Untersuchung der Unterlidlaxizität: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die anatomische und physiologische Integrität des Unterlides ist sowohl für funktionelle als auch für ästhetische Zwecke von entscheidender Bedeutung. Laut der StatPearls-Leitlinie schützt ein intaktes Unterlid die Hornhaut und erhält das Tränenableitungssystem aufrecht.
Im Rahmen des natürlichen Alterungsprozesses kommt es häufig zu einem Erschlaffen und einer Fehlstellung des Unterlides. Die Leitlinie beschreibt, dass diese Veränderungen durch eine Kombination aus Volumenverlust und Absinken des fazialen Weichgewebes entstehen.
Eine präzise Beurteilung der Unterlidlaxizität wird vor kosmetischen Eingriffen wie der Blepharoplastik oder bei rekonstruktiven Verfahren empfohlen. Auch bei Fazialisparese, Schilddrüsenorbitopathie oder nach Traumata ist eine systematische Evaluation laut Leitlinie unerlässlich.
Empfehlungen
Die Leitlinie empfiehlt eine umfassende Anamnese zur Beurteilung der Operationsfähigkeit. Dabei wird auf folgende Aspekte hingewiesen:
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Abklärung einer CPAP-Nutzung, da dies das Risiko für postoperative Malarödeme erhöht
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Pausieren von NSAR zwei Wochen und Warfarin drei Tage vor dem Eingriff, sofern medizinisch vertretbar
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Einstellung eines Bluthochdrucks für mindestens zwei Wochen vor der Operation
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Durchführung eines Schirmer-Tests zur Quantifizierung eines möglichen trockenen Auges
Haut und Fettkompartimente
Es wird empfohlen, die Haut auf Sonnenschäden, Faltenbildung und Ödeme zu untersuchen. Die Leitlinie beschreibt den Pinch-Test zur Beurteilung von überschüssiger Haut bei Blick nach oben und bei geöffnetem Mund.
Für die Beurteilung der Fettkompartimente wird eine Fotodokumentation in fünf verschiedenen Blickrichtungen (geschlossen, geradeaus, nach oben, seitlich) empfohlen. Zudem wird betont, den Margo infraorbitalis zu palpieren, da ein prominenter Knochenrand die Menge des resezierbaren Fettes limitiert.
Spezifische Laxizitätstests
Zur Vermeidung postoperativer Lidfehlstellungen beschreibt die Leitlinie mehrere standardisierte Tests zur Überprüfung der tarsoligamentären Laxizität. Beim Snapback-Test (Liddistraktionstest) wird das Unterlid vom Bulbus weggezogen und die Rückstellzeit bewertet.
| Grad | Rückstellzeit beim Snapback-Test |
|---|---|
| Grad 0 | Sofortige Rückstellung (normales Lid) |
| Grad I | 2 bis 3 Sekunden |
| Grad II | 4 bis 5 Sekunden |
| Grad III | Über 5 Sekunden, Rückstellung erst nach Lidschlag |
| Grad IV | Keine Rückstellung in die Normalposition |
Zusätzlich wird die Stabilität der Kanthi durch Zug am Unterlid geprüft. Die Leitlinie teilt die Verschieblichkeit des Punctum lacrimale (medialer Test) und des lateralen Lidwinkels (lateraler Test) in folgende Schweregrade ein:
| Grad | Medialer Kanthustest (Zug nach lateral) | Lateraler Kanthustest (Zug nach medial) |
|---|---|---|
| Grad 0 | 0 bis 1 mm Verschiebung | 0 bis 2 mm Verschiebung |
| Grad I | 2 mm Verschiebung | 2 bis 4 mm Verschiebung |
| Grad II | 3 mm Verschiebung | 4 bis 6 mm Verschiebung |
| Grad III | Über 3 mm Verschiebung | Über 6 mm Verschiebung |
| Grad IV | Keine Rückstellung nach Lidschlag | Keine Rückstellung nach Lidschlag |
Beim Lidretraktionstest deutet laut Leitlinie eine Bewegung des Punctum lacrimale von mehr als 2 mm nach unten auf eine Sehnenlaxizität hin.
Beurteilung des Mittelgesichts
Die Leitlinie weist darauf hin, das Verhältnis von Hornhautoberfläche zu Wangenprominenz zu beurteilen. Bei einem negativen Vektor (zurückliegende Wange) besteht ein erhöhtes Risiko für postoperative Fehlstellungen, weshalb bei einer Blepharoplastik eine laterale Kanthalunterstützung empfohlen wird.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler ist das Übersehen eines negativen Vektors (zurückliegende Wange im Vergleich zur Hornhaut) bei der Beurteilung des Mittelgesichts. Die Leitlinie warnt, dass Personen mit einem negativen Vektor ein deutlich erhöhtes Risiko für postoperative Unterlidfehlstellungen aufweisen. In diesen Fällen wird bei einer unteren Blepharoplastik stets eine laterale Kanthalunterstützung empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird beim Snapback-Test der mittlere Teil des Unterlides sanft vom Augapfel weggezogen. Anschließend wird beobachtet, wie schnell das Lid in seine Ursprungsposition zurückkehrt, was in die Grade 0 bis IV eingeteilt wird.
Die StatPearls-Leitlinie empfiehlt die Untersuchung vor kosmetischen Eingriffen wie der Blepharoplastik sowie bei rekonstruktiven Verfahren. Weitere Indikationen sind Traumata, Hautkrebs am Lid, Fazialisparese oder Schilddrüsenorbitopathie.
Es wird empfohlen, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) nach Möglichkeit zwei Wochen vor dem Eingriff abzusetzen. Bei Warfarin wird laut Leitlinie eine Pause von mindestens drei Tagen bis zur Normalisierung der Prothrombinzeit angeraten.
Ein negativer Vektor beschreibt eine anatomische Situation, bei der die Wange im Seitenprofil weiter zurückliegt als die Hornhautoberfläche. Die Leitlinie betont, dass dies ein hohes Risiko für postoperative Lidfehlstellungen darstellt.
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Quelle: StatPearls: Lower Eyelid Laxity Examination (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.