Nagelbettentzündung (Paronychie): StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die Paronychie (Nagelbettentzündung) ist eine Infektion der proximalen und lateralen Nagelfalten an Fingern oder Zehen. Sie entsteht, wenn die schützende Barriere zwischen Nagel und Nagelfalte, die Kutikula, durch Traumata, Nägelkauen oder Maniküren durchbrochen wird.
Frauen sind von dieser Erkrankung dreimal häufiger betroffen als Männer. Ein erhöhtes Risiko besteht zudem bei Personen, deren Hände berufsbedingt häufig Feuchtigkeit ausgesetzt sind, wie beispielsweise in der Gastronomie oder Reinigung.
| Klassifikation | Dauer | Häufigste Ätiologie | Typische Klinik |
|---|---|---|---|
| Akute Paronychie | Unter 6 Wochen | Bakteriell (meist Staphylococcus aureus) | Schmerzhaft, eitrig, gerötet, geschwollen |
| Chronische Paronychie | Über 6 Wochen | Mechanisch, chemisch, Pilze (Candida) | Fehlende Fluktuation, teigige Schwellung, Nageldystrophie |
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie der Paronychie:
Diagnostik
Die Diagnose wird primär klinisch anhand der typischen Rötung, Schwellung und Druckschmerzhaftigkeit der lateralen Nagelfalte gestellt. Laboruntersuchungen oder bildgebende Verfahren sind für die Diagnosestellung in der Regel nicht erforderlich.
Zur Identifikation eines nicht offensichtlichen Abszesses wird der digitale Drucktest empfohlen. Hierbei wird Druck auf die volare Seite des betroffenen Fingers ausgeübt, was bei Vorliegen eines Abszesses zu einer unerwartet großen Abblassung führt.
Konservative Therapie
Bei einer Entzündung ohne definitiven Abszess werden warme Bäder mit Wasser oder antiseptischen Lösungen (Chlorhexidin, Povidon-Iod) empfohlen. Diese sollten mehrmals täglich für 10 bis 15 Minuten durchgeführt werden.
Ergänzend wird eine antibiotische Therapie angeraten, die zwingend eine Wirksamkeit gegen Staphylococcus aureus aufweisen muss. Die Wahl zwischen topischen und oralen Antibiotika wird dem behandelnden Arzt überlassen, wobei orale Präparate bei schweren Verläufen oder Therapieversagen indiziert sind.
Bei Verdacht auf eine Inokulation durch die Mundflora (z. B. bei Kindern durch Nägelkauen) wird eine Erweiterung des Wirkspektrums auf Anaerobier empfohlen.
Chirurgische Therapie
Liegt ein Abszess vor, wird eine Inzision und Drainage empfohlen. Der Eingriff erfolgt typischerweise mit einem Skalpell (Klinge 11), das unter die laterale Nagelfalte eingeführt wird, bis sich der Eiter entleert.
Die Leitlinie nennt folgende chirurgische Prinzipien:
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Durchführung in Lokalanästhesie oder im Leitungsblock zur Schmerzausschaltung
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Spülung der Abszesshöhle mit physiologischer Kochsalzlösung
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Einlage einer Gaze-Tamponade bei großen Befunden zur Offenhaltung
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Teilweise oder komplette Nagelentfernung bei Ausbreitung unter die Nagelplatte ("Run-around-Abszess")
Postoperativ werden weiterhin warme Bäder empfohlen, um die Wunde offenzuhalten und den Sekretabfluss zu fördern. Eine klinische Kontrolle wird nach 24 bis 48 Stunden angeraten.
Management der chronischen Paronychie
Bei chronischen Verläufen wird die strikte Vermeidung von Traumata und Feuchtigkeit empfohlen. Das Tragen von Handschuhen wird für manuelle Tätigkeiten dringend angeraten.
Da chronische Infektionen häufig durch Candida-Spezies verursacht werden, wird eine antimykotische Therapie mit topischen oder systemischen Wirkstoffen (z. B. Itraconazol, Terbinafin) empfohlen. Zudem wird die Mitbehandlung zugrundeliegender entzündlicher Erkrankungen wie Psoriasis angeraten.
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende Dosierungsschemata für die orale Antibiotikatherapie der akuten Paronychie:
| Indikation | Medikament | Dosierung |
|---|---|---|
| Standardtherapie | Dicloxacillin | 250 mg 4-mal täglich |
| Standardtherapie | Cephalexin | 500 mg 3- bis 4-mal täglich |
| MRSA-Risikofaktoren | Trimethoprim/Sulfamethoxazol DS | 1 bis 2 Tabletten 2-mal täglich |
| MRSA-Risikofaktoren | Clindamycin | 300 bis 450 mg 4-mal täglich |
| MRSA-Risikofaktoren | Doxycyclin | 100 mg 2-mal täglich |
Bei Verdacht auf eine Inokulation durch die Mundflora wird die Gabe von Clindamycin oder Amoxicillin-Clavulansäure empfohlen (ohne spezifische Dosierungsangabe im Quelltext).
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, eine herpetische Nagelbettentzündung (Herpetic whitlow) fälschlicherweise zu inzidieren. Eine Inzision und Drainage bei dieser viralen Infektion kann zu einer sekundären bakteriellen Infektion und einer gestörten Wundheilung führen.
💡Praxis-Tipp
Bei der klinischen Untersuchung wird der digitale Drucktest auf die volare Seite des Fingers empfohlen, um versteckte Abszesse durch eine vergrößerte Abblassung zu demaskieren. Zudem wird dringend davor gewarnt, Bläschen bei Verdacht auf eine Herpes-simplex-Infektion (Herpetic whitlow) zu inzidieren, da dies schwerwiegende sekundäre bakterielle Infektionen nach sich ziehen kann.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie werden warme Bäder mit Wasser oder antiseptischen Lösungen für 10 bis 15 Minuten mehrmals täglich empfohlen. Ergänzend wird eine topische oder orale Antibiotikatherapie mit Wirksamkeit gegen Staphylococcus aureus angeraten.
Eine Anaerobier-Abdeckung wird empfohlen, wenn der Verdacht auf eine Inokulation durch die Mundflora besteht, beispielsweise durch Nägelkauen. In diesen Fällen wird die Gabe von Clindamycin oder Amoxicillin-Clavulansäure angeraten.
Die Leitlinie empfiehlt eine Inzision und Drainage mit einem Skalpell unter der lateralen Nagelfalte. Bei einer Ausbreitung unter das Nagelbett kann eine teilweise oder vollständige Entfernung der Nagelplatte erforderlich sein.
Chronische Verläufe werden häufig durch mechanische oder chemische Reize sowie durch Pilzinfektionen verursacht. Als häufigster infektiöser Erreger wird die Candida-Spezies genannt.
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Quelle: StatPearls: Paronychia (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.