Histrionische Persönlichkeitsstörung: StatPearls
Hintergrund
Die histrionische Persönlichkeitsstörung (HPS) ist eine chronische psychiatrische Erkrankung, die durch ein durchgängiges Muster von aufmerksamkeitssuchendem Verhalten und übertriebener Emotionalität gekennzeichnet ist. Der Beginn liegt typischerweise in der späten Adoleszenz oder im frühen Erwachsenenalter.
Laut der StatPearls-Zusammenfassung wird die Prävalenz auf 0,4 bis 1,8 Prozent geschätzt. Frauen erhalten die Diagnose etwa viermal häufiger als Männer, was teilweise auf gesellschaftliche Normen und einen möglichen Diagnose-Bias zurückgeführt wird.
Die Ätiologie ist multifaktoriell und umfasst genetische Prädispositionen sowie Umwelteinflüsse. Insbesondere kindlicher Missbrauch und Vernachlässigung gelten als signifikante Risikofaktoren für die Entwicklung der Störung.
Empfehlungen
Diagnostik
Die Leitlinie betont, dass die Diagnosestellung eine longitudinale Beobachtung der Verhaltensmuster über verschiedene Kontexte hinweg erfordert. Die HPS wird als ich-synton beschrieben, weshalb Betroffene oft keine Krankheitseinsicht zeigen.
Für eine formale Diagnose nach DSM-5-TR müssen mindestens fünf der folgenden Kriterien erfüllt sein:
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Unbehagen, wenn die Person nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht
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Interaktionen sind oft unangemessen sexuell, verführerisch oder provokant
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Rasch wechselnder und oberflächlicher Gefühlsausdruck
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Durchgängige Nutzung der physischen Erscheinung, um Aufmerksamkeit zu erregen
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Ein impressionistischer Sprachstil, dem es an Details mangelt
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Übertriebener, theatralischer Ausdruck von Emotionen
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Hohe Suggestibilität und leichte Beeinflussbarkeit durch andere
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Auffassung von Beziehungen als intimer, als sie tatsächlich sind
Differenzialdiagnostik
Es wird empfohlen, die HPS von anderen psychiatrischen Erkrankungen abzugrenzen. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Differenzialdiagnosen zusammen:
| Erkrankung | Abgrenzung zur HPS | Gemeinsamkeiten |
|---|---|---|
| Bipolare Störung (Manie) | Akut, vermindertes Schlafbedürfnis, spricht auf Medikamente an | Grandiosität, Hypersexualität, Rededrang |
| Narzisstische Persönlichkeitsstörung | Mangelnde Empathie, ausbeuterisches Verhalten, Fantasien von grenzenlosem Erfolg | Bedürfnis, im Mittelpunkt zu stehen |
| Borderline-Persönlichkeitsstörung | Suizidales Verhalten, chronisches Leeregefühl, intensive Verlassensängste | Impulsives Verhalten, Splitting |
Therapie und Management
Als primäre Behandlungsform wird die Psychotherapie empfohlen. Die Erkrankung gilt als lebenslang und therapieresistent, weshalb eine vollständige Remission selten ist.
Das primäre Ziel der Behandlung besteht laut Text in der Reduktion interpersoneller Konflikte und der Stabilisierung der psychosozialen Funktionsfähigkeit. Der Aufbau einer tragfähigen therapeutischen Allianz wird als essenziell erachtet.
Psychotrope Medikamente sind bei der isolierten HPS in der Regel wirkungslos. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass die medikamentöse Behandlung komorbider psychiatrischer Erkrankungen zu einer Symptomlinderung beitragen kann.
Monitoring
Aufgrund eines erhöhten Risikos für Suizid und Suizidversuche bei Persönlichkeitsstörungen wird ein regelmäßiges Screening auf Suizidalität empfohlen. Zudem sollte auf komorbide Substanzgebrauchsstörungen geachtet werden.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Aspekt in der Behandlung ist die ich-syntone Natur der histrionischen Persönlichkeitsstörung, weshalb Betroffene ihr Verhalten oft nicht als problematisch wahrnehmen. Es wird empfohlen, den Fokus der Therapie nicht primär auf die Verhaltensänderung zu legen, sondern zunächst die spezifischen Sorgen des Betroffenen zu verstehen, um eine stabile therapeutische Allianz aufzubauen.
Häufig gestellte Fragen
Laut StatPearls gibt es keine zugelassenen oder wirksamen psychotropen Medikamente für die spezifische Behandlung der HPS. Es wird jedoch empfohlen, komorbide psychiatrische Erkrankungen medikamentös zu behandeln, was die Gesamtsymptomatik verbessern kann.
Die Diagnose wird bei Frauen etwa viermal häufiger gestellt als bei Männern. Der Text weist darauf hin, dass dies auf einen Diagnose-Bias und gesellschaftliche Normen zurückzuführen sein könnte, wodurch Männer möglicherweise unterdiagnostiziert werden.
Während manische Episoden einer bipolaren Störung akut auftreten, mit einem verminderten Schlafbedürfnis einhergehen und gut auf Medikamente ansprechen, ist die HPS chronisch und rigide. Ein vermindertes Schlafbedürfnis tritt bei einer isolierten HPS nicht auf.
Da die Störung als schwer behandelbar gilt, liegt der Fokus der Psychotherapie nicht zwingend auf einer vollständigen Heilung. Es wird empfohlen, primär auf die Reduzierung interpersoneller Konflikte und die Stabilisierung der psychosozialen Funktionen hinzuarbeiten.
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Quelle: StatPearls: Histrionic Personality Disorder (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.