Renale Denervation (RDZ): Kriterien der Zertifizierung
Hintergrund
Die arterielle Hypertonie ist ein Hauptrisikofaktor für kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität. Etwa 10 % aller Patienten mit Bluthochdruck weisen trotz einer antihypertensiven Dreifachtherapie eine therapieresistente Form auf.
Die renale Denervation (RDN) ist ein katheterbasiertes Verfahren zur selektiven Sympathektomie, das bei unkontrollierter Hypertonie zum Einsatz kommt. Mehrere randomisierte, scheinkontrollierte Studien konnten die Wirksamkeit und Sicherheit dieses Verfahrens bestätigen.
Das Konsensuspapier der DGK, DHL und DGfN definiert national verbindliche Mindeststandards für die Zertifizierung von Renalen-Denervations-Zentren (RDZ). Ziel ist es, durch klare Qualitätsmerkmale und Netzwerkbildung die Betreuung von Patienten mit unkontrollierter Hypertonie zu optimieren.
Klinischer Kontext
Die arterielle Hypertonie ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen und betrifft etwa ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung. Eine therapieresistente Hypertonie liegt bei etwa fünf bis zehn Prozent der behandelten Patienten vor. Diese Patientengruppe stellt aufgrund der eingeschränkten medikamentösen Optionen eine besondere klinische Herausforderung dar.
Eine wesentliche Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung des hohen Blutdrucks spielt die Überaktivität des sympathischen Nervensystems. Insbesondere die afferenten und efferenten sympathischen Nervenfasern, die entlang der Nierenarterien verlaufen, tragen zur Volumenretention und Gefäßverengung bei. Die renale Denervation zielt darauf ab, diese Nervenfasern interventionell zu veröden und so den Sympathikotonus zu senken.
Für behandelnde Ärzte ist das Thema von hoher Relevanz, da Patienten mit therapieresistenter Hypertonie ein massiv erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Endpunkt-Ereignisse wie Schlaganfälle oder Herzinfarkte aufweisen. Interventionsverfahren wie die renale Denervation erweitern das therapeutische Spektrum, erfordern jedoch eine sorgfältige Patientenselektion. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Kardiologie, Nephrologie und Hypertensiologie ist hierbei essenziell.
Die Diagnose einer echten therapieresistenten Hypertonie erfordert zunächst den Ausschluss einer Pseudoresistenz durch eine 24-Stunden-Blutdruckmessung. Zudem müssen sekundäre Hypertonieformen wie ein primärer Hyperaldosteronismus oder Nierenarterienstenosen ausgeschlossen werden. Erst nach Sicherstellung einer optimalen Medikamentenadhärenz unter einer Dreifachkombination inklusive Diuretikum gilt die Diagnose als gesichert.
Wissenswertes
Die renale Denervation wird primär bei Patienten mit echter therapieresistenter Hypertonie erwogen. Voraussetzung ist, dass der Blutdruck trotz einer Kombination aus mindestens drei Antihypertensiva, darunter ein Diuretikum, nicht im Zielbereich liegt. Zudem müssen sekundäre Ursachen und mangelnde Adhärenz ausgeschlossen sein.
Bei dem Eingriff werden die sympathischen Nervenfasern in der Adventitia der Nierenarterien durch Radiofrequenz- oder Ultraschallenergie ablatiert. Dies unterbricht die sympathische Signalübertragung zwischen Gehirn und Nieren. In der Folge sinken die Reninausschüttung, die renale Natriumretention und der periphere Gefäßwiderstand.
Wichtige Kontraindikationen sind anatomische Besonderheiten der Nierenarterien, wie hochgradige Stenosen, Aneurysmen oder vorherige Stentimplantationen. Auch eine fortgeschrittene Niereninsuffizienz stellt oft ein Ausschlusskriterium dar. Sekundäre Hypertonieformen müssen vorab zwingend therapiert werden.
Der Ausschluss einer Pseudoresistenz erfolgt standardmäßig durch eine ambulante 24-Stunden-Blutdruckmessung, um einen Weißkitteleffekt zu identifizieren. Zusätzlich ist die Überprüfung der Medikamentenadhärenz, beispielsweise durch toxikologische Urin- oder Blutanalysen auf Antihypertensiva, ein wichtiger diagnostischer Schritt.
Der Eingriff gilt allgemein als sicher, jedoch können wie bei anderen kathetergestützten Verfahren Punktionskomplikationen an der Leiste auftreten. Seltene, aber relevante spezifische Risiken sind Dissektionen oder Spasmen der Nierenarterien während des Eingriffs. Langfristige Nierenarterienstenosen als Folge der Ablation werden in Registern nur sehr selten beobachtet.
Vor dem Eingriff ist eine detaillierte Bildgebung der Nierenarterien mittels Duplexsonographie, CT- oder MR-Angiographie notwendig, um die anatomische Eignung zu prüfen. Zudem erfolgt eine umfassende laborchemische Diagnostik zum Ausschluss sekundärer Hypertonieformen und zur Bestimmung der Nierenfunktion.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Ein entscheidender Hinweis des Papiers ist der zwingende Ausschluss einer Pseudoresistenz vor einer renalen Denervation. Es wird betont, dass eine einmalige Praxis-Blutdruckmessung nicht ausreicht, weshalb eine 24-Stunden-Langzeitblutdruckmessung obligat ist. Zudem wird empfohlen, die bestehende Medikation auf blutdrucksteigernde Substanzen wie nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAR) zu überprüfen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Konsensuspapier kommt das Verfahren bei therapieresistenter Hypertonie, nachgewiesener Medikamentenunverträglichkeit oder mangelnder Therapieadhärenz in Betracht. Es wird nicht als primäre Alternative zur medikamentösen Therapie gesehen.
Die Leitlinie fordert regelmäßig interventionelle Eingriffe an den Nierenarterien. Als Mindestanforderung gelten mehr als 25 Eingriffe an Nierengefäßen pro Jahr, um Komplikationsraten gering zu halten.
Es wird obligat eine Ultraschalldiagnostik (Doppler-Duplexsonographie) der Nierenarterien im Vorfeld gefordert. Dies dient insbesondere dem Ausschluss einer Nierenarterienstenose oder einer fibromuskulären Dysplasie.
Das Papier empfiehlt strukturierte Kontrolluntersuchungen nach 3, 6 und 12 Monaten, gefolgt von jährlichen Kontrollen. Diese umfassen unter anderem eine 24-Stunden-Blutdruckmessung und die Kontrolle der Nierenwerte.
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Quelle: Kriterien zur Zertifizierung von Renalen-Denervations-Zentren (RDZ) – Update Kriterienpapier der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und (DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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