Dapagliflozin bei Kindern mit Nierenerkrankung (BMJ Open)
📋Auf einen Blick
- •SGLT2-Inhibitoren (wie Dapagliflozin) sind bei Erwachsenen mit chronischer Nierenerkrankung etabliert, für Kinder fehlen jedoch noch hochwertige Daten.
- •Die DAPA-PedHKD-Studie untersucht Dapagliflozin bei 6- bis 18-Jährigen mit hereditärer Nierenerkrankung und Proteinurie.
- •Verglichen wird eine 12-wöchige Kombinationstherapie aus Dapagliflozin und RAAS-Inhibitoren mit einer RAASi-Monotherapie.
- •Primäres Ziel ist die Reduktion der 24-Stunden-Proteinurie bei stabiler Nierenfunktion (eGFR ≥60).
Hintergrund
Chronische Nierenerkrankungen (CKD) bei Kindern werden primär durch hereditäre Nierenerkrankungen und kongenitale Anomalien verursacht. Proteinurie ist ein unabhängiger Risikofaktor für die Progression der CKD. Die Standardtherapie zur Reduktion der Proteinurie besteht aus RAAS-Inhibitoren (RAASi) wie ACE-Hemmern oder ARBs, deren Wirksamkeit als Monotherapie jedoch begrenzt ist.
Während SGLT2-Inhibitoren wie Dapagliflozin bei Erwachsenen mit CKD bereits eine Klasse-1A-Empfehlung (KDIGO) zur Nephroprotektion besitzen, fehlen bislang hochwertige klinische Studien für das pädiatrische Kollektiv. Das Protokoll der DAPA-PedHKD-Studie beschreibt eine multizentrische, randomisierte Crossover-Studie, die diese Lücke schließen soll.
Studiendesign
Die DAPA-PedHKD-Studie ist als offene, multizentrische, randomisierte Crossover-Studie konzipiert. Geplant ist der Einschluss von 67 pädiatrischen Patienten.
| Phase | Dauer | Therapie |
|---|---|---|
| Therapiephase 1 | 12 Wochen | Dapagliflozin + RAASi ODER RAASi-Monotherapie |
| Washout-Phase | 4 Wochen | Fortführung der RAASi-Basismedikation |
| Therapiephase 2 | 12 Wochen | Wechsel auf den jeweils anderen Studienarm (Crossover) |
Einschluss- und Ausschlusskriterien
Die Auswahl der Patienten (Alter 6–18 Jahre) erfolgt nach strengen Kriterien, um die Sicherheit und Aussagekraft zu gewährleisten:
| Kategorie | Kriterien |
|---|---|
| Einschluss | - Bestätigte hereditäre Nierenerkrankung<br>- Alter 6–18 Jahre<br>- 24h-Proteinurie >0,2 g ODER UPCR >0,2 mg/mg<br>- eGFR ≥60 mL/min/1,73 m²<br>- Stabile RAASi-Therapie seit >4 Wochen |
| Ausschluss | - Diabetes mellitus<br>- Unkontrollierte Harnwegsinfekte<br>- Blutdruck <5. Perzentile<br>- SGLT2i-, Glukokortikoid- oder Immunsuppressiva-Therapie in den letzten 4 Wochen<br>- Risiko für Dehydratation/Volumenmangel |
Intervention und Dosierung
Die Patienten erhalten Dapagliflozin zusätzlich zu ihrer unveränderten RAASi-Basismedikation. Die Dosierung von Dapagliflozin wird gewichtsabhängig angepasst:
- Körpergewicht ≤30 kg: 5 mg einmal täglich
- Körpergewicht >30 kg: Initial 5 mg täglich, nach 1 Woche Steigerung auf 10 mg täglich
Hinweis: Die Einnahme erfolgt morgens, unabhängig von den Mahlzeiten.
Studienendpunkte und Sicherheit
Der primäre Endpunkt der Studie ist die Veränderung der 24-Stunden-Proteinurie vom Ausgangswert bis zur 12. Woche.
Zu den sekundären Endpunkten zählen:
- Urin-Protein-Kreatinin-Quotient (UPCR)
- Urin-Albumin-Kreatinin-Quotient (UACR)
- Serumalbumin
- eGFR
- Blutdruck und Körpergewicht
Besonderes Augenmerk liegt auf sicherheitsrelevanten Ereignissen (Adverse Events). Hierzu gehören insbesondere ein eGFR-Abfall von >30 % gegenüber dem Ausgangswert, Harnwegsinfektionen und Hypotonie.
💡Praxis-Tipp
Achten Sie bei der (Off-Label-)Gabe von SGLT2-Inhibitoren bei Kindern stets auf den Volumenstatus und pausieren Sie die Medikation bei drohender Dehydratation, um akute Nierenschäden zu vermeiden.