SIRS: Diagnostische Kriterien und Therapieempfehlungen
Hintergrund
Das Systemic Inflammatory Response Syndrome (SIRS) wird in der StatPearls-Leitlinie als eine überschießende Immunantwort des Körpers auf infektiöse oder nicht-infektiöse Stressoren beschrieben. Ziel dieser Reaktion ist es, den Auslöser zu lokalisieren und zu eliminieren, was jedoch in einer systemischen Entzündungskaskade münden kann.
Die Leitlinie beleuchtet die historische Entwicklung der SIRS-Kriterien und deren Abgrenzung zur Sepsis. Während die neuere Sepsis-3-Definition den Fokus auf Organdysfunktionen legt, behält SIRS seine Bedeutung als hochsensitives Instrument für die frühe klinische Triage.
Zu den Auslösern zählen sowohl Pathogen-assoziierte molekulare Muster (PAMPs) bei Infektionen als auch Damage-assoziierte molekulare Muster (DAMPs) bei Traumata, Verbrennungen oder Ischämien. Ein Ungleichgewicht zwischen pro- und antiinflammatorischen Prozessen kann im Verlauf zu einem Multiorganversagen führen.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernaspekte zur Diagnostik und Therapie:
Diagnostische Kriterien
SIRS wird objektiv durch das Vorhandensein von mindestens zwei der folgenden Kriterien definiert:
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Körpertemperatur über 38 °C oder unter 36 °C
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Herzfrequenz über 90 Schläge/Minute
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Atemfrequenz über 20 Atemzüge/Minute oder PaCO2 unter 32 mm Hg
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Leukozytenzahl über 12.000/µL, unter 4.000/µL oder über 10 % unreife Formen (Stabkernige)
Bei pädiatrischen Patienten wird zwingend eine abnormale Leukozytenzahl oder Temperatur gefordert. Abweichende Herz- und Atemfrequenzen treten bei Kindern häufiger auf und sind allein nicht ausreichend.
Labordiagnostik und Biomarker
Es wird empfohlen, bei Verdacht auf eine infektiöse Genese innerhalb der ersten Stunde und vor Beginn einer Antibiotikatherapie Blutkulturen sowie Proben von potenziellen Infektionsherden zu entnehmen.
Zur Differenzierung zwischen infektiösen und nicht-infektiösen Ursachen nennt die Leitlinie verschiedene Biomarker:
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Procalcitonin (PCT): Hilfreich zur Unterscheidung von SIRS und Sepsis sowie zur Steuerung der Antibiotikadauer
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Laktat: Dient der Beurteilung von Gewebehypoperfusion und Endorganschäden
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Interleukin-6 (IL-6): Werte über 300 pg/mL korrelieren mit einer erhöhten Inzidenz von Multiorganversagen
Hämodynamische Stabilisierung
Es wird bei Verdacht auf einen septischen Schock eine initiale Flüssigkeitsresuscitation empfohlen. Die weitere Volumengabe sollte durch dynamische Parameter wie den Passive-Leg-Raising-Test gesteuert werden.
Bei persistierender Hypotension trotz adäquater Volumengabe wird der Einsatz von Vasopressoren wie Norepinephrin empfohlen.
Medikamentöse und supportive Therapie
Bei Verdacht auf eine Infektion wird die Einleitung einer empirischen Breitbandantibiose innerhalb von einer Stunde empfohlen. Eine zeitnahe Deeskalation nach Vorliegen der Kulturergebnisse ist indiziert.
Zusätzlich werden folgende supportive Maßnahmen empfohlen:
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Blutzuckerkontrolle mit einem Zielwert von unter 180 mg/dL
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Lungenprotektive Beatmung bei Vorliegen eines akuten Lungenversagens (ARDS)
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Frühzeitige enterale Ernährung innerhalb von 72 Stunden
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Pharmakologische Thromboseprophylaxe und Stressulkusprophylaxe bei Risikopatienten
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende spezifische Dosierungsrichtlinien im Rahmen der supportiven Therapie:
| Therapie | Dosierung / Zielwert | Indikation |
|---|---|---|
| Isotonische Kristalloide | 30 mL/kg Körpergewicht (Bolus) | Initiale Flüssigkeitsresuscitation bei septischem Schock |
| Hydrocortison | 200 bis 300 mg/Tag | Vasopressor-refraktärer septischer Schock |
| Blutzuckereinstellung | Zielwert < 180 mg/dL | Supportive Therapie zur Vermeidung von Hypoglykämien |
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt vor einer strikten Blutzuckereinstellung auf Werte zwischen 80 und 110 mg/dL. Dies geht mit einem signifikant erhöhten Risiko für Hypoglykämien und damit verbundenen unerwünschten Ereignissen einher.
Zudem wird der Einsatz von Kortikosteroiden auf Basis von Cortisolspiegeln oder ACTH-Stimulationstests nicht empfohlen. Eine relative Nebennierenrindeninsuffizienz beruht in diesem Kontext oft auf Geweberesistenz und nicht auf einem messbaren Hormonmangel.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist die Unterscheidung zwischen SIRS und dem qSOFA-Score im klinischen Alltag. Während qSOFA eine höhere Spezifität für die Vorhersage der Mortalität aufweist, sind die SIRS-Kriterien in der Notaufnahme deutlich schneller erfüllt. Es wird daher empfohlen, SIRS weiterhin als hochsensitives Instrument für die frühe Triage zu nutzen, um zeitkritische Interventionen wie die Antibiotikagabe nicht zu verzögern.
Häufig gestellte Fragen
Für die Diagnose müssen mindestens zwei von vier Kriterien vorliegen. Dazu gehören definierte Abweichungen bei der Körpertemperatur, der Herzfrequenz, der Atemfrequenz (oder dem PaCO2) sowie der Leukozytenzahl.
Ein SIRS mit einer vermuteten infektiösen Ursache wird klassischerweise als Sepsis bezeichnet. Die neuere Sepsis-3-Definition fokussiert sich jedoch primär auf die lebensbedrohliche Organdysfunktion infolge einer Infektion.
Die Leitlinie empfiehlt, bei Verdacht auf eine Infektion innerhalb der ersten Stunde eine empirische Breitbandantibiose zu initiieren. Zuvor sollten jedoch zwingend Blutkulturen abgenommen werden.
Procalcitonin wird als hilfreicher Biomarker zur Unterscheidung zwischen infektiösen und nicht-infektiösen Ursachen beschrieben. Zudem kann es zur Steuerung und Verkürzung der Antibiotikatherapiedauer herangezogen werden.
Der Einsatz von niedrig dosiertem Hydrocortison wird laut Leitlinie nur bei Patienten mit einem vasopressor-refraktären septischen Schock empfohlen. Eine routinemäßige Gabe bei unkompliziertem SIRS ist nicht vorgesehen.
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Quelle: StatPearls: Systemic Inflammatory Response Syndrome (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
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