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Trichinellose: Leitlinie & Empfehlungen (RKI)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Übertragung erfolgt durch den Verzehr von rohem oder unzureichend erhitztem Fleisch (v.a. Schwein, Wildschwein), das Trichinella-Larven enthält.
  • Klinisch wird eine enterale Phase (Diarrhö) von einer Migrationsphase (Fieber, Myalgien, periorbitale Ödeme) unterschieden.
  • Leitsymptome im Labor sind eine ausgeprägte Eosinophilie (>90 % in der enteralen Phase) und eine Erhöhung der Kreatinkinase (CK).
  • Die Therapie schwerer Verläufe erfolgt mit Mebendazol oder Albendazol in Kombination mit Glukokortikoiden.
  • Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung findet nicht statt.
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Hintergrund

Die Trichinellose ist eine weltweit verbreitete Zoonose, die durch Nematoden (Rundwürmer) des Genus Trichinella (am häufigsten T. spiralis) verursacht wird. In Deutschland ist die Erkrankung selten (Median: 3 Fälle/Jahr). Infektionen erfolgen meist durch im Ausland erworbenes Fleisch oder privat geschlachtete Haus- und Wildschweine. Als Reservoir dienen Fleisch- und Allesfresser.

Infektionsweg und Pathogenese

Die Infektion erfolgt ausschließlich über den Verzehr von rohem oder ungenügend erhitztem Fleisch, das Trichinella-Larven enthält. Der Krankheitsverlauf lässt sich in verschiedene Phasen unterteilen:

PhaseZeitraumPathogeneseKlinische Symptome
Enterale PhaseTag 1 bis ca. Tag 20Freisetzung der Larven im Magen, Reifung im Dünndarm. Weibchen setzen neue Larven frei.Akute Diarrhö, abdominelle Beschwerden
MigrationsphaseAb ca. Woche 1Larven wandern über die Blutbahn in gut durchblutete, quergestreifte Muskulatur (Zwerchfell, Nacken, Kau- und Schultermuskulatur).Hohes Fieber, Schüttelfrost, Myalgien, periorbitale Ödeme
MuskelphaseNach 2 bis 3 Tagen (Dauer: bis 30 Jahre)Kapselbildung ("Ammenzelle") im Muskel, Verkalkung nach 6-12 Monaten.Spätphase ggf. mit fokalen neurologischen Symptomen

Gefährliche Komplikationen: Myokarditis, Enzephalitis, Bronchopneumonie, Sepsis und Kreislaufversagen können zum Tod führen.

Diagnostik

Die Diagnose erfordert eine Zusammenschau aus Anamnese (Fleischverzehr), Klinik und Labor. Eine frühzeitige Diagnose in der enteralen Phase ist für den Therapieerfolg entscheidend.

  • Labor: Eosinophilie (bei >90 % in der enteralen Phase nachweisbar) und Erhöhung der Kreatinkinase (CK) in der Migrationsphase.
  • Serologie: Antikörpernachweis (ELISA/Immunoblot). Achtung: Kann in den ersten Wochen noch negativ sein!
  • Apparativ: EKG-Veränderungen bei Herzbeteiligung (T-Wellen-Veränderungen, ST-Senkungen), CT bei ZNS-Beteiligung.
  • Histologie: Muskelbiopsie (selten erforderlich).

Therapie und Postexpositionsprophylaxe

Leicht infizierte Patienten erholen sich oft unter symptomatischer Therapie (Bettruhe, Antipyretika, Analgetika). Bei schweren Verläufen und bekannter Exposition gelten folgende Stufen:

Status / ExpositionDiagnostikTherapieempfehlung
Symptomatische InfektionCK, Eosinophile, SerologieSchwere Verläufe: Mebendazol (oder Albendazol) + Glukokortikoide
Exposition < 7 Tage (asymptomatisch)Primär keineProphylaxe: Mebendazol 2 x 5 mg/kg KG über 5 Tage (Kontraindikation: Kinder <2 Jahre, Schwangerschaft -> Pyrantel erwägen)
Exposition 8-30 Tage (asymptomatisch)CK, Eosinophile, SerologieBei positiven Befunden Therapie evaluieren, sonst klinische Beobachtung
Exposition > 30 Tage (asymptomatisch)KeineNur klinische Beobachtung

Prävention und Meldepflicht

  • Erhitzen: Kerntemperatur von mindestens 70 °C für über 1 Minute tötet Larven sicher ab (Farbumschlag von rot nach grau beachten).
  • Tiefgefrieren: Nur bei Schweinefleisch sicher. Wildfleisch kann kälteresistente Arten (z.B. T. nativa) enthalten.
  • Unzureichend: Mikrowelle, Räuchern, Pökeln und Trocknen sind keine sicheren Methoden zur Abtötung.
  • Meldepflicht: Der direkte oder indirekte Nachweis von Trichinella spiralis ist nach § 7 IfSG namentlich meldepflichtig.

💡Praxis-Tipp

Denken Sie bei der Kombination aus unklarem Fieber, Myalgien, periorbitalen Ödemen und einer Eosinophilie im Blutbild an eine Trichinellose – erfragen Sie gezielt den Verzehr von rohem Schweine- oder Wildschweinfleisch.

Häufig gestellte Fragen

Ausschließlich durch den Verzehr von rohem oder ungenügend erhitztem Fleisch (z.B. Wildschwein, Hausschwein), das Trichinella-Larven enthält. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung gibt es nicht.
Antikörper sind oft erst in der 3. oder 4. Krankheitswoche nachweisbar. Initial ist die Eosinophilie der wichtigste und früheste Laborparameter.
Durch Erhitzen auf eine Kerntemperatur von mindestens 70 °C für über eine Minute. Mikrowelle, Räuchern oder Pökeln reichen zur Abtötung der Larven nicht aus.
Die Larven befallen bevorzugt gut durchblutete, sauerstoffreiche Muskeln wie das Zwerchfell, die Nacken-, Kau- und Schultermuskulatur.
Bei einer Exposition innerhalb der letzten 7 Tage wird asymptomatischen Patienten Mebendazol (2 x 5 mg/kg Körpergewicht über 5 Tage) empfohlen. Bei Schwangeren und Kindern unter 2 Jahren ist dies kontraindiziert.

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