PTBS: Leitlinien-Empfehlung zu Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) kann sich nach extrem bedrohlichen oder katastrophalen Ereignissen entwickeln. Typische Symptome umfassen das Wiedererleben des Traumas durch Flashbacks, ausgeprägtes Vermeidungsverhalten, Hyperarousal sowie emotionale Dysregulation.
Eine frühzeitige Erkennung ist entscheidend, um Chronifizierungen zu vermeiden. Bei unklaren körperlichen Symptomen und häufigen Arztbesuchen sollte stets an eine mögliche Traumatisierung in der Vorgeschichte gedacht werden.
Die NICE-Leitlinie bietet strukturierte Ansätze für die Prävention, Diagnostik und Behandlung der PTBS. Sie berücksichtigt dabei alle Altersgruppen und gibt spezifische Empfehlungen für komplexe Verläufe mit Begleiterkrankungen.
Empfehlungen
Diagnostik und Assessment
Bei Verdacht auf eine PTBS wird eine gezielte Anamnese bezüglich Symptomen wie Wiedererleben, Vermeidung, Dissoziation und negativen Stimmungsveränderungen empfohlen. Dabei ist explizit nach traumatischen Ereignissen in der Vorgeschichte zu fragen.
Für Personen mit unterschwelligen Symptomen innerhalb des ersten Monats nach dem Trauma wird ein aktives Monitoring (Watchful Waiting) empfohlen.
Psychologische Therapie bei Erwachsenen
Als Erstlinientherapie wird eine individuelle trauma-fokussierte kognitive Verhaltenstherapie (TF-CBT) empfohlen. Diese umfasst in der Regel 8 bis 12 Sitzungen.
Abhängig vom zeitlichen Abstand zum Trauma und der Art des Ereignisses bestehen folgende weitere Optionen:
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Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) bei nicht-kampfbedingten Traumata, die länger als drei Monate zurückliegen
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Unterstützte trauma-fokussierte computergestützte CBT bei Präferenz der betroffenen Person und fehlender Eigengefährdung
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Symptomorientierte CBT bei Schlafstörungen oder Wut, falls eine trauma-fokussierte Therapie nicht möglich ist
Therapie bei Kindern und Jugendlichen
Bei Kindern und Jugendlichen wird primär eine altersgerechte, individuelle TF-CBT empfohlen. Diese sollte an den Entwicklungsstand angepasst werden.
EMDR sollte bei Kindern ab 7 Jahren nur dann erwogen werden, wenn sie auf eine TF-CBT nicht ansprechen oder sich nicht darauf einlassen.
Komplexe Verläufe
Bei einer komorbiden Depression wird in der Regel empfohlen, zunächst die PTBS zu behandeln. Eine Ausnahme besteht bei schwerer Depression oder akuter Eigengefährdung.
Ein komorbider Drogen- oder Alkoholmissbrauch ist laut Leitlinie kein Ausschlusskriterium für eine PTBS-Behandlung.
Dosierung
Die medikamentöse Therapie ist bei Erwachsenen keine Erstlinienbehandlung, kann aber bei entsprechender Präferenz oder schweren Verläufen erwogen werden:
| Wirkstoffklasse / Medikament | Indikation | Besonderheiten |
|---|---|---|
| SSRI (z. B. Sertralin) | PTBS bei Erwachsenen | Bei Präferenz für medikamentöse Therapie |
| SNRI (z. B. Venlafaxin) | PTBS bei Erwachsenen | Bei Präferenz für medikamentöse Therapie |
| Antipsychotika (z. B. Risperidon) | PTBS bei Erwachsenen | Nur als Ergänzung zur Psychotherapie bei stark einschränkenden Symptomen (z. B. schweres Hyperarousal) |
Kontraindikationen
Die Leitlinie formuliert folgende explizite Warnhinweise und Kontraindikationen:
-
Ein psychologisch fokussiertes Debriefing zur Prävention oder Behandlung der PTBS wird strikt abgelehnt.
-
Medikamentöse Behandlungen, einschließlich Benzodiazepine, dürfen bei Erwachsenen nicht zur Prävention einer PTBS eingesetzt werden.
-
Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren wird von jeglicher medikamentösen Therapie zur Prävention oder Behandlung abgeraten.
💡Praxis-Tipp
Es wird besonders darauf hingewiesen, dass ein psychologisch fokussiertes Debriefing unmittelbar nach einem Trauma unwirksam ist und den Betroffenen schaden kann. Stattdessen wird in den ersten vier Wochen ein aktives Monitoring empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt als Erstlinientherapie eine individuelle trauma-fokussierte kognitive Verhaltenstherapie (TF-CBT). Diese sollte in der Regel 8 bis 12 Sitzungen umfassen.
Bei Erwachsenen wird EMDR bei nicht-kampfbedingten Traumata empfohlen, die länger als drei Monate zurückliegen. Bei Kindern und Jugendlichen ist EMDR nur eine Option, wenn eine TF-CBT nicht wirksam oder nicht möglich ist.
Nein, es wird ausdrücklich davon abgeraten, Medikamente oder Benzodiazepine zur Prävention einer PTBS zu verwenden. Dies gilt für alle Altersgruppen.
Ein komorbider Drogen- oder Alkoholmissbrauch darf nicht dazu führen, dass Personen von der PTBS-Behandlung ausgeschlossen werden. Es wird empfohlen, Barrieren für die Therapie aktiv abzubauen.
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Quelle: NG116: Post-traumatic stress disorder (NICE, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
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NICE Guideline on Sedation in Children and Young People
Guidelines for the management of conditions that are specifically related to stress
StatPearls: Posttraumatic Stress Disorder
StatPearls: Trauma-Informed Therapy
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