Hamstring-Verletzung: StatPearls Zusammenfassung
Hintergrund
Die ischiocrurale Muskulatur (Hamstrings) umfasst den Musculus semimembranosus, den Musculus semitendinosus sowie den langen und kurzen Kopf des Musculus biceps femoris. Diese Muskelgruppe ist besonders bei Sportlern sehr anfällig für Verletzungen.
Die Hauptfunktion der Hamstrings besteht in der Kniebeugung und Hüftstreckung. Verletzungen treten laut Leitlinie am häufigsten bei schnellen Sprints oder abrupten Richtungswechseln auf, wenn die Muskulatur von der abbremsenden Kniebewegung in die Hüftstreckung übergeht.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen vorausgegangene Hamstring-Verletzungen, ein höheres Alter sowie eine funktionelle Asymmetrie der Muskulatur. Auch Sportarten mit schnellen Beschleunigungs- und Abbremsphasen wie Fußball oder Leichtathletik weisen eine erhöhte Inzidenz auf.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie:
Klinische und apparative Diagnostik
Bei der körperlichen Untersuchung wird eine Testung in Bauchlage mit gestreckter Hüfte empfohlen. Dabei erfolgt die Kniebeugung gegen Widerstand bei 15° und 90° Flexion.
Zur apparativen Diagnostik nennt die Leitlinie Ultraschall und MRT als Mittel der Wahl. Ein konventionelles Röntgenbild wird zum Ausschluss knöcherner Ausrisse, insbesondere von Apophysenabsprengungen, empfohlen.
Stadieneinteilung
Die Leitlinie klassifiziert Hamstring-Verletzungen in drei Schweregrade:
| Grad | Gewebeschaden | Klinik und Funktion |
|---|---|---|
| Grad 1 | Keine erkennbare Gewebeunterbrechung | Milde Schmerzen oder Schwellung, minimaler Funktionsverlust |
| Grad 2 | Identifizierbare partielle Gewebeunterbrechung | Moderate Schmerzen und Schwellung, Funktionsverlust |
| Grad 3 | Komplette Ruptur der muskulotendinösen Einheit | Starke Schmerzen und Schwellung, fehlende Funktion |
Konservative Therapie
Verletzungen der Grade 1 und 2 werden primär konservativ mit Ruhe, Kühlung und relativer Ruhigstellung behandelt. Zur Schmerztherapie können NSAR für maximal 5 bis 7 Tage eingesetzt werden.
In der Rehabilitationsphase wird ein Fokus auf verlängernde Dehnübungen (Lengthening-Übungen) gelegt. Diese zeigen laut Leitlinie eine schnellere Rückkehr zum Sport und eine geringere Rezidivrate als konventionelle Übungen.
Operative Therapie
Bei Grad-3-Verletzungen, insbesondere bei kompletten Sehnenabrissen mit einer Retraktion von mehr als 2 cm, wird eine chirurgische Intervention empfohlen. Die Leitlinie präferiert eine frühzeitige operative Versorgung innerhalb von 4 bis 6 Wochen nach der Verletzung.
Kontraindikationen
Die Leitlinie rät von der Verabreichung von Glukokortikoiden bei Hamstring-Verletzungen ab.
Ebenso wird der Einsatz von plättchenreichem Plasma (PRP) und anderen Wachstumsfaktoren aufgrund mangelnder Evidenz nicht empfohlen. Zudem wird darauf hingewiesen, dass diese Präparate häufig nicht den Richtlinien der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) entsprechen.
💡Praxis-Tipp
Ein entscheidender Hinweis der Leitlinie betrifft die Kriterien für die Rückkehr zum Sport (Return to Play). Es wird betont, dass die verletzte Muskulatur vor Wiederaufnahme der sportlichen Aktivität mindestens 90 % der Kraft der gesunden Gegenseite aufweisen sollte. Zudem wird ein Verhältnis von Hamstring- zu Quadrizepskraft von 50 bis 60 % als Zielwert genannt, um Rerupturen zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Zur ischiocruralen Muskulatur gehören der Musculus semimembranosus, der Musculus semitendinosus und der Musculus biceps femoris. Laut Leitlinie ist der Biceps femoris aufgrund seiner doppelten Innervation und anatomischen Besonderheiten am häufigsten von Verletzungen betroffen.
Eine Operation wird bei Grad-3-Verletzungen empfohlen, insbesondere bei kompletten Sehnenabrissen mit einer Retraktion von über 2 cm. Die Leitlinie rät zu einer frühzeitigen Versorgung innerhalb von 4 bis 6 Wochen nach dem Trauma.
Ja, die Leitlinie unterstützt den Einsatz von NSAR zur Schmerz- und Entzündungshemmung in der Akutphase. Die Einnahmedauer sollte jedoch auf maximal 5 bis 7 Tage beschränkt werden.
Ultraschall und MRT gelten als diagnostische Mittel der Wahl. Ein MRT wird besonders zur Beurteilung tiefer Muskelverletzungen und zur Abschätzung der Rehabilitationsdauer empfohlen.
Die Leitlinie hebt hervor, dass Rehabilitationsprogramme mit verlängernden Dehnübungen (Lengthening-Übungen) unter Belastung besonders effektiv sind. Diese führen zu einer schnelleren Rückkehr zum Sport als rein konventionelle Übungen.
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Quelle: StatPearls: Hamstring Injury (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.