PTBS bei Kindern & Erwachsenen: Leitlinien-Empfehlung
Hintergrund
Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickelt sich bei etwa 25 bis 30 Prozent der Menschen nach einem außergewöhnlich bedrohlichen oder katastrophalen Ereignis. Zu den typischen Symptomen gehören das Wiedererleben des Traumas, Vermeidungsverhalten, Hyperarousal sowie negative Veränderungen der Stimmung und Kognition.
Bei einer komplexen PTBS treten zusätzlich eine schwere emotionale Dysregulation, zwischenmenschliche Schwierigkeiten und eine negative Selbstwahrnehmung auf. Kinder zeigen oft abweichende Symptome wie repetitives Spielen oder Albträume ohne erkennbaren Inhalt.
Die vorliegende Zusammenfassung basiert auf der NICE-Leitlinie NG116 zur Erkennung, Beurteilung und Behandlung der PTBS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Ziel ist es, die Lebensqualität der Betroffenen durch strukturierte und evidenzbasierte Interventionen zu verbessern.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Versorgung von Menschen mit PTBS:
Erkennung und Diagnostik
Es wird empfohlen, bei der Beurteilung gezielt nach Symptomen wie Wiedererleben, Vermeidung, Hyperarousal und Dissoziation zu fragen. Dabei sollte auch nach spezifischen traumatischen Ereignissen in der Vergangenheit gesucht werden.
Bei Personen mit unerklärlichen körperlichen Symptomen, die häufig medizinische Dienste in Anspruch nehmen, sollte laut Leitlinie eine mögliche Trauma-Historie evaluiert werden.
Für Hochrisikogruppen wird Folgendes empfohlen:
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Bei Überlebenden von Großkatastrophen sollte ein Monat nach dem Ereignis ein validiertes Screening-Instrument eingesetzt werden.
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Bei Flüchtlingen und Asylsuchenden sollte ein PTBS-Screening Teil der routinemäßigen Gesundheitsuntersuchung sein.
Therapie bei Kindern und Jugendlichen
Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren empfiehlt die Leitlinie ein gestuftes Vorgehen je nach Zeitpunkt des Traumas. Innerhalb des ersten Monats kann ein aktives Monitoring oder eine individuelle trauma-fokussierte kognitive Verhaltenstherapie (CBT) erwogen werden.
Bei einer Präsentation nach mehr als drei Monaten wird eine individuelle trauma-fokussierte CBT als primäre Intervention empfohlen. Diese sollte typischerweise über 6 bis 12 Sitzungen erfolgen und an das Alter sowie den Entwicklungsstand angepasst sein.
Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) wird für Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 17 Jahren nur dann empfohlen, wenn sie auf eine trauma-fokussierte CBT nicht ansprechen oder diese ablehnen.
Therapie bei Erwachsenen
Für Erwachsene mit PTBS oder klinisch relevanten Symptomen empfiehlt die Leitlinie primär psychologische Interventionen. Eine individuelle trauma-fokussierte CBT sollte angeboten werden, wenn das Trauma mehr als einen Monat zurückliegt.
Zu den empfohlenen trauma-fokussierten CBT-Interventionen gehören:
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Kognitive Verarbeitungstherapie (Cognitive Processing Therapy)
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Kognitive Therapie bei PTBS
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Narrative Expositionstherapie
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Prolongierte Expositionstherapie
EMDR wird Erwachsenen empfohlen, die sich mehr als drei Monate nach einem nicht-kampfbezogenen Trauma vorstellen. Bei einer Präsentation zwischen einem und drei Monaten kann EMDR erwogen werden, wenn die Person dies bevorzugt.
Medikamentöse Therapie bei Erwachsenen
Wenn Erwachsene eine medikamentöse Behandlung bevorzugen, kann Venlafaxin oder ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wie Sertralin erwogen werden. Die Leitlinie betont, dass diese Behandlung regelmäßig überprüft werden muss.
Antipsychotika wie Risperidon können als Ergänzung zu psychologischen Therapien erwogen werden. Dies gilt für Personen mit stark einschränkenden Symptomen wie schwerem Hyperarousal oder psychotischen Symptomen, die auf andere Behandlungen nicht angesprochen haben.
Kontraindikationen
Die Leitlinie formuliert klare Warnhinweise und Kontraindikationen bezüglich bestimmter Interventionen:
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Ein psychologisch fokussiertes Debriefing darf weder zur Prävention noch zur Behandlung der PTBS angeboten werden.
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Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren dürfen keine medikamentösen Behandlungen zur Prävention oder Therapie der PTBS eingesetzt werden.
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Bei Erwachsenen dürfen keine Medikamente, einschließlich Benzodiazepine, zur Prävention einer PTBS verabreicht werden.
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Personen mit PTBS dürfen nicht allein aufgrund eines begleitenden Drogen- oder Alkoholmissbrauchs von der Behandlung ausgeschlossen werden.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler in der Akutversorgung ist der Versuch, traumatische Erlebnisse unmittelbar durch ein psychologisches Debriefing aufzuarbeiten. Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor dieser Praxis, da sie unwirksam ist und den natürlichen Verarbeitungsprozess stören kann. Stattdessen wird bei subklinischen Symptomen innerhalb des ersten Monats ein strukturiertes aktives Monitoring mit einer geplanten Nachuntersuchung empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie können Venlafaxin oder ein SSRI wie Sertralin erwogen werden, wenn der Betroffene eine medikamentöse Therapie bevorzugt. Bei schweren Begleitsymptomen wie Psychosen kann zusätzlich ein Antipsychotikum wie Risperidon eingesetzt werden.
Bei Erwachsenen wird EMDR in der Regel empfohlen, wenn das nicht-kampfbezogene Trauma mehr als drei Monate zurückliegt. Bei Kindern und Jugendlichen sollte EMDR nur erwogen werden, wenn eine trauma-fokussierte kognitive Verhaltenstherapie nicht wirksam war.
Die Leitlinie rät strikt von einer medikamentösen Behandlung der PTBS bei Kindern und Jugendlichen ab. Die Therapie der Wahl ist in dieser Altersgruppe die trauma-fokussierte kognitive Verhaltenstherapie.
Nein, die Leitlinie spricht sich explizit gegen ein psychologisch fokussiertes Debriefing zur Prävention oder Behandlung aus. Stattdessen wird in der Akutphase ein aktives Monitoring empfohlen.
Eine komplexe PTBS umfasst neben den Kernsymptomen zusätzlich eine schwere emotionale Dysregulation und anhaltende zwischenmenschliche Schwierigkeiten. Zudem liegt oft eine negative Selbstwahrnehmung vor, die mit tiefen Gefühlen von Scham oder Schuld einhergeht.
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Quelle: NICE Guideline on Sedation in Children and Young People (NICE, 2018). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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