Prinzmetal-Angina: COVADIS-Kriterien und Therapie
Hintergrund
Die Prinzmetal-Angina (auch vasospastische Angina) ist durch pektanginöse Beschwerden in Ruhe gekennzeichnet, die auf vorübergehende Spasmen der Koronararterien zurückzuführen sind. Laut der StatPearls-Zusammenfassung treten die Symptome typischerweise zwischen Mitternacht und den frühen Morgenstunden auf.
Die genaue Prävalenz ist unbekannt, jedoch zeigt sich in der japanischen Bevölkerung ein dreifach erhöhtes Risiko im Vergleich zu kaukasischen Kohorten. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt in der fünften Lebensdekade, wobei in Japan Frauen häufiger betroffen sind.
Als Auslöser für die koronare Hyperreagibilität gelten unter anderem Kälte, emotionale Belastung sowie bestimmte Substanzen. Klassische kardiovaskuläre Risikofaktoren fehlen bei den Betroffenen häufig, mit Ausnahme von Nikotinabusus und entzündlichen Zuständen mit erhöhten hs-CRP-Werten.
Empfehlungen
Die StatPearls-Zusammenfassung formuliert folgende Kernaspekte für das klinische Management der Prinzmetal-Angina:
Diagnostik
Die Diagnose stützt sich auf die Kriterien der COVADIS-Studiengruppe. Es wird empfohlen, folgende drei Hauptkriterien zu evaluieren:
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Ein klinisches Ansprechen auf Nitrate während einer spontanen Angina-Episode
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Transiente elektrokardiographische Ischämiezeichen (ST-Hebung oder -Senkung ≥ 0,1 mV oder neue U-Wellen) während der Schmerzphase
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Der angiographische Nachweis eines Koronarspasmus
Zunächst sollte laut Leitlinie eine fixierte obstruktive koronare Herzkrankheit (KHK) ausgeschlossen werden. Ein nicht-invasiver Belastungstest ist bei den meisten Betroffenen unauffällig, kann aber bei einer Subgruppe belastungsinduzierte Spasmen auslösen.
Bei unklaren Befunden oder anhaltendem Verdacht kann eine Herzkatheteruntersuchung mit Provokationstests (z. B. durch Acetylcholin, Ergonovin oder Hyperventilation) erwogen werden. Diese pharmakologischen Tests werden in der aktuellen Praxis jedoch seltener durchgeführt.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Behandlung zielt darauf ab, Angina-Episoden zu reduzieren und Komplikationen wie Myokardinfarkte zu verhindern. Die Leitlinie empfiehlt folgende Ansätze:
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Calciumkanalblocker gelten als Therapie der ersten Wahl und lindern die Symptome bei etwa 90 Prozent der Betroffenen.
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Die Einnahme langwirksamer Calciumantagonisten sollte bevorzugt zur Nacht erfolgen, da Spasmen nachts und am frühen Morgen gehäuft auftreten.
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Bei unzureichendem Ansprechen kann eine Kombination aus Dihydropyridin- und Non-Dihydropyridin-Calciumantagonisten eingesetzt werden.
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Langwirksame Nitrate können additiv verabreicht werden, wobei die Entwicklung einer Toleranz beachtet werden muss.
Zusätzlich wird der Einsatz von Fluvastatin erwähnt, da es durch positive Effekte auf das Endothel präventiv gegen Koronarspasmen wirken kann.
Lebensstil und Prävention
Eine strikte Nikotinkarenz wird als eine der wichtigsten Interventionen zur Reduktion der Anfallshäufigkeit beschrieben. Zudem wird geraten, triggernde Substanzen wie Kokain, Marihuana oder ephedrinhaltige Präparate strikt zu meiden.
Kontraindikationen
Laut der StatPearls-Zusammenfassung gibt es spezifische Warnhinweise bezüglich bestimmter Medikamentenklassen und Auslöser:
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Betablocker: Der Einsatz von Betablockern, insbesondere von nicht-selektiven Adrenozeptor-Blockern, sollte vermieden werden. Diese Medikamente können die Symptome der vasospastischen Angina aggravieren.
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Vasokonstriktoren: Alpha-Agonisten (wie Pseudoephedrin und Oxymetazolin) sowie Triptane (wie Sumatriptan) können Koronarspasmen auslösen und sind zu vermeiden.
💡Praxis-Tipp
Ein entscheidender Aspekt im Management der Prinzmetal-Angina ist die abendliche Gabe von langwirksamen Calciumkanalblockern, da die Ischämie-Episoden typischerweise zwischen Mitternacht und dem frühen Morgen auftreten. Zudem wird ausdrücklich davor gewarnt, unselektive Betablocker zu verschreiben, da diese die koronaren Spasmen verschlimmern können. Bei der Anamnese sollte gezielt nach dem Gebrauch von Kokain oder ephedrinhaltigen Medikamenten gefragt werden.
Häufig gestellte Fragen
Die Prinzmetal-Angina tritt typischerweise in Ruhe auf, oft zwischen Mitternacht und dem frühen Morgen, und wird nicht durch körperliche Belastung ausgelöst. Zudem sind die Betroffenen laut StatPearls-Zusammenfassung oft jünger und weisen weniger klassische kardiovaskuläre Risikofaktoren auf.
Während einer Schmerzepisode zeigen sich transiente ischämische ST-Strecken-Veränderungen, wie eine ST-Hebung oder -Senkung von mindestens 0,1 mV, oder neu aufgetretene U-Wellen. Nach Abklingen der Symptome normalisiert sich das EKG wieder.
Die Leitlinie rät dringend vom Einsatz unselektiver Betablocker ab, da diese die vasospastischen Symptome verschlechtern können. Ebenso sollten vasokonstriktive Substanzen wie Ephedrin oder Sumatriptan gemieden werden.
Als Therapie der ersten Wahl werden Calciumkanalblocker in hoher Dosierung empfohlen. Diese sollten bevorzugt zur Nacht eingenommen werden, um den nächtlichen und frühmorgendlichen Spasmen vorzubeugen.
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Quelle: StatPearls: Prinzmetal Angina (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
StatPearls: Coronary Artery Vasospasm
StatPearls: Coronary Flow Effects of Arterial Spasm or Microembolization
StatPearls: Stable Angina
StatPearls: Chest Pain: Evaluation and Exclusion of Myocardial Infarction and Angina
StatPearls: Unstable Angina
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