StatPearls2026

Fazialisparese bei Felsenbeinfraktur: StatPearls Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: StatPearls (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Felsenbeinfrakturen treten bei etwa der Hälfte aller stumpfen Schädeltraumata auf. In 7 bis 12 Prozent der Fälle kommt es dabei zu einer Verletzung des Nervus facialis, was zu einer Fazialisparese führt.

Die Verletzungen werden anatomisch in otikkapselsparende und otikkapselsprengende Frakturen eingeteilt. Letztere gehen mit einer deutlich höheren Rate an Fazialislähmungen (etwa 48 Prozent) einher.

In den meisten Fällen (86 Prozent) entsteht die Nervenschädigung durch ein Ödem oder ein intraneurales Hämatom. Eine tatsächliche Durchtrennung des Nervs ist mit 14 Prozent seltener, erfordert jedoch eine rasche therapeutische Weichenstellung.

Empfehlungen

Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Evaluation und Behandlung:

Klinische Evaluation

Laut Leitlinie ist die Unterscheidung zwischen einer sofortigen und einer verzögert auftretenden Parese essenziell. Eine sofortige, vollständige Lähmung deutet stark auf eine Nervendurchtrennung hin.

Zur Beurteilung des Schweregrads wird die House-Brackmann-Skala empfohlen. Bei unvollständigem Lidschluss muss laut Leitlinie zwingend auf den Schutz der Hornhaut geachtet werden.

House-Brackmann GradKlinisches BildLidschluss
Grad INormale FunktionVollständig
Grad IILeichte Dysfunktion, leichte Asymmetrie bei BewegungVollständig (mit leichter Anstrengung)
Grad IIIModerate Dysfunktion, deutliche Asymmetrie bei BewegungVollständig (mit maximaler Anstrengung)
Grad IVModerate Dysfunktion, Asymmetrie bei BewegungUnvollständig (trotz maximaler Anstrengung)
Grad VSchwere Dysfunktion, starke Asymmetrie in RuheUnvollständig
Grad VIVollständige Paralyse, keine BewegungUnvollständig

Bildgebung und apparative Diagnostik

Als Goldstandard zur Diagnose und Klassifikation wird eine hochauflösende Computertomografie (CT) des Felsenbeins ohne Kontrastmittel empfohlen.

Bei einer vollständigen Parese (House-Brackmann Grad VI) wird eine Elektroneuronografie (ENoG) empfohlen. Diese sollte frühestens drei Tage nach dem Trauma erfolgen, um die Wallersche Degeneration abzuwarten.

Die Leitlinie empfiehlt wöchentliche ENoG-Kontrollen, bis klinische Besserung eintritt, die Kriterien für eine Operation erfüllt sind oder zwei Monate vergangen sind.

Konservative und chirurgische Therapie

Unabhängig von einer möglichen chirurgischen Intervention wird bei einer traumatischen Fazialisparese eine zweiwöchige hochdosierte orale Steroidtherapie empfohlen.

Eine chirurgische Dekompression des Nervus facialis wird in folgenden Fällen empfohlen:

  • Sofortige und vollständige Fazialisparese nach dem Trauma.

  • Verlust von mehr als 90 Prozent der Aktionspotenzial-Amplitude in der ENoG.

Die Wahl des chirurgischen Zugangs (z. B. transmastoidal oder über die mittlere Schädelgrube) richtet sich nach dem Erhalt des Gehörs und der genauen Lokalisation der Fraktur.

Frakturklassifikation nach Yanagihara

Für Patienten mit Fazialisparese nach Fraktur beschreibt die Leitlinie zudem die Yanagihara-Klassifikation:

TypFrakturverlauf
Typ 1Über den Processus mastoideus
Typ 2Über das Mastoid bis zum äußeren Gehörgang
Typ 3Über Mastoid und Gehörgang bis zum pyramidalen/horizontalen Segment des N. facialis
Typ 4ADurch das Tegmen tympani zum Ganglion geniculi (ohne Innenohrbeteiligung)
Typ 4BWie Typ 4A, jedoch mit direkter Verletzung von Innenohr oder innerem Gehörgang

Dosierung

MedikamentDosierungIndikationDauer
Prednison60 mg/Tag (oral)Traumatische Fazialisparese2 Wochen

Kontraindikationen

Laut Leitlinie ist ein translabyrinthärer chirurgischer Zugang zur Dekompression des Nervus facialis kontraindiziert, wenn das Gehör des Betroffenen intakt ist.

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💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt davor, eine Elektroneuronografie (ENoG) zu früh durchzuführen. Es wird betont, dass die Untersuchung frühestens drei Tage nach dem Trauma erfolgen sollte, da die Wallersche Degeneration Zeit benötigt und zu frühe Messungen die Schwere der axonalen Schädigung unterschätzen.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt ein hochauflösendes CT des Felsenbeins bei Fazialisparese, Liquorfistel oder Verdacht auf Gefäßverletzungen. Ein reiner Hörverlust ohne weitere Komplikationen rechtfertigt laut Quelle nicht zwingend ein CT.

Es wird eine zweiwöchige Therapie mit hochdosierten oralen Steroiden (z. B. 60 mg Prednison täglich) empfohlen. Dies gilt laut Leitlinie unabhängig davon, ob zusätzlich eine chirurgische Dekompression erfolgt.

Eine chirurgische Dekompression wird erwogen, wenn die Parese sofort und vollständig auftritt oder die ENoG eine Degeneration von über 90 Prozent zeigt. Die Leitlinie gibt an, dass eine Operation bis zu zwei Monate nach dem Trauma noch funktionelle Verbesserungen bringen kann.

Bei unvollständigem Lidschluss wird ein konsequenter Hornhautschutz durch Befeuchtung, Uhrglasverbände oder das nächtliche Zukleben des Lids empfohlen. In schweren Fällen kann laut Leitlinie die Implantation eines Lidgewichts notwendig sein.

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Quelle: StatPearls: Facial Nerve Intratemporal Trauma (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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