Floating Knee: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Das "Floating Knee" (Flottierendes Knie) beschreibt gleichzeitige ipsilaterale Frakturen von Femur und Tibia. Die StatPearls-Leitlinie betont, dass diese Verletzungen meist durch Hochrasanztraumata wie Verkehrsunfälle oder Stürze aus großer Höhe entstehen.
Es handelt sich um komplexe Verletzungsmuster, die häufig mit schweren Begleitverletzungen einhergehen. Laut Leitlinie weisen betroffene Personen oft einen hohen Injury Severity Score (ISS) von über 16 auf.
Zu den lebens- und extremitätenbedrohenden Begleitverletzungen zählen Schädel-Hirn-Traumata, offene Frakturen sowie Gefäßverletzungen. Besonders die Verletzung der Arteria poplitea stellt ein hohes Risiko für eine spätere Amputation dar.
Empfehlungen
Diagnostik und Erstversorgung
Die Leitlinie empfiehlt primär die Anwendung des Advanced Trauma Life Support (ATLS) Protokolls nach dem ABCDE-Schema. Lebensbedrohliche Verletzungen an Kopf, Thorax und Abdomen müssen vorrangig behandelt werden.
Nach der Stabilisierung wird eine gründliche neurovaskuläre Untersuchung der betroffenen Extremität empfohlen. Bei Verdacht auf eine Verletzung der Arteria poplitea durch eine posteriore Dislokation des distalen Femurs ist eine Doppler-Sonographie indiziert.
Für die bildgebende Diagnostik werden folgende Modalitäten empfohlen:
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Konventionelles Röntgen als primäres Diagnostikum zur Frakturbeurteilung
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CT-Scans zur detaillierten Beurteilung komplexer Frakturen und Knochenverluste
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MRT zur Abklärung der häufig begleitenden Band- und Meniskusverletzungen
Klassifikation
Die Leitlinie beschreibt verschiedene Klassifikationssysteme zur Einteilung der Verletzungsschwere. Die Fraser-Klassifikation wird zur Beurteilung der Gelenkbeteiligung herangezogen:
| Typ | Beschreibung | Häufigkeit |
|---|---|---|
| Typ I | Schaftfrakturen beider Knochen ohne Gelenkbeteiligung | k.A. |
| Typ IIa | Beteiligung des Tibiaplateaus | 80 % der Typ-II-Frakturen |
| Typ IIb | Beteiligung des distalen Femurs | 12 % der Typ-II-Frakturen |
| Typ IIc | Beteiligung von Tibiaplateau und distalem Femur | 9 % der Typ-II-Frakturen |
Chirurgische Therapie
Das Management sollte sich am Konzept der "Damage Control Orthopedics" orientieren. Bei hämodynamisch instabilen Personen wird eine temporäre Stabilisierung mittels Traktion oder Fixateur externe empfohlen.
Bei hämodynamisch stabilen Personen wird eine frühzeitige operative Frakturversorgung angestrebt. Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach dem Frakturtyp:
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Intramedulläre Marknagelung (IMN): Gilt als Methode der Wahl bei echten Floating-Knee-Verletzungen (diaphysäre Frakturen).
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Plattenosteosynthese: Wird bei intraartikulären Frakturen (Fraser Typ IIc) empfohlen, da sie die gleichzeitige Versorgung von Weichteilverletzungen ermöglicht.
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Fixateur externe: Ist bei offenen Frakturen oder im Rahmen der Damage-Control-Strategie indiziert.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Warnhinweis der Leitlinie bezieht sich auf das hohe Risiko eines Fettembolie-Syndroms bei diesen schweren Skelettverletzungen. Es wird nachdrücklich darauf hingewiesen, bei jeglichen Anzeichen einer Fettembolie die definitive chirurgische Frakturversorgung aufzuschieben, bis eine vollständige hämodynamische und respiratorische Stabilisierung erreicht ist. Zudem wird betont, dass die Femurfraktur in der Regel vor der Tibiafraktur operativ versorgt werden sollte, es sei denn, es liegt eine offene Tibiafraktur vor.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie erfolgt die Primärversorgung strikt nach dem ATLS-Protokoll. Lebensbedrohliche Verletzungen an Kopf, Thorax oder Abdomen haben absolute Priorität vor der orthopädischen Versorgung der Extremität.
Die Leitlinie warnt besonders vor Verletzungen der Arteria poplitea, die in etwa 7 % der Fälle auftreten. Bei Verdacht auf eine Intimariss-Verletzung durch ein disloziertes distales Femur wird eine umgehende Doppler-Sonographie empfohlen.
Ein Fixateur externe wird gemäß der Leitlinie im Rahmen der "Damage Control Orthopedics" bei hämodynamisch instabilen Personen eingesetzt. Zudem ist er bei schweren offenen Frakturen mit ausgeprägtem Weichteilschaden indiziert.
Die Leitlinie empfiehlt, idealerweise zuerst die Femurfraktur und anschließend die Tibiafraktur zu stabilisieren. Eine Ausnahme bilden offene Tibiafrakturen, die prioritär behandelt werden sollten.
Als häufige Komplikationen nennt die Leitlinie Malunion und verzögerte Knochenheilung, insbesondere bei segmentalen Frakturen. Zudem wird ein erhöhtes Infektionsrisiko bei offenen Frakturen und multiplen chirurgischen Eingriffen beschrieben.
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Quelle: StatPearls: Floating Knee (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.