Sepsis und septischer Schock: Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Sepsis ist eine lebensbedrohliche Organdysfunktion, die durch eine fehlregulierte Wirtsantwort auf eine Infektion verursacht wird. Sepsis und der septische Schock stellen weltweit große gesundheitliche Herausforderungen dar und sind mit einer hohen Mortalität verbunden.
Eine frühzeitige Erkennung und ein angemessenes Management in den ersten Stunden nach der Entwicklung einer Sepsis verbessern die klinischen Ergebnisse erheblich.
Die Surviving Sepsis Campaign (SSC) Leitlinie von 2021 bietet evidenzbasierte Empfehlungen für die Akutversorgung von erwachsenen Patienten im Krankenhaussetting.
Klinischer Kontext
Epidemiologie: Sepsis ist ein lebensbedrohlicher Zustand mit weltweit hoher Inzidenz und Mortalität. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Immunsupprimierte und Patienten mit schweren Vorerkrankungen. Pathophysiologie: Ursächlich ist eine dysregulierte Wirtsantwort auf eine Infektion, die zu einer lebensbedrohlichen Organdysfunktion führt. Es kommt zu komplexen pro- und antiinflammatorischen Kaskaden, endothelialer Dysfunktion und mikrovaskulären Thrombosen. Klinische Bedeutung: Die Sepsis stellt einen absoluten medizinischen Notfall dar. Eine schnelle Erkennung und unverzügliche Therapieeinleitung sind entscheidend, um die Überlebenschancen der Patienten zu maximieren. Diagnostische Grundlagen: Die Diagnose stützt sich auf den klinischen Nachweis einer Organdysfunktion infolge einer Infektion. Wichtige diagnostische Bausteine sind Blutkulturen, die Bestimmung des Serumlaktats sowie klinische Scores zur Beurteilung des Organversagens.
Wissenswertes
Typische Frühzeichen umfassen Tachykardie, Hypotonie, Tachypnoe und Fieber oder Hypothermie. Häufig treten auch Bewusstseinsveränderungen wie Verwirrtheit oder Somnolenz auf.
Die Organdysfunktion wird klinisch häufig über den SOFA-Score beurteilt. Ein Anstieg um mindestens zwei Punkte deutet auf eine relevante Organdysfunktion hin.
Ein erhöhter Serumlaktatspiegel ist ein wichtiger Marker für Gewebehypoxie und zelluläre Dysfunktion. Er dient sowohl der initialen Risikostratifizierung als auch der Verlaufskontrolle unter Therapie.
Jede Verzögerung einer adäquaten antimikrobiellen Therapie korreliert direkt mit einer erhöhten Mortalität. Daher sollte nach Abnahme von Blutkulturen schnellstmöglich eine kalkulierte Breitbandantibiose erfolgen.
Source Control bezeichnet die chirurgische oder interventionelle Sanierung des Infektionsherdes. Dies umfasst beispielsweise die Drainage von Abszessen oder die Entfernung infizierter Katheter und ist essenziell für den Therapieerfolg.
Die Volumengabe orientiert sich an klinischen Zeichen der Perfusion, dem Blutdruck und der Herzfrequenz. Dynamische Parameter und die Laktat-Clearance helfen bei der Beurteilung des Volumenbedarfs.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist die Abkehr vom qSOFA-Score als alleinigem Screening-Tool aufgrund seiner unzureichenden Sensitivität. Zudem wird betont, dass die empirische Antibiose bei Verdachtsfällen ohne Schock nicht blind erfolgen sollte, sondern ein Zeitfenster von bis zu 3 Stunden für eine rasche differenzialdiagnostische Abklärung genutzt werden kann, um unnötige Antibiotikagaben zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird bei Sepsis-induzierter Hypoperfusion oder septischem Schock die intravenöse Gabe von mindestens 30 ml/kg kristalloiden Lösungen empfohlen. Diese Volumengabe sollte innerhalb der ersten 3 Stunden der Reanimation erfolgen.
Für Patienten mit septischem Schock, die Vasopressoren benötigen, wird ein initialer Zielwert für den mittleren arteriellen Druck (MAP) von 65 mmHg empfohlen. Höhere MAP-Ziele zeigten in Studien keinen Überlebensvorteil.
Bei einem septischen Schock oder einer hohen Wahrscheinlichkeit für eine Sepsis wird die sofortige Antibiotikagabe innerhalb von 1 Stunde empfohlen. Bei möglicher Sepsis ohne Schock kann ein Zeitfenster von bis zu 3 Stunden für eine rasche Abklärung genutzt werden.
Die Leitlinie spricht eine starke Empfehlung dagegen aus, den qSOFA-Score als alleiniges Screening-Instrument zu verwenden. Er ist zwar spezifisch, weist aber eine zu geringe Sensitivität für die zuverlässige Früherkennung auf.
Es wird davon abgeraten, Procalcitonin zur Entscheidung über den Beginn einer antimikrobiellen Therapie heranzuziehen. Die Entscheidung sollte primär auf der klinischen Evaluation basieren.
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Quelle: Surviving Sepsis Campaign Adult Guidelines 2021 (IDSA, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
SSC: Surviving Sepsis Campaign Adult Guidelines 2026
SSC: Surviving Sepsis Campaign Children Guidelines 2026
Surviving Sepsis Campaign International Guidelines for the Management of Septic Shock and Sepsis-Associated Organ Dysfunction in Children
StatPearls: Septic Shock (Nursing)
StatPearls: Bacterial Sepsis
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