Onasemnogen-Abeparvovec (SMA): Therapie und Indikation
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des IQWiG bewertet den Zusatznutzen von Onasemnogen-Abeparvovec. Es geht um die Behandlung der 5q-assoziierten spinalen Muskelatrophie (SMA) mit biallelischer Mutation im SMN1-Gen.
Die Bewertung erfolgt im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie. Diese umfasst je nach Patientengruppe Nusinersen oder Best Supportive Care (BSC).
Die SMA ist eine Erkrankung mit heterogenem Phänotyp, der von milder bis sehr schwerer Ausprägung reicht. Durch das Neugeborenenscreening rückt zunehmend auch die präsymptomatische Diagnose in den Fokus.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht unterteilt die Bewertung in vier spezifische Fragestellungen basierend auf dem klinischen Phänotyp.
SMA Typ 1
Für Patientinnen und Patienten mit SMA Typ 1 legte der pharmazeutische Unternehmer einen Vergleich einzelner Studienarme vor. Verglichen wurden Daten zu Onasemnogen-Abeparvovec mit Daten zu Nusinersen.
Laut Bericht weisen die Studienpopulationen jedoch eine unzureichende Ähnlichkeit auf. Es zeigten sich deutliche Unterschiede in der Krankheitsdauer und den Einschlusskriterien bezüglich respiratorischer Morbidität.
Aufgrund dieser methodischen Mängel wird der Zusatznutzen als nicht belegt eingestuft.
SMA Typ 2 und Typ 3
Für die Patientengruppen mit SMA Typ 2 und Typ 3 wurden im Dossier keine geeigneten Daten vorgelegt.
Folglich ist ein Zusatznutzen für diese Patientengruppen nicht belegt.
Präsymptomatische SMA
Für präsymptomatische Patientinnen und Patienten mit bis zu drei SMN2-Genkopien wurde kein direkter oder indirekter Vergleich eingereicht.
Zwar existieren einarmige Studien zu beiden Wirkstoffen, diese wurden jedoch nicht vergleichend ausgewertet.
Somit gilt der Zusatznutzen auch für diese Gruppe als nicht belegt.
Dosierung
Der Bericht zitiert folgende Dosierungsangaben aus den jeweiligen Fachinformationen:
| Wirkstoff | Dosierung | Applikationsweg | Häufigkeit |
|---|---|---|---|
| Onasemnogen-Abeparvovec | 1,1 x 10^14 vg/kg | Intravenöse Infusion | Einmalig (Dauer ca. 60 Minuten) |
| Nusinersen | 12 mg | Intrathekale Injektion | 6 Dosen im 1. Jahr, danach 3 Dosen pro Jahr |
Es wird darauf hingewiesen, dass die Dosierungsempfehlung für Onasemnogen-Abeparvovec für ein Körpergewicht von 2,6 bis 21,0 kg gilt.
Kontraindikationen
Der Bericht listet basierend auf dem Risk-Management-Plan folgende wichtige identifizierte Risiken auf:
-
Hepatotoxizität (erfordert Vor- und Begleitmedikation mit Prednisolon)
-
Transiente Thrombozytopenie
-
Thrombotische Mikroangiopathie (TMA)
-
Erhöhung der kardialen Troponin-I-Spiegel
Zudem wird betont, dass das Nutzen-Risiko-Profil bei dauerhaft beatmungspflichtigen Personen nicht belegt ist.
💡Praxis-Tipp
Laut Bericht erfordert die Gabe von Onasemnogen-Abeparvovec eine prophylaktische Begleitmedikation mit Prednisolon. Es wird eine engmaschige Überwachung der Leberwerte und der Thrombozytenzahl in den Wochen nach der Infusion empfohlen. Bei Anzeichen einer thrombotischen Mikroangiopathie (TMA) ist eine sofortige fachärztliche Abklärung zwingend erforderlich.
Häufig gestellte Fragen
Die Dosierung erfolgt gewichtsadaptiert mit 1,1 x 10^14 Vektorgenomen pro Kilogramm Körpergewicht. Die Verabreichung erfolgt als einmalige intravenöse Infusion über etwa 60 Minuten.
Der IQWiG-Bericht stuft den Zusatznutzen im Vergleich zu Nusinersen als nicht belegt ein. Begründet wird dies mit der fehlenden Vergleichbarkeit der herangezogenen Studienpopulationen.
Es wird eine Vor- und Begleitmedikation mit Prednisolon empfohlen. Diese dient der Verringerung der Immunantwort auf die AAV-basierte Therapie und dem Schutz vor Hepatotoxizität.
Laut Bericht ist auch für präsymptomatische Fälle kein Zusatznutzen belegt. Es wurden keine vergleichenden Daten gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie vorgelegt.
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Quelle: IQWiG A21-68: Onasemnogen Abeparvovec (spinale Muskelatrophie) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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