Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS): Therapie

Diese Leitlinie stammt aus 2018 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2018)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickelt sich nach extrem bedrohlichen oder katastrophalen Ereignissen. Etwa 25 bis 30 Prozent der Personen, die ein Trauma erleben, entwickeln laut der NICE-Leitlinie NG116 eine PTBS.

Zu den Kernsymptomen gehören das Wiedererleben des Traumas (Flashbacks), Vermeidungsverhalten, Hyperarousal sowie negative Veränderungen von Stimmung und Denken. Bei einer komplexen PTBS treten zusätzlich emotionale Dysregulation, eine negative Selbstwahrnehmung und zwischenmenschliche Schwierigkeiten auf.

Die Symptome können unmittelbar nach dem Ereignis oder mit einer Verzögerung von Monaten bis Jahren auftreten. Die Leitlinie betont, dass eine PTBS auch bei später Präsentation eine gut behandelbare Erkrankung darstellt.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die klinische Praxis:

Diagnostik

Bei Verdacht auf PTBS wird eine gezielte Anamnese bezüglich traumatischer Ereignisse empfohlen, auch wenn diese lange zurückliegen. Es wird geraten, spezifisch nach Symptomen wie Wiedererleben, Vermeidung, Hyperarousal und Dissoziation zu fragen.

In der Primärversorgung übernehmen Hausärzte laut Leitlinie die initiale Beurteilung und Koordination der Versorgung. Dies schließt die Entscheidung über eine notfallmäßige physische oder psychiatrische Vorstellung ein.

Prävention und Frühintervention

Bei unterschwelligen Symptomen innerhalb des ersten Monats nach einem Trauma wird ein aktives Monitoring (Watchful Waiting) empfohlen. Es sollte eine Nachkontrolle innerhalb eines Monats vereinbart werden.

Für Erwachsene mit akuter Belastungsstörung oder klinisch relevanten PTBS-Symptomen wird bereits im ersten Monat eine individuelle trauma-fokussierte kognitive Verhaltenstherapie (CBT) empfohlen.

Therapie bei Erwachsenen

Die Leitlinie empfiehlt als Erstlinientherapie bei Präsentation nach mehr als einem Monat:

  • Eine individuelle trauma-fokussierte CBT (typischerweise 8 bis 12 Sitzungen)

  • Alternativ EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) bei nicht-kampfbedingten Traumata

  • Unterstützte computergestützte trauma-fokussierte CBT, sofern keine schweren dissoziativen Symptome vorliegen

Eine medikamentöse Therapie mit Venlafaxin oder einem SSRI (wie Sertralin) sollte nur erwogen werden, wenn die Person dies ausdrücklich bevorzugt. Bei schweren Symptomen wie Hyperarousal oder psychotischen Merkmalen kann ein Antipsychotikum (z. B. Risperidon) additiv zur Psychotherapie durch einen Spezialisten erwogen werden.

Therapie bei Kindern und Jugendlichen

Für Kinder und Jugendliche wird ab einem Alter von 7 Jahren eine individuelle trauma-fokussierte CBT empfohlen. Diese sollte an das Alter und den Entwicklungsstand angepasst sein.

EMDR sollte bei dieser Altersgruppe nur erwogen werden, wenn keine Reaktion auf eine trauma-fokussierte CBT erfolgt oder diese nicht angenommen wird. Bei komorbider Depression wird in der Regel empfohlen, zuerst die PTBS zu behandeln, da sich die Depression dadurch oft mitbessert.

Kontraindikationen

Die Leitlinie formuliert folgende explizite Warnhinweise:

  • Es wird strikt davon abgeraten, psychologisch fokussiertes Debriefing zur Prävention oder Behandlung der PTBS anzubieten.

  • Medikamentöse Behandlungen (einschließlich Benzodiazepine) zur Prävention einer PTBS bei Erwachsenen werden nicht empfohlen.

  • Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren wird von jeglicher medikamentösen Therapie zur Prävention oder Behandlung der PTBS abgeraten.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler in der Praxis ist der Ausschluss von Personen mit PTBS von der Behandlung aufgrund eines komorbiden Substanz- oder Alkoholmissbrauchs. Die Leitlinie stellt klar, dass ein solcher Ausschluss nicht erfolgen sollte. Zudem wird betont, dass bei einer komorbiden Depression meist die PTBS zuerst behandelt werden sollte, da sich die depressive Symptomatik durch eine erfolgreiche Trauma-Therapie oft signifikant verbessert.

Häufig gestellte Fragen

Die NICE-Leitlinie empfiehlt als Erstlinientherapie für Erwachsene, Kinder und Jugendliche eine individuelle trauma-fokussierte kognitive Verhaltenstherapie (CBT). Diese sollte typischerweise 8 bis 12 Sitzungen umfassen und an das Alter sowie die Entwicklung angepasst sein.

Bei Erwachsenen wird EMDR laut Leitlinie bei nicht-kampfbedingten Traumata empfohlen, wenn die Präsentation mehr als drei Monate nach dem Ereignis erfolgt. Bei Kindern und Jugendlichen sollte EMDR nur erwogen werden, wenn eine trauma-fokussierte CBT nicht wirksam ist oder abgelehnt wird.

Nein, die Leitlinie rät strikt davon ab, Medikamente wie Benzodiazepine zur Prävention einer PTBS bei Erwachsenen einzusetzen. Auch bei Kindern und Jugendlichen wird von jeglicher medikamentösen Prävention oder Therapie abgeraten.

Wenn eine medikamentöse Therapie bevorzugt wird, können laut Leitlinie Venlafaxin oder ein SSRI wie Sertralin erwogen werden. Bei sehr schweren Symptomen oder psychotischen Merkmalen kann der additive Einsatz von Antipsychotika wie Risperidon durch einen Spezialisten sinnvoll sein.

Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor dem Einsatz von psychologisch fokussiertem Debriefing zur Prävention oder Behandlung. Stattdessen wird bei unterschwelligen Symptomen im ersten Monat ein aktives Monitoring empfohlen.

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Quelle: NICE NG116: Post-traumatic stress disorder (PTSD) (NICE, 2018). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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