Olaparib (mCRPC): Indikation und BRCA-Mutationsstatus
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bewertet den Zusatznutzen von Olaparib in Kombination mit Abirateron und Prednison oder Prednisolon. Die Bewertung bezieht sich auf erwachsene Männer mit metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC).
Es werden zwei Fragestellungen untersucht: Patienten mit unvorbehandeltem mCRPC und Patienten mit vorbehandeltem mCRPC. Für beide Gruppen gilt als Voraussetzung, dass eine Chemotherapie klinisch nicht indiziert sein darf.
Die Datengrundlage für die erste Fragestellung bildet der dritte Datenschnitt der PROpel-Studie. Für die zweite Fragestellung wurden Daten der Studie 8 nachgereicht, die jedoch für die Ableitung eines Zusatznutzens als unvollständig eingestuft wurden.
Empfehlungen
Die Bewertung des Zusatznutzens unterscheidet stark nach dem Vorliegen einer BRCA-Mutation. Der Bericht formuliert folgende Kernaussagen für unvorbehandelte Patienten:
Patienten mit BRCA-Mutation
Für Patienten mit einer BRCA-Mutation wird ein erheblicher Zusatznutzen abgeleitet.
Laut Bericht zeigt sich in dieser Subgruppe ein erheblicher Vorteil beim Gesamtüberleben. Zudem gibt es positive Effekte bei der Verzögerung symptomatischer skelettbezogener Ereignisse.
Die festgestellten Nebenwirkungen stellen den Überlebensvorteil für diese Gruppe nicht infrage.
Patienten ohne BRCA-Mutation (Wildtyp)
Für Patienten ohne BRCA-Mutation (BRCA-Wildtyp) ergibt sich laut Bewertung ein geringerer Nutzen im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie.
In dieser Gruppe konnte kein Überlebensvorteil nachgewiesen werden. Demgegenüber stehen ausschließlich negative Effekte im Bereich der Nebenwirkungen.
Der Bericht hebt hierbei besonders das Auftreten von schweren Lungenembolien und schweren Anämien hervor.
Vorbehandelte Patienten
Für Patienten mit vorbehandeltem mCRPC gilt der Zusatznutzen als nicht belegt.
Die vom pharmazeutischen Unternehmer nachgereichten Unterlagen zur Studie 8 wurden als unvollständig bewertet. Es fehlte eine adäquate Aufbereitung der Daten gemäß den methodischen Vorgaben.
Nebenwirkungen und Risiken
Unabhängig vom Mutationsstatus zeigt die Kombinationstherapie ein erhöhtes Risiko für bestimmte unerwünschte Ereignisse. Der Bericht dokumentiert Anhaltspunkte für einen höheren Schaden bei:
-
Schweren Lungenembolien und Anämien
-
Abbrüchen wegen unerwünschter Ereignisse
-
Gastrointestinalen Beschwerden wie Diarrhö und Übelkeit
Dosierung
Die in der bewerteten Studie 8 angewendete Dosierung der Kombinationstherapie setzt sich wie folgt zusammen:
| Wirkstoff | Dosierung | Einnahme |
|---|---|---|
| Olaparib | 600 mg / Tag | oral (2-mal 300 mg) |
| Abirateron | 1000 mg / Tag | oral |
| Prednison / Prednisolon | 10 mg / Tag | oral (2-mal 5 mg) |
Bei auftretenden Toxizitäten sind Dosisreduktionen gemäß der jeweiligen Fachinformation vorgesehen. Für Olaparib sind Reduktionen in 50-mg-Schritten beschrieben.
Kontraindikationen
Laut den Einschlusskriterien der bewerteten Studien waren bestimmte Vortherapien und Begleitumstände ausgeschlossen. Dazu zählten:
-
Vorherige Therapie mit PARP-Inhibitoren
-
Vorherige Behandlung mit Antiandrogenen der zweiten Generation (wie Abirateron oder Enzalutamid)
-
Mehr als zwei Chemotherapie-Schemata für das mCRPC
-
Gleichzeitige Anwendung von starken CYP3A-Inhibitoren oder -Induktoren
💡Praxis-Tipp
Der Bericht unterstreicht die hohe klinische Relevanz der molekularpathologischen Diagnostik vor Therapiebeginn. Da sich nur bei Patienten mit nachgewiesener BRCA-Mutation ein Überlebensvorteil zeigt, wird die Bestimmung des BRCA-Mutationsstatus als essenziell für die Therapieentscheidung erachtet. Bei Patienten mit BRCA-Wildtyp überwiegen laut Bewertung die Risiken durch schwere Nebenwirkungen wie Lungenembolien.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht ergibt sich für Patienten mit BRCA-Wildtyp ein geringerer Nutzen im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie. Es konnte kein Überlebensvorteil gezeigt werden, während gleichzeitig das Risiko für schwere Nebenwirkungen steigt.
Die Bewertung zeigt ein signifikant erhöhtes Risiko für schwere Lungenembolien und schwere Anämien. Zudem wird vermehrt über gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit und Diarrhö berichtet.
Für Patienten mit vorbehandeltem mCRPC ist ein Zusatznutzen laut Bericht aktuell nicht belegt. Die eingereichten Studiendaten wurden aufgrund unvollständiger Aufbereitung nicht für eine positive Nutzenbewertung herangezogen.
Der Bericht geht davon aus, dass die Fortführung einer bestehenden Androgendeprivationstherapie (ADT) den Therapiestandard darstellt. Dies wird als Voraussetzung für die zulassungskonforme Anwendung der Kombinationstherapie angesehen.
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Quelle: IQWiG A23-47: Olaparib (Prostatakarzinom) – Addendum zum Auftrag A23-03 (IQWiG, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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