Rucaparib: Indikation und Dosierung bei Ovarialkarzinom
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des IQWiG bewertet den Zusatznutzen von Rucaparib als Monotherapie. Das Anwendungsgebiet umfasst erwachsene Patientinnen mit platinsensitivem, rezidiviertem oder progressivem, high-grade epithelialem Ovarial-, Eileiter- oder Peritonealkarzinom.
Voraussetzung für die Behandlung ist das Vorliegen einer BRCA-Mutation (Keimbahn und/oder somatisch). Zudem müssen die Patientinnen mit zwei oder mehr vorherigen platinbasierten Chemotherapielinien behandelt worden sein und keine weitere platinhaltige Chemotherapie tolerieren.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie legte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) eine Monotherapie mit Topotecan oder pegyliertem liposomalen Doxorubicin fest.
Empfehlungen
Bewertung des Zusatznutzens
Laut IQWiG ist ein Zusatznutzen von Rucaparib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt. Der pharmazeutische Unternehmer legte für die Bewertung die nicht kontrollierten Studien ARIEL2 und Studie10 vor.
Diese wurden deskriptiv mit den randomisierten kontrollierten Studien Gordon 2001 und Kaye 2012 zur Vergleichstherapie verglichen. Das IQWiG stuft diese Daten als nicht geeignet ein.
Gründe für die fehlende Belegbarkeit
Der Bericht nennt folgende Hauptgründe für die Ablehnung der vorgelegten Evidenz:
-
Die eingeschlossenen Studienpopulationen entsprechen nicht hinreichend dem zugelassenen Anwendungsgebiet (z. B. hinsichtlich der Anzahl vorheriger platinbasierter Therapien oder der Platinsensitivität).
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Es besteht keine ausreichende Ähnlichkeit zwischen den Populationen der Rucaparib-Studien und denen der Vergleichstherapie.
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Vergleichende Daten liegen ausschließlich für einzelne unerwünschte Ereignisse vor, nicht aber für patientenrelevante Endpunkte wie Mortalität oder gesundheitsbezogene Lebensqualität.
Anforderungen vor Therapiebeginn
Vor der Einleitung einer Therapie mit Rucaparib wird gemäß Fachinformation ein validierter Test gefordert. Dieser muss schädigende Keimbahn- beziehungsweise somatische Mutationen des BRCA1/2-Gens nachweisen.
Dosierung
Die Behandlung sollte von einem in der Onkologie erfahrenen Arzt eingeleitet und überwacht werden. Dosisanpassungen können bei Nebenwirkungen durch Reduktion oder Unterbrechung erfolgen.
| Medikament | Empfohlene Dosis | Tageshöchstdosis | Behandlungsdauer |
|---|---|---|---|
| Rucaparib | 600 mg 2-mal täglich | 1200 mg | Bis zur Krankheitsprogression oder inakzeptabler Toxizität |
Kontraindikationen
Der Bericht listet basierend auf der Fachinformation folgende Warnhinweise und Kontraindikationen auf:
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Schwangerschaft und Stillzeit: Ein Schwangerschaftstest vor Therapiebeginn wird empfohlen. Das Stillen ist während der Therapie und für zwei Wochen nach der letzten Einnahme kontraindiziert.
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Vortherapie: Die Anwendung wird nicht empfohlen, wenn zuvor eine Erhaltungstherapie mit einem PARP-Inhibitor erfolgte.
-
Organfunktion: Bei mittelschwerer oder schwerer Leberfunktionsstörung sowie schwerer Nierenfunktionsstörung wird Rucaparib nicht empfohlen.
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Wechselwirkungen: Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Gabe von starken CYP3A4-Inhibitoren/-Induktoren oder starken P-gp-Inhibitoren.
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Spezifische Metabolismus-Risiken: Bei Patienten mit UGT1A1*28 (schlechte Metabolisierer) ist bei gleichzeitiger Gabe von UGT1A1-Substraten (z. B. Irinotecan) Vorsicht geboten.
💡Praxis-Tipp
Laut IQWiG-Bericht ist bei der Indikationsstellung streng auf die Zulassungskriterien zu achten, da ein Zusatznutzen im Vergleich zur Standardtherapie nicht belegt ist. Es wird betont, dass vor Therapiebeginn zwingend eine BRCA1/2-Mutation durch einen validierten Test nachgewiesen werden muss. Zudem ist bei gleichzeitiger Anwendung von Rucaparib und Phenytoin eine Überwachung des therapeutischen Arzneimittelspiegels von Phenytoin in Betracht zu ziehen.
Häufig gestellte Fragen
Rucaparib ist für erwachsene Patientinnen mit platinsensitivem, rezidiviertem oder progressivem, high-grade epithelialem Ovarialkarzinom zugelassen. Laut IQWiG müssen eine BRCA-Mutation vorliegen, mindestens zwei platinbasierte Vortherapien erfolgt sein und keine weitere platinhaltige Therapie toleriert werden.
Der IQWiG-Bericht kommt zu dem Schluss, dass ein Zusatznutzen von Rucaparib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt ist. Die vorgelegten Studiendaten wurden aufgrund mangelnder Übereinstimmung mit dem Anwendungsgebiet als nicht geeignet eingestuft.
Der Gemeinsame Bundesausschuss hat als zweckmäßige Vergleichstherapie eine Monotherapie mit Topotecan oder pegyliertem liposomalen Doxorubicin festgelegt.
Die empfohlene Dosis beträgt laut Fachinformation 600 mg zweimal täglich als orale Einnahme. Die Therapie wird bis zur Krankheitsprogression oder bis zum Auftreten inakzeptabler Toxizität fortgeführt.
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Quelle: IQWiG A19-22: Rucaparib (Ovarial-, Eileiter- oder Peritonealkarzinom; Behandlung) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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