Traktionsschienen bei Femurfraktur: StatPearls Übersicht
Hintergrund
Der Femur ist der längste und stärkste Knochen des Körpers. Frakturen der Femurdiaphyse treten bimodal auf, meist durch Hochrasanztraumata bei jungen Erwachsenen oder durch Niedrigenergietraumata bei älteren Menschen mit verringerter Knochendichte.
Eine Femurfraktur birgt ein hohes Risiko für schwere Komplikationen wie Blutungen, Fettembolien und Infektionen. Laut StatPearls-Artikel kann bei einer Femurfraktur ein Blutverlust von 1 bis 1,5 Litern auftreten, was etwa 30 Prozent des normalen Blutvolumens entspricht.
Durch den Zug der umliegenden Muskulatur kommt es typischerweise zu einer Fehlstellung mit Außenrotation des proximalen und Innenrotation des distalen Segments. Traktionsschienen werden im Rettungsdienst eingesetzt, um die Fraktur temporär für den Transport zu stabilisieren, Schmerzen zu lindern und die Durchblutung zu verbessern.
Empfehlungen
Diagnostik und Evaluation
Die klinische Diagnose ergibt sich meist aus dem Unfallmechanismus, starken Schmerzen, Schwellungen und einer Verkürzung oder Deformität des Oberschenkels.
Es wird empfohlen, Begleitverletzungen an Beckenring, Hüfte, Leiste und Gesäß auszuschließen. Der Text weist darauf hin, dass bis zu 40 Prozent der Femurfrakturen mit einer ipsilateralen Knieverletzung einhergehen.
Zur Überprüfung der Durchblutung wird die Kontrolle der distalen Pulse und der Rekapillarisierungszeit empfohlen. Bei Verdacht auf eine Minderperfusion sollte ein Knöchel-Arm-Index (ABI) erhoben und bei erniedrigten Werten eine CT-Angiographie durchgeführt werden.
Die neurologische Untersuchung sollte die sensible und motorische Funktion der distalen Nerven umfassen. Hierzu zählen der N. suralis, N. saphenus, N. peroneus und N. tibialis.
Indikation und Anwendung
Die primäre Indikation für eine Traktionsschiene ist eine vermutete oder offensichtliche isolierte Fraktur der Femurdiaphyse.
Bei instabilen Personen wird von einer zeitaufwändigen Anlage am Unfallort abgeraten. Stattdessen sollte das verletzte Bein an das unverletzte Bein geschient und der Transport beschleunigt werden.
Es wird betont, dass die neurovaskuläre Funktion nach der Anlage der Schiene und während des Transports regelmäßig neu beurteilt werden muss.
Vergleich der Schienensysteme
Der Text vergleicht die am häufigsten verwendeten Traktionsschienen hinsichtlich ihrer Eigenschaften und Einsatzgebiete:
| Eigenschaft | Hare-Traktionsschiene | Sager-Traktionsschiene |
|---|---|---|
| Traktionsart | Bipolar (zwei Stahlstäbe) | Unipolar (ein Stahlstab zwischen den Beinen) |
| Eignung bei proximaler Femurfraktur | Nicht effektiv | Effektiv |
| Eignung bei bilateraler Fraktur | Nein | Ja (eine Schiene für beide Beine nutzbar) |
| Traktionsmessung | Nicht beschrieben | Möglich (optimal: 10-15 % des Körpergewichts) |
| Spezifische Risiken | Erwachsenenmodell nicht für Kinder anpassbar | Erhöhtes Risiko für Verletzungen der Genitalien |
Kontraindikationen
Der Text nennt folgende Kontraindikationen für die Anlage einer Traktionsschiene:
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Frakturen des Sprunggelenks oder des Fußes, da die Schienen hier Halt für den Zug benötigen
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Partielle Amputationen oder knöcherne Ausrisse, bei denen der distale Teil der Extremität nur noch durch marginales Gewebe verbunden ist
💡Praxis-Tipp
Bei hämodynamisch instabilen Personen sollte keine Zeit mit der Anlage einer Traktionsschiene am Unfallort verschwendet werden. Es wird empfohlen, in diesen kritischen Fällen das verletzte Bein lediglich an das gesunde Bein zu schienen, um einen schnellstmöglichen Transport in die Klinik zu gewährleisten. Zudem wird vor einem potenziellen, oft unterschätzten Blutverlust von bis zu 1,5 Litern in die Oberschenkelkompartimente gewarnt.
Häufig gestellte Fragen
Laut Text können die großen Kompartimente des Oberschenkels bis zu 3 Liter Blut aufnehmen. Bei einer Femurfraktur ist mit einem Blutverlust von 1 bis 1,5 Litern zu rechnen, was bis zu 30 Prozent des normalen Blutvolumens entspricht.
Die optimale Traktion bei einer Sager-Schiene beträgt etwa 10 bis 15 Prozent des Körpergewichts der verletzten Person. Die Schiene verfügt über eine Anzeige, um die angewendete Zugkraft direkt abzulesen.
Bei der Hare-Traktionsschiene kann das Sitzpolster (Ischialpolster) direkt unter der Frakturstelle zu liegen kommen. Daher wird sie bei proximalen Frakturen des Oberschenkelschafts als nicht effektiv eingestuft.
Bis zu 40 Prozent der Femurfrakturen sind mit einer ipsilateralen Knieverletzung assoziiert. Zudem wird empfohlen, stets auf Verletzungen des Beckenrings, der Hüfte und des Perineums zu achten, da meist ein Hochrasanztrauma zugrunde liegt.
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Quelle: StatPearls: EMS Traction Splint (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.