Postherpetische Neuralgie (PHN): Prävention & Therapie
Hintergrund
Die postherpetische Neuralgie (PHN) ist eine häufige und schmerzhafte Komplikation nach einer akuten Herpes-Zoster-Infektion (Gürtelrose). Etwa 20 Prozent der Betroffenen entwickeln eine PHN, wobei das Risiko mit zunehmendem Alter deutlich ansteigt.
Es wird vermutet, dass eine anhaltende Entzündung der Nerven durch das Varizella-Zoster-Virus zur Entstehung der chronischen Schmerzen beiträgt. Kortikosteroide wirken stark entzündungshemmend und könnten theoretisch die Nervenschädigung begrenzen.
Der vorliegende Cochrane Review aus dem Jahr 2023 untersucht, ob die systemische Gabe von Kortikosteroiden in der Akutphase eine spätere postherpetische Neuralgie verhindern kann.
Empfehlungen
Der Cochrane Review fasst die aktuelle Evidenz zur Prävention der postherpetischen Neuralgie zusammen:
Wirksamkeit zur Prävention
Laut der Analyse ist die Evidenz zur Wirksamkeit von oralen Kortikosteroiden während der akuten Phase einer Herpes-Zoster-Infektion sehr unsicher.
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Es konnte nicht nachgewiesen werden, dass Kortikosteroide das Auftreten einer PHN nach sechs Monaten verhindern (sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
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Die verfügbaren Daten sprechen weder für noch gegen den Einsatz dieser Medikamente zur Prävention.
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Auch bezüglich der Zeit bis zum vollständigen Abklingen der Schmerzen zeigte sich kein messbarer Unterschied.
Unerwünschte Ereignisse
Die Auswertung der unerwünschten Ereignisse ergab folgende Erkenntnisse:
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Bei schweren unerwünschten Ereignissen ist die Evidenzlage sehr unsicher.
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Bei nicht-schweren Nebenwirkungen führen Kortikosteroide im Vergleich zu Placebo möglicherweise nur zu einem geringen oder gar keinem Unterschied (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
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Häufig berichtete nicht-schwere Ereignisse in den Studien waren gastrointestinale Beschwerden, Schwindel und Kopfschmerzen.
Evidenzprofil (GRADE)
Die Übersichtsarbeit bewertet die Effekte von Kortikosteroiden im Vergleich zu Placebo wie folgt:
| Endpunkt | Effekt von Kortikosteroiden (vs. Placebo) | Vertrauenswürdigkeit der Evidenz |
|---|---|---|
| Prävention der PHN (nach 6 Monaten) | Sehr unsicherer Effekt (RR 0,95) | Sehr niedrig |
| Schwere unerwünschte Ereignisse | Sehr unsicherer Effekt (RR 1,65) | Sehr niedrig |
| Nicht-schwere unerwünschte Ereignisse | Möglicherweise kein/geringer Unterschied (RR 1,30) | Niedrig |
Kontraindikationen
Die in den Review eingeschlossenen Studien definierten spezifische Ausschlusskriterien für eine Kortikosteroidtherapie. Dazu gehörten unter anderem:
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Peptisches Ulkus und psychotische Erkrankungen
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Maligne Erkrankungen (z. B. Lymphome, Leukämien)
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Schwangerschaft
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Diabetes mellitus und arterielle Hypertonie
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Herzinsuffizienz und Nebennierenrindenerkrankungen
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Tuberkulose und andere bakterielle Infektionen
💡Praxis-Tipp
Der Review weist darauf hin, dass die routinemäßige Gabe von Kortikosteroiden in der Akutphase des Herpes Zoster zur reinen Prävention einer postherpetischen Neuralgie durch die aktuelle Evidenz nicht gestützt wird. Es wird betont, dass das Auftreten einer Neuralgie nach sechs Monaten durch diese Therapieform nicht sicher verhindert werden kann.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review ist die Evidenz hierfür sehr unsicher. Es konnte nicht belegt werden, dass eine orale Kortikosteroidgabe in der Akutphase das Risiko für eine spätere Neuralgie signifikant senkt.
Die in der Analyse untersuchten Studien schlossen Personen ein, bei denen der Hautausschlag vor maximal sieben Tagen aufgetreten war. Eine spezifische Empfehlung zum optimalen Therapiebeginn wird in der Übersichtsarbeit jedoch nicht formuliert.
Die Auswertung zeigt, dass Kortikosteroide im Vergleich zu Placebo möglicherweise nur einen geringen oder gar keinen Unterschied bei nicht-schweren Nebenwirkungen verursachen. Häufig berichtete Ereignisse in den Studien waren gastrointestinale Beschwerden, Schwindel und Kopfschmerzen.
Einige ältere Studien deuten auf eine mögliche Linderung der akuten Schmerzen hin. Der Review fokussiert sich jedoch auf die Langzeitprävention und stellt fest, dass die Evidenz für den Übergang von akutem Schmerz zu chronischer Neuralgie unzureichend ist.
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Quelle: Cochrane Review: Corticosteroids for preventing postherpetic neuralgia (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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