie Sildenafil, Tadalafil oder Vardenafil) ist laut Leitlinie streng kontraindiziert.
Zudem wird darauf hingewiesen, dass eine Sphinkterotomie bei sekundären Analfissuren im Allgemeinen kontraindiziert ist, da hier die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund stehen sollte.
💡Praxis-Tipp
Ein entscheidender klinischer Hinweis der Leitlinie betrifft die Lokalisation der Läsion. Fissuren, die sich nicht in der vorderen oder hinteren Mittellinie befinden, gelten als atypisch und weisen häufig auf eine sekundäre Genese hin. In diesen Fällen wird dringend empfohlen, an systemische Erkrankungen wie Morbus Crohn, sexuell übertragbare Infektionen oder Malignome zu denken und eine entsprechende Abklärung einzuleiten.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie werden Fissuren als akut klassifiziert, wenn die Symptome weniger als sechs Wochen bestehen. Chronische Fissuren persistieren länger und weisen oft morphologische Veränderungen wie hypertrophe Analpapillen oder Vorpostenfalten auf.
Es wird ein sechswöchiger Behandlungsversuch mit ballaststoffreicher Ernährung, Stuhlweichmachern, Sitzbädern und ausreichender Flüssigkeitszufuhr empfohlen. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, den Stuhl weich zu halten und die Heilung zu fördern.
Die Leitlinie präferiert Nifedipin, da es mit höheren Heilungsraten und weniger Nebenwirkungen assoziiert ist. Nitroglycerin führt häufig zu Kopfschmerzen und Hypotonie.
Eine Operation wird bei chronischen Analfissuren empfohlen, die auf konservative und pharmakologische Therapien nicht ansprechen. Die laterale interne Sphinkterotomie (LIS) gilt hierbei als Goldstandard.
Die häufigste Komplikation ist eine transiente Stuhlinkontinenz, die unmittelbar postoperativ bei bis zu 45 Prozent der Behandelten auftreten kann. Langfristig sinkt diese Rate laut Leitlinie jedoch auf unter 10 Prozent.
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Quelle: StatPearls: Anal Fissures (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.