Palmaris-longus-Sehne: Anatomie und Sehnentransplantat
Hintergrund
Der Musculus palmaris longus ist ein kleiner, spindelförmiger Muskel an der volaren Seite des Unterarms. Er entspringt am Epicondylus medialis humeri und setzt distal an der Palmaraponeurose sowie dem Retinaculum flexorum an.
Funktionell spielt der Muskel nur eine untergeordnete Rolle als akzessorischer Beuger von Ellenbogen und Handgelenk. Ein angeborenes Fehlen des Muskels, das bei bis zu 26,6 % der Bevölkerung auftritt, führt zu keinen messbaren Einschränkungen der Greif- oder Kneifkraft.
Aufgrund seiner oberflächlichen Lage und der fehlenden funktionellen Relevanz hat die Sehne eine hohe klinische Bedeutung. Sie wird in der Handchirurgie und Orthopädie sehr häufig als autologes Transplantatmaterial verwendet.
Empfehlungen
Die StatPearls-Übersicht beschreibt folgende klinische und chirurgische Aspekte:
Klinische Untersuchung
Zur Überprüfung der Präsenz der Palmaris-longus-Sehne wird der Schaeffer-Test beschrieben. Hierbei werden die Fingerkuppen von Daumen und kleinem Finger zusammengeführt, während das Handgelenk flektiert wird.
Bei Vorhandensein des Muskels tritt die Sehne an der volaren Seite des Handgelenks deutlich sichtbar hervor.
Chirurgische Nutzung als Transplantat
Es wird hervorgehoben, dass sich die Palmaris-longus-Sehne ideal für autologe Sehnentransplantationen eignet. Zu den häufigsten Indikationen für eine Entnahme zählen:
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Rekonstruktion von Fingerbeuge- und Strecksehnen
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Reparatur des Musculus flexor pollicis longus
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Versorgung eines chronischen Hammerfingers (Mallet-Finger)
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Schwere Formen des Karpaltunnelsyndroms
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Arthroplastik des Daumensattelgelenks
Klinische Pathologien
Die Literatur weist darauf hin, dass anatomische Varianten des Muskels in seltenen Fällen zu einer Kompression des Nervus medianus oder Nervus ulnaris führen können. Dies kann sich klinisch wie ein Karpaltunnel- oder Loge-de-Guyon-Syndrom präsentieren.
Zudem wird beschrieben, dass eine Ischämie der Unterarmbeugemuskulatur, beispielsweise durch ein Kompartmentsyndrom, zu einer irreversiblen Volkmann-Kontraktur des Handgelenks führen kann.
Kontraindikationen
Die Übersicht warnt vor der versehentlichen Entnahme des Nervus medianus anstelle der Palmaris-longus-Sehne während einer Transplantatgewinnung. Es wird beschrieben, dass dieses Risiko durch eine präoperative Ultraschalluntersuchung reduziert werden kann.
💡Praxis-Tipp
Die Quelle betont, dass eine präoperative Ultraschalluntersuchung vor der Entnahme der Palmaris-longus-Sehne sinnvoll ist. Dadurch lässt sich das Risiko einer akzidentellen Verletzung oder Entnahme des Nervus medianus, der in unmittelbarer anatomischer Nähe verläuft, deutlich minimieren.
Häufig gestellte Fragen
Laut StatPearls eignet sich hierfür der Schaeffer-Test. Dabei führt die untersuchte Person die Kuppen von Daumen und kleinem Finger zusammen und beugt das Handgelenk, wodurch die Sehne am Handgelenk sichtbar hervortritt.
Nein, ein angeborenes Fehlen kommt bei bis zu 26,6 % der Menschen vor. Die Übersichtsquelle betont, dass dies zu keinerlei Einbußen bei der Greif- oder Kneifkraft führt.
Der Muskel wird motorisch durch Äste des Nervus medianus (Segmente C5-T1) innerviert. Läsionen des Nervus medianus oberhalb des Ellenbogens können entsprechend zu Ausfällen der Muskelfunktion führen.
Die Sehne ist lang, liegt sehr oberflächlich und ist chirurgisch leicht zugänglich. Zudem führt ihre Entnahme laut Literatur zu keinen funktionellen Einschränkungen im Handgelenk oder Unterarm.
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Quelle: StatPearls: Anatomy, Shoulder and Upper Limb, Hand Palmaris Tendon (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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