SCID-Screening: Testgüte, Mortalität und Therapiebeginn

Diese Leitlinie stammt aus 2017 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2017)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der schwere kombinierte Immundefekt (SCID) umfasst genetische Erkrankungen, die durch ein völliges Fehlen der Immunabwehr gekennzeichnet sind. Unbehandelt versterben die betroffenen Kinder meist innerhalb der ersten ein bis zwei Lebensjahre an schweren Infektionen.

Die Erkrankung wird international nach dem Immunphänotyp klassifiziert. Der Bericht nennt dabei folgende wesentliche genetische Defekte und ihre Zuordnung:

ErkrankungImmunphänotypAnmerkung
Retikuläre DysgenesieT-B-Eigene ICD-10 Ziffer
ADA-MangelT-B-Eigene ICD-10 Ziffer
PNP-MangelT-B- variabelWeitere Gruppe

Als etablierte kurative Therapie gilt die allogene Knochenmark- oder Stammzelltransplantation zur Wiederherstellung der Immunfunktion. Vor einer solchen Therapie ist eine frühzeitige Stabilisierung durch strenge Hygiene und Infektionsprophylaxe essenziell.

Ziel eines Neugeborenenscreenings ist es, betroffene Kinder vor der ersten schweren Infektion zu identifizieren. Hierfür wird Filterkartenblut auf sogenannte T-Cell Receptor Excision Circles (TREC) untersucht, die als Marker für die T-Zell-Entwicklung dienen.

Empfehlungen

Der IQWiG-Bericht S15-02 bewertet den Nutzen eines Neugeborenenscreenings auf SCID. Die Untersuchung liefert folgende zentrale Erkenntnisse zur Screeningkette und Therapie.

Nutzen des frühen Therapiebeginns

Laut Bericht zeigt sich ein Anhaltspunkt für einen Nutzen eines frühen Behandlungsbeginns. Dies bezieht sich auf eine frühzeitige infektionsprophylaktische Therapie, die in eine kurative Behandlung mündet.

Für den Endpunkt Mortalität beschreibt die Auswertung einen dramatischen Effekt zugunsten der frühen Therapie:

  • Deutlich geringere Sterblichkeit vor der Transplantation

  • Geringere Sterblichkeit nach der Transplantation

  • Signifikanter Überlebensvorteil gegenüber einem späteren Behandlungsbeginn nach Symptomeintritt

Diagnostische Güte des TREC-Tests

Die Bestimmung von TREC aus Filterkartenblut wird als grundsätzlich geeignet eingestuft, um Kinder mit SCID zu identifizieren. Die Datenlage reicht jedoch nicht aus, um Sensitivität und Spezifität exakt zu berechnen.

Für den deutschen Versorgungskontext wird ein positiver prädiktiver Wert (PPV) zwischen 4 % und 13 % erwartet. Es ist laut Bericht davon auszugehen, dass falsch-positive Befunde auftreten, die bis zur Abklärung zu psychischen Belastungen der Eltern führen können.

Morbidität und unerwünschte Effekte

Bezüglich des Endpunkts Morbidität (insbesondere Infektionen) lässt die Datenlage keine eindeutige Nutzenaussage zu. Die verfügbaren Daten stützen jedoch tendenziell die positiven Ergebnisse zur Mortalität.

Schädliche Folgen durch falsch-negative Ergebnisse werden als gering eingeschätzt. Ein unauffälliges Screeningergebnis schließt die Kinder nicht von der regulären klinischen Diagnostik bei Infektneigung aus.

Kontraindikationen

Der Bericht weist auf spezifische Kontraindikationen bei Kindern mit SCID hin. Aufgrund der fehlenden Immunabwehr sind Lebendimpfungen streng kontraindiziert.

Dies betrifft beispielsweise die regulär vorgesehene Rotavirus-Impfung. Ebenso wird vor der Transfusion unbestrahlter Blutprodukte gewarnt.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein wesentlicher Aspekt aus dem Bericht ist die absolute Kontraindikation von Lebendimpfungen (wie der Rotavirus-Impfung) bei Kindern mit SCID. Es wird betont, dass bei einem auffälligen Neugeborenenscreening oder einer positiven Familienanamnese sofortige präventive Maßnahmen und eine Infektionsprophylaxe eingeleitet werden sollten, noch bevor eine kurative Stammzelltransplantation erfolgt.

Häufig gestellte Fragen

Laut Bericht wird für das Screening Filterkartenblut verwendet, das im Alter von 48 bis 72 Lebensstunden entnommen wird. Daraus werden mittels PCR sogenannte TRECs (T-Cell Receptor Excision Circles) quantifiziert, um eine T-Zell-Lymphopenie zu erkennen.

Die Untersuchung schätzt den positiven prädiktiven Wert (PPV) für Deutschland auf etwa 4 bis 13 Prozent. Der Test ist grundsätzlich geeignet, SCID zu erkennen, liefert aber auch falsch-positive Ergebnisse, die weiter abgeklärt werden müssen.

Als etablierte kurative Therapie wird die allogene Knochenmark- oder Stammzelltransplantation beschrieben. Bei spezifischen Defekten wie dem ADA-Mangel kommen laut Bericht auch Enzymersatz- oder Gentherapien in Betracht.

Der Bericht zeigt einen dramatischen Überlebensvorteil, wenn eine infektionsprophylaktische Therapie frühzeitig begonnen wird. Unbehandelt versterben die meisten betroffenen Kinder innerhalb der ersten ein bis zwei Lebensjahre an Infektionen.

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Quelle: IQWiG S15-02: Screening auf schwere kombinierte Immundefekte (SCID-Screening) bei Neugeborenen (IQWiG, 2017). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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