StatPearls2026

Kardiale Amyloidose: StatPearls Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: StatPearls (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die kardiale Amyloidose ist eine infiltrative Erkrankung und die häufigste Ursache einer restriktiven Kardiomyopathie. Sie entsteht durch die extrazelluläre Ablagerung von fehlgefalteten Amyloidfibrillen im Myokard, was zu einer zunehmenden Versteifung und diastolischen Dysfunktion führt.

Laut StatPearls-Leitlinie wird primär zwischen zwei Hauptformen unterschieden: der Leichtketten-Amyloidose (AL) und der Transthyretin-Amyloidose (ATTR). Die ATTR-Form unterteilt sich weiter in einen altersbedingten Wildtyp (ATTRwt) und eine mutationsbedingte hereditäre Variante (ATTRv).

Die Erkrankung wird häufig unterdiagnostiziert und fälschlicherweise als Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) eingestuft. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, da die kardiale Beteiligung der wichtigste prognostische Faktor für das Überleben der Betroffenen ist.

Empfehlungen

Die StatPearls-Leitlinie formuliert detaillierte Empfehlungen zur Diagnostik und Behandlung der kardialen Amyloidose.

Klinischer Verdacht und Basisdiagnostik

Es wird empfohlen, bei unklarer Herzinsuffizienz, bilateralem Karpaltunnelsyndrom oder einer Diskrepanz zwischen EKG-Spannung und linksventrikulärer Wanddicke an eine kardiale Amyloidose zu denken. In der Echokardiografie gilt das "Apical Sparing"-Muster (erhaltener apikaler Strain) als pathognomonisch. Im kardialen MRT zeigt sich typischerweise ein diffuses subendokardiales Late Gadolinium Enhancement.

Diagnostischer Algorithmus

Die Leitlinie empfiehlt ein stufenweises Vorgehen zur Differenzierung der Amyloidose-Typen:

  • Zunächst muss eine AL-Amyloidose mittels monoklonaler Proteintests (Serum-Leichtketten-Assay, Serum- und Urin-Immunfixation) ausgeschlossen werden.

  • Bei unauffälligen Leichtketten und Verdacht auf ATTR wird eine kardiale Szintigrafie (Tc-PYP) empfohlen, wobei ein Uptake vom Grad 2 oder 3 die Diagnose bestätigt.

  • Bei bestätigter ATTR-Amyloidose ist eine genetische Testung zur Unterscheidung zwischen ATTRwt und ATTRv indiziert.

  • Bei positiven monoklonalen Assays wird eine hämatologische Vorstellung zur Biopsie (Kongo-Rot-Färbung) empfohlen.

Herzinsuffizienz- und Volumenmanagement

Zur Volumenkontrolle werden Schleifendiuretika und Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten als Basistherapie empfohlen. Die Leitlinie warnt vor dem Einsatz von Betablockern, ACE-Hemmern und Angiotensin-Rezeptor-Blockern, da diese häufig zu schwerer Hypotension führen. Kalziumkanalblocker bieten keinen Nutzen und können die Hämodynamik ebenfalls verschlechtern.

Krankheitsmodifizierende Therapie

Die spezifische Therapie richtet sich nach dem zugrundeliegenden Amyloidose-Typ:

  • Bei ATTR-Kardiomyopathie wird der Transthyretin-Stabilisator Tafamidis zur Reduktion von Mortalität und Hospitalisierungen empfohlen.

  • Bei ATTRv mit Polyneuropathie stehen Transthyretin-Silencer (z.B. Patisiran, Inotersen) zur Verfügung.

  • Bei AL-Amyloidose wird eine Chemotherapie (z.B. Melphalan, Bortezomib) oder eine autologe Stammzelltransplantation in interdisziplinärer Zusammenarbeit empfohlen.

Rhythmuskontrolle und Antikoagulation

Bei Vorhofflimmern wird Amiodaron als gut verträgliche Option zur Rhythmuskontrolle hervorgehoben. Digoxin sollte laut Leitlinie aufgrund der Bindung an Amyloidfibrillen und der damit verbundenen Toxizitätsgefahr nur mit äußerster Vorsicht eingesetzt werden. Eine Antikoagulation wird unabhängig vom Rhythmus oder der Symptomlast empfohlen, da ein stark erhöhtes Risiko für intrakardiale Thromben besteht.

Prognose und Staging

Zur Risikostratifizierung wird das Staging-System der Mayo Clinic empfohlen, welches auf kardialen Biomarkern basiert. Für die AL-Amyloidose werden die Grenzwerte NT-proBNP > 1.800 pg/mL, Troponin T > 0,025 ng/mL und eine Differenz der freien Leichtketten > 18 mg/dL herangezogen.

Stadium (AL-Amyloidose)Anzahl erhöhter BiomarkerMediane Überlebenszeit
Stadium I0ca. 5 Jahre
Stadium II1ca. 3,5 Jahre
Stadium III2ca. 1,5 Jahre
Stadium IV3ca. 6 Monate

Für die ATTR-Amyloidose erfolgt die Stadieneinteilung anhand von NT-proBNP (Grenzwert 3.000 pg/mL) und Troponin T (Grenzwert 0,05 ng/mL).

Stadium (ATTR-Amyloidose)Biomarker-KriterienMediane Überlebenszeit
Stadium IBeide Werte unter/gleich Grenzwertca. 5,7 Jahre
Stadium IIEin Wert über dem Grenzwertca. 4,2 Jahre
Stadium IIIBeide Werte über dem Grenzwertca. 2,5 Jahre

Dosierung

Die Leitlinie nennt folgende zugelassene Dosierungen für die krankheitsmodifizierende Therapie der ATTR-Kardiomyopathie:

MedikamentDosisIndikation
Tafamidis61 mgATTR-Kardiomyopathie (ATTRwt und ATTRv)
Tafamidis-Meglumin80 mgATTR-Kardiomyopathie (ATTRwt und ATTRv)

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt folgende Warnhinweise und Kontraindikationen bei kardialer Amyloidose:

  • Betablocker und RAAS-Inhibitoren: Werden in der Regel sehr schlecht vertragen und können selbst in niedrigen Dosen zu schwerer Hypotension führen.

  • Kalziumkanalblocker: Bieten keinen signifikanten Nutzen bei amyloidbedingter diastolischer Dysfunktion und können eine Hypotension verschlimmern.

  • Digoxin: Bindet an Amyloidfibrillen, was das Risiko einer Toxizität stark erhöht. Der Einsatz erfordert eine sehr vorsichtige Dosierung und engmaschige Überwachung.

Frage zu dieser Leitlinie stellen...

💡Praxis-Tipp

Ein plötzlicher Blutdruckabfall oder eine ausgeprägte Intoleranz gegenüber niedrig dosierten Betablockern oder RAAS-Inhibitoren bei einer vermeintlichen Herzinsuffizienz sollte den klinischen Verdacht auf eine kardiale Amyloidose lenken. Zudem wird betont, dass bei der Diagnostik immer zuerst eine AL-Amyloidose mittels Leichtketten-Assay und Immunfixation ausgeschlossen werden muss, bevor eine Szintigrafie zur ATTR-Diagnostik abschließend beurteilt wird.

Häufig gestellte Fragen

Im EKG zeigt sich häufig ein Pseudo-Infarkt-Muster mit niedrigen QRS-Amplituden (Low-Voltage) in den Extremitätenableitungen. Bei der ATTR-Amyloidose treten laut Leitlinie zudem vermehrt Linksschenkelblöcke und höhergradige AV-Blöcke auf.

Das "Apical Sparing" beschreibt ein Muster in der Strain-Analyse, bei dem die longitudinale Kontraktion an der Herzbasis stark eingeschränkt ist, während sie am Apex erhalten bleibt. Dieses Bild, auch "Cherry on top" genannt, gilt als hochspezifisch für die kardiale Amyloidose.

Die Unterscheidung erfolgt primär über den Nachweis monoklonaler Proteine in Blut und Urin zum Ausschluss der AL-Form. Bei negativen Leichtketten bestätigt ein starker Tracer-Uptake (Grad 2 oder 3) in der kardialen Szintigrafie die ATTR-Form.

Betablocker werden bei kardialer Amyloidose oft sehr schlecht vertragen, da sie die Herzfrequenz senken, auf die das steife Herz zur Aufrechterhaltung des Herzzeitvolumens angewiesen ist. Laut Leitlinie können sie selbst in geringen Dosen zu schwerer Hypotension führen.

Die Prognose hängt stark vom Subtyp ab, wobei die AL-Amyloidose unbehandelt mit 6 bis 12 Monaten die schlechteste Überlebenszeit aufweist. Die ATTR-Amyloidose verläuft langsamer, wobei die Lebenserwartung je nach genetischer Variante und Krankheitsstadium variiert.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: StatPearls: Cardiac Amyloidosis (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien