Ultraschall der Sehnervenscheide: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie beschreibt den Ultraschall der Sehnervenscheide (ONSUS) als nichtinvasives Verfahren zur bettseitigen Abschätzung des intrakraniellen Drucks (ICP). Die Methode kommt insbesondere zum Einsatz, wenn ein invasives Monitoring nicht verfügbar oder kontraindiziert ist.
Anatomisch ist der Sehnerv von den Meningen umgeben, wodurch der Subarachnoidalraum direkt mit der Sehnervenscheide kommuniziert. Bei einem Anstieg des ICP kommt es zu einer messbaren Ausdehnung der Scheide.
Normale obere Grenzwerte für den Durchmesser der Sehnervenscheide (ONSD) liegen bei 4 mm für Säuglinge sowie 5 mm für Kinder und Erwachsene. Ab einem Wert von 7,5 mm scheint die Ausdehnung ein Plateau zu erreichen.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernaspekte für den Ultraschall der Sehnervenscheide:
Indikation
Die Leitlinie nennt als Hauptindikationen den Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma, einen erhöhten intrakraniellen Druck oder eine Optikusneuritis.
Zudem wird der Einsatz erwogen, um einen erhöhten ICP vor einer Lumbalpunktion oder rückenmarksnahen Anästhesie auszuschließen.
Vorbereitung und Lagerung
Es wird eine Lagerung in Rückenlage mit einem um 30 Grad angehobenen Oberkörper empfohlen.
Vor der Untersuchung muss das Auge grob auf Anzeichen einer Bulbusruptur oder eines Hyphämas untersucht werden.
Die Leitlinie empfiehlt die Verwendung einer hochfrequenten Linearsonde (7 bis 10 MHz oder höher) und reichlich Ultraschallgel auf dem geschlossenen Auge.
Durchführung
Die Messung sollte laut Leitlinie 3 mm hinter dem Bulbus erfolgen, da hier die druckbedingten Veränderungen am stärksten ausgeprägt sind.
Es wird empfohlen, folgende technische Aspekte zu beachten:
-
Abstützen der Hand des Untersuchers auf einer nicht komprimierbaren Oberfläche (Nase, Stirn), um Druck auf den Bulbus zu vermeiden
-
Durchführung von Messungen in zwei orthogonalen Ebenen (transversal und sagittal) zur Bildung des Mittelwerts
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Untersuchung beider Augen, um die Genauigkeit zu erhöhen
Interpretation
Ein ONSD-Wert von 5,0 bis 5,7 mm korreliert laut Leitlinie mit einem ICP von über 20 mmHg.
Als noch zuverlässiger wird das Verhältnis von ONSD zum transversalen Bulbusdurchmesser (ETD) beschrieben, wobei ein mittlerer Wert von 0,18 angegeben wird.
Therapieziele bei erhöhtem ICP
Bei nachgewiesenem erhöhtem ICP im Rahmen eines schweren Schädel-Hirn-Traumas verweist die Leitlinie auf konservative Basismaßnahmen.
Folgende Zielwerte und Maßnahmen werden für das Management empfohlen:
| Parameter | Zielwert / Maßnahme |
|---|---|
| Oberkörperhochlagerung | 30 bis 45 Grad |
| Systolischer Blutdruck | > 100 bis 110 mmHg |
| PaCO2 (Normoventilation) | 35 bis 40 mmHg |
| Blutzucker | < 180 mg/dl |
| PaO2 | > 60 mmHg |
| Serum-Natrium (unter 3% NaCl) | 150 bis 160 mEq/l |
| Intrakranieller Druck (ICP) | < 22 mmHg |
Kontraindikationen
Bei Verdacht auf eine Verletzung mit offenem Bulbus (Globe Rupture) ist der Ultraschall der Sehnervenscheide kontraindiziert.
Die Leitlinie warnt davor, dass die Untersuchung in diesem Fall zu weiteren Augenschäden führen kann und zwingend ein Augenarzt hinzugezogen werden muss.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, dass Artefakte, wie etwa akustische Schatten der Lamina cribrosa, fälschlicherweise als Sehnerv interpretiert werden können. Es wird empfohlen, den Farbdoppler zur Identifikation der Arteria centralis retinae zu nutzen und auf eine strikte Vermeidung von Druck auf den Bulbus zu achten, um falsch-positive Messungen zu verhindern.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie liegt der normale obere Grenzwert bei 4 mm für Säuglinge sowie bei 5 mm für Kinder und Erwachsene. Ab einem Wert von 5,0 bis 5,7 mm muss von einem erhöhten intrakraniellen Druck ausgegangen werden.
Es wird empfohlen, die Messung exakt 3 mm hinter dem Bulbus durchzuführen. An dieser Stelle ist der Sehnerv am stärksten dehnbar und reagiert am empfindlichsten auf Druckschwankungen.
Die Leitlinie empfiehlt die Verwendung einer hochfrequenten Linearsonde mit mindestens 7 bis 10 MHz. Die Untersuchung erfolgt bei geschlossenem Auge unter Verwendung von reichlich Ultraschallgel.
Bei Verdacht auf eine offene Bulbusverletzung ist die Untersuchung streng kontraindiziert. Es wird gewarnt, dass der Ultraschall in solchen Fällen zu weiteren Schäden führen kann und eine augenärztliche Vorstellung erfolgen muss.
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Quelle: StatPearls: Optic Nerve Sheath Ultrasound (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.