Perinatale psychische Störungen: Diagnostik & Therapie

Diese Leitlinie stammt aus 2014 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2014)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen treten in der Schwangerschaft und der Postpartalzeit häufig auf. Laut der NICE-Leitlinie CG192 sind etwa 12 bis 20 Prozent der Frauen in dieser Lebensphase davon betroffen.

Unbehandelte psychische Erkrankungen können weitreichende Folgen für die Mutter, das ungeborene Kind und die spätere Mutter-Kind-Bindung haben. Gleichzeitig erfordert die medikamentöse Behandlung eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung.

Die Leitlinie fokussiert sich auf die Erkennung, Beurteilung und Behandlung von psychischen Beschwerden in der Peripartalzeit. Dabei werden sowohl leichte als auch schwere psychiatrische Krankheitsbilder wie die Postpartalpsychose oder bipolare Störungen berücksichtigt.

Empfehlungen

Die NICE-Leitlinie formuliert detaillierte Empfehlungen für das klinische Management psychischer Erkrankungen rund um die Geburt.

Screening und Diagnostik

Es wird empfohlen, bei Erstkontakt und in der frühen Postpartalzeit gezielt nach depressiven Symptomen und Ängsten zu fragen. Bei Verdacht auf eine Depression rät die Leitlinie zum Einsatz validierter Fragebögen wie der Edinburgh Postnatal Depression Scale (EPDS) oder dem Patient Health Questionnaire (PHQ-9).

Für die Erfassung von Angststörungen wird initial die Verwendung der 2-Item Generalized Anxiety Disorder Scale (GAD-2) empfohlen. Die Leitlinie gibt hierfür folgendes Scoring-System vor:

AntwortkategoriePunktzahl
Überhaupt nicht0
An einzelnen Tagen1
An mehr als der Hälfte der Tage2
Beinahe jeden Tag3

Bei einem GAD-2-Wert von 3 oder mehr Punkten wird eine weiterführende Diagnostik mittels GAD-7 angeraten. Zudem wird betont, dass bei jeder Frau nach einer psychiatrischen Vorgeschichte, insbesondere nach schweren mentalen Erkrankungen, gefragt werden sollte.

Therapieentscheidungen

Vor dem Beginn einer medikamentösen Therapie wird eine ausführliche Aufklärung über das veränderte Nutzen-Risiko-Verhältnis in der Schwangerschaft empfohlen. Die Leitlinie präferiert bei leichten bis mittelschweren Erkrankungen häufig psychologische Interventionen wie die kognitive Verhaltenstherapie (CBT).

Wenn eine psychotrope Medikation erforderlich ist, wird die Wahl des Wirkstoffs mit dem geringsten Risikoprofil für Mutter und Kind empfohlen. Es wird dazu geraten, die niedrigste effektive Dosis zu verwenden und Monotherapien gegenüber Polypharmazie zu bevorzugen.

Spezifische Medikamentengruppen

Bei der Verordnung von trizyklischen Antidepressiva (TCA), SSRI oder SNRI wird empfohlen, das Risiko für Absetzsymptome bei der Mutter und das neonatale Adaptationssyndrom beim Neugeborenen zu berücksichtigen.

Für schwangere Frauen, die auf Antipsychotika eingestellt sind, wird ein regelmäßiges Monitoring auf exzessive Gewichtszunahme und Gestationsdiabetes angeraten. Depot-Antipsychotika werden bei Kinderwunsch, in der Schwangerschaft oder Stillzeit in der Regel nicht empfohlen.

Postpartale Betreuung und Stillen

Nach der Geburt wird eine zeitnahe Überprüfung der psychotropen Medikation empfohlen, sobald die Frau medizinisch stabil ist. Neugeborene, die in utero Psychopharmaka ausgesetzt waren, sollten laut Leitlinie einer vollständigen neonatalen Untersuchung unterzogen werden.

Die Leitlinie ermutigt Frauen mit psychischen Erkrankungen grundsätzlich zum Stillen. Ausnahmen bilden Mütter, die Carbamazepin, Clozapin oder Lithium einnehmen.

Kontraindikationen

Die Leitlinie benennt spezifische Kontraindikationen und Warnhinweise für die medikamentöse Therapie in der Schwangerschaft und Stillzeit:

  • Valproat darf bei Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter nicht zur akuten oder langfristigen Behandlung eingesetzt werden, es sei denn, es gibt keine Alternativen und ein Schwangerschaftsverhütungsprogramm wird eingehalten.

  • In der Schwangerschaft ist Valproat aufgrund des hohen Risikos für fetale Fehlbildungen und neurologische Entwicklungsstörungen strikt kontraindiziert.

  • Carbamazepin wird zur Behandlung psychischer Erkrankungen bei Kinderwunsch, in der Schwangerschaft und in der Stillzeit nicht empfohlen.

  • Benzodiazepine sollen in der Schwangerschaft und Postpartalzeit nicht verordnet werden, außer zur kurzfristigen Behandlung von schwerer Angst und Agitation.

  • Lithium wird bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft nicht als Erstlinientherapie empfohlen, da ein Risiko für fetale Herzfehlbildungen besteht.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein plötzliches Auftreten psychiatrischer Symptome in den ersten zwei Wochen nach der Entbindung gilt laut Leitlinie als Warnsignal für eine Postpartalpsychose. In solchen Fällen wird eine sofortige Überweisung an eine psychiatrische Fachabteilung empfohlen, wobei die Beurteilung innerhalb von vier Stunden erfolgen sollte. Zudem wird betont, dass Frauen aus Angst vor Stigmatisierung oder dem Verlust des Sorgerechts ihre psychischen Beschwerden häufig verschweigen.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie nennt TCA, SSRI und SNRI als mögliche Optionen bei schwerer Depression, betont aber die individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung. Es wird empfohlen, das Risiko für ein neonatales Adaptationssyndrom und mögliche Fehlbildungen mit der Schwangeren zu besprechen.

Laut Leitlinie wird Lithium in der Schwangerschaft nicht routinemäßig empfohlen, es sei denn, Antipsychotika waren unwirksam. Wenn Lithium eingenommen wird, wird eine engmaschige Überwachung der Plasmaspiegel alle vier Wochen und ab der 36. Woche wöchentlich empfohlen.

Bei einer extremen Angst vor der Geburt wird empfohlen, der Schwangeren ein Gespräch mit einer Fachkraft für perinatale psychische Gesundheit anzubieten. Die Betreuung sollte in Abstimmung mit den Empfehlungen zur Schnittentbindung erfolgen.

Die Leitlinie ermutigt grundsätzlich zum Stillen, weist jedoch auf spezifische Ausnahmen hin. Bei der Einnahme von Carbamazepin, Clozapin oder Lithium wird vom Stillen abgeraten.

Es wird empfohlen, bei allen Kontakten in der Postpartalzeit zwei spezifische Screening-Fragen zur Stimmung und zum Interessenverlust zu stellen. Bei Auffälligkeiten rät die Leitlinie zur Nutzung validierter Instrumente wie der Edinburgh Postnatal Depression Scale (EPDS).

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Quelle: NICE CG192: Antenatal and postnatal mental health (NICE, 2014). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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