Olaparib bei Ovarialkarzinom: Indikation und Dosierung
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des IQWiG bewertet den Zusatznutzen von Olaparib. Es geht um die Erstlinien-Erhaltungstherapie bei erwachsenen Patientinnen mit fortgeschrittenem, BRCA1/2-mutiertem, high-grade epithelialem Ovarialkarzinom, Eileiterkarzinom oder primärem Peritonealkarzinom.
Voraussetzung für die Therapie ist ein vollständiges oder partielles Ansprechen auf eine vorherige platinbasierte Erstlinienchemotherapie. Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) das beobachtende Abwarten festgelegt.
Die Bewertung basiert maßgeblich auf den Daten der randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studie SOLO1. In dieser wurde Olaparib mit Placebo verglichen, um den Einfluss auf Mortalität, Morbidität, gesundheitsbezogene Lebensqualität und Nebenwirkungen zu untersuchen.
Empfehlungen
Zusatznutzen und Gesamtüberleben
Laut IQWiG-Bericht ist ein Zusatznutzen von Olaparib nicht belegt. Für den Endpunkt Gesamtüberleben liegen aufgrund der relativ kurzen Beobachtungsdauer und der geringen Anzahl an Ereignissen noch keine aussagekräftigen Ergebnisse vor.
Lebensqualität und Morbidität
Die Bewertung zeigt keine relevanten Vorteile für die Intervention hinsichtlich der Lebensqualität:
-
Beim allgemeinen Gesundheitszustand ergab sich kein statistisch signifikanter Unterschied zum beobachtenden Abwarten.
-
Bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zeigte sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Nachteil von Olaparib.
-
Dieser negative Effekt wurde jedoch aufgrund der Konfidenzintervalle nicht als eindeutig relevant eingestuft.
Nebenwirkungen und Schäden
Der Bericht stellt ausschließlich negative Effekte unterschiedlichen Ausmaßes für Olaparib fest. Es ergeben sich Anhaltspunkte für einen höheren Schaden in folgenden Bereichen:
-
Abbruch wegen unerwünschter Ereignisse (erhebliches Ausmaß)
-
Schwere unerwünschte Ereignisse ab CTCAE-Grad 3 (erhebliches Ausmaß)
-
Spezifische Ereignisse wie Anämie, Übelkeit, Erbrechen, Stomatitis und Asthenie
Dosierung
Der Bericht zitiert die Fachinformation für die Anwendung von Olaparib:
| Patientengruppe | Empfohlene Dosis | Tagesgesamtdosis |
|---|---|---|
| Standarddosierung | 300 mg (2x 150 mg) 2-mal täglich | 600 mg |
| Mäßig eingeschränkte Nierenfunktion | 200 mg (2x 100 mg) 2-mal täglich | 400 mg |
Die Einnahme sollte im Abstand von 12 Stunden zur gleichen Tageszeit erfolgen.
Bei Auftreten von Nebenwirkungen ist eine Therapieunterbrechung oder Dosisreduktion möglich. Bei leichter Nierenfunktionseinschränkung sowie bei leichter bis mäßiger Leberfunktionseinschränkung (Child-Pugh A oder B) ist keine Dosisanpassung erforderlich.
Kontraindikationen
Laut Bericht bestehen folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
-
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile
-
Stillzeit während der Behandlung und bis einen Monat nach der letzten Dosis
-
Starke Einschränkung der Leberfunktion (Child-Pugh C) wird nicht empfohlen
-
Starke Einschränkung der Nierenfunktion oder terminale Niereninsuffizienz wird nicht empfohlen
Zudem wird vor der gleichzeitigen Anwendung von starken oder moderaten CYP3A-Inhibitoren sowie -Induktoren gewarnt. Bei Verdacht auf Pneumonitis, myelodysplastisches Syndrom (MDS) oder akute myeloische Leukämie (AML) wird eine sofortige Untersuchung und gegebenenfalls ein Therapieabbruch empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht betont, dass vor Beginn der Erhaltungstherapie mit Olaparib eine Erholung von der hämatologischen Toxizität der vorangegangenen Chemotherapie abgewartet werden muss. Es wird empfohlen, bei Behandlungsbeginn ein großes Blutbild zu bestimmen und dieses in den ersten 12 Monaten monatlich zu kontrollieren.
Häufig gestellte Fragen
Laut Bericht ist der Nachweis einer pathogenen Mutation im BRCA1- oder BRCA2-Gen zwingend erforderlich. Diese Mutation kann entweder in der Keimbahn oder somatisch im Tumorgewebe vorliegen.
Die Bewertung gibt an, dass die Behandlung spätestens 8 Wochen nach Abschluss der letzten platinbasierten Therapie gestartet werden sollte. Voraussetzung ist ein vollständiges oder partielles Ansprechen auf diese Chemotherapie.
Die Therapie wird bis zur Krankheitsprogression oder inakzeptablen Toxizität fortgeführt. Wenn nach 2 Jahren radiologisch keine Erkrankung mehr nachweisbar ist, sollte die Behandlung laut Fachinformation beendet werden, es sei denn, es wird ein weiterer klinischer Nutzen erwartet.
Bei leichter oder mäßiger Einschränkung der Leberfunktion (Child-Pugh A oder B) ist laut Bericht keine Dosisanpassung erforderlich. Bei schwerer Leberfunktionseinschränkung (Child-Pugh C) wird die Anwendung nicht empfohlen.
Es wird darauf hingewiesen, dass die gleichzeitige Anwendung von starken oder moderaten CYP3A-Inhibitoren und -Induktoren vermieden werden sollte. Falls ein CYP3A-Inhibitor zwingend erforderlich ist, wird eine Dosisreduktion von Olaparib empfohlen.
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Quelle: IQWiG A19-56: Olaparib (Ovarialkarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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