Sichelzellkrankheit: Therapie akuter Schmerzkrisen
Hintergrund
Die Sichelzellkrankheit umfasst eine Gruppe lebenslanger, vererbter Störungen der Hämoglobinbildung. Akute schmerzhafte Sichelzellepisoden (Schmerzkrisen) entstehen durch den Verschluss kleiner Blutgefäße, was zu Gewebeinfarkten führen kann.
Auslöser für das veränderte Verhalten der roten Blutkörperchen können Dehydratation, Sauerstoffmangel oder eine erhöhte Körpertemperatur sein. Oft treten die Episoden jedoch unvorhersehbar und ohne klare präzipitierende Faktoren auf.
Das primäre Ziel der Behandlung im Krankenhaus ist eine schnelle und sichere Schmerzkontrolle. Die NICE-Leitlinie CG143 betont, dass betroffene Personen als Experten für ihre eigene Erkrankung betrachtet und in alle Entscheidungen einbezogen werden sollten.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management im Krankenhaus:
Initiale Beurteilung und Monitoring
Die Leitlinie empfiehlt, eine akute Schmerzkrise als medizinischen Notfall zu behandeln. Es wird eine strukturierte Schmerzbeurteilung mit einem altersgerechten Instrument gefordert.
Eine Analgesie sollte laut Leitlinie innerhalb von 30 Minuten nach Vorstellung angeboten werden.
Zudem wird ein klinisches Monitoring von Blutdruck, Puls, Atemfrequenz, Temperatur und Sauerstoffsättigung empfohlen. Bei einer Sauerstoffsättigung von 95 % oder darunter wird eine Sauerstofftherapie empfohlen.
Schmerztherapie (Analgesie)
Die Leitlinie definiert Schmerzgrade anhand der Visuellen Analogskala (VAS) und empfiehlt darauf basierend die initiale Therapie:
| Schmerzintensität | VAS-Score | Empfohlene Opioid-Therapie |
|---|---|---|
| Mäßiger Schmerz (ohne vorherige Analgesie) | 4 bis 7 | Schwaches Opioid erwägen |
| Mäßiger Schmerz (mit vorheriger Analgesie) | 4 bis 7 | Bolusgabe eines starken Opioids |
| Starker Schmerz | > 7 | Bolusgabe eines starken Opioids |
Zusätzlich zum Opioid wird die regelmäßige Gabe von Paracetamol und nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) empfohlen, sofern keine Kontraindikationen vorliegen.
Reevaluation und Begleitmedikation
Die Wirksamkeit der Schmerzlinderung sollte anfangs alle 30 Minuten und nach Erreichen einer zufriedenstellenden Linderung mindestens alle 4 Stunden überprüft werden.
Werden innerhalb von 2 Stunden wiederholte Bolusgaben eines starken Opioids benötigt, wird die Erwägung einer patientenkontrollierten Analgesie (PCA) empfohlen.
Bei einer Opioidtherapie empfiehlt die Leitlinie folgende Begleitmedikation:
-
Regelmäßige Gabe von Laxanzien
-
Antiemetika bei Bedarf
-
Antipruriginosa (gegen Juckreiz) bei Bedarf
Ein klinisches Assessment inklusive Sedierungsscore wird für die ersten 6 Stunden stündlich, danach mindestens alle 4 Stunden empfohlen.
Komplikationen
Es wird empfohlen, stets auf Anzeichen eines akuten Thoraxsyndroms (Acute Chest Syndrome) zu achten. Dazu gehören abnormale Atemwegssymptome, Brustschmerzen, Fieber oder Zeichen einer Hypoxie.
Weitere mögliche Komplikationen umfassen laut Leitlinie:
-
Akuter Schlaganfall
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Aplastische Krise
-
Infektionen
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Osteomyelitis
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Milzsequestration
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende spezifische Kontraindikationen und Warnhinweise:
-
Pethidin: Darf zur Schmerzbehandlung bei einer akuten Sichelzellkrise nicht eingesetzt werden.
-
Kortikosteroide: Sollen beim Management einer unkomplizierten akuten Schmerzkrise nicht verwendet werden.
-
NSAR in der Schwangerschaft: Die Anwendung sollte vermieden werden, es sei denn, der Nutzen überwiegt die Risiken. Im dritten Trimenon sind NSAR zur Behandlung der Schmerzkrise strikt zu vermeiden.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, dass Pulsoximeter die Sauerstoffsättigung bei Menschen mit dunkler Hautfarbe überschätzen können, insbesondere bei grenzwertigen Befunden. Es wird empfohlen, diese mögliche Fehlerquelle bei der Beurteilung einer Hypoxie oder eines akuten Thoraxsyndroms stets zu berücksichtigen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt, allen Patienten innerhalb von 30 Minuten nach Vorstellung im Krankenhaus eine angemessene Analgesie anzubieten. Dies unterstreicht den Charakter der Krise als medizinischen Notfall.
Nein, die Leitlinie spricht sich explizit gegen die Verwendung von Pethidin zur Schmerzbehandlung bei akuten Sichelzellepisoden aus. Stattdessen werden andere starke Opioide in Kombination mit Paracetamol und NSAR empfohlen.
Laut Leitlinie wird eine klinische Beurteilung einschließlich eines Sedierungsscores in den ersten 6 Stunden stündlich empfohlen. Danach sollte das Monitoring mindestens alle 4 Stunden stattfinden.
Es wird empfohlen, allen Patienten unter Opioidtherapie routinemäßig Laxanzien zu verabreichen. Antiemetika und juckreizstillende Medikamente (Antipruriginosa) sollten bei Bedarf zur Verfügung stehen.
Ein akutes Thoraxsyndrom sollte in Betracht gezogen werden, wenn abnormale Atemwegssymptome, Brustschmerzen, Fieber oder Zeichen einer Hypoxie auftreten. Als Hypoxie gilt eine Sauerstoffsättigung von 95 % oder darunter.
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Quelle: CG143: Sickle cell disease: managing acute painful episodes (NICE, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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