Oberschenkelhalsfraktur: Arthroplastik & Osteosynthese
Hintergrund
Oberschenkelhalsfrakturen weisen eine bimodale Verteilung auf. Sie entstehen meist durch Niedrigenergietraumata bei älteren Menschen mit Osteoporose oder durch Hochenergietraumata bei jüngeren Personen.
Intrakapsuläre Frakturen machen etwa 50 Prozent aller Hüftfrakturen aus. Sie haben ein eingeschränktes Heilungspotenzial, da die periostale Schicht fehlt und die Blutversorgung des Femurkopfs häufig kompromittiert ist.
Dies führt zu einem erhöhten Risiko für eine avaskuläre Nekrose (AVN) und Pseudarthrosen. Die konservative Therapie ist mit hohen Komplikationsraten verbunden und wird nur in Ausnahmefällen erwogen.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur operativen Versorgung:
Konservative Therapie
Es wird betont, dass eine konservative Behandlung nur selten indiziert ist. Sie wird ausschließlich für nicht gehfähige Personen mit erheblichen medizinischen Begleiterkrankungen empfohlen. Das primäre Ziel ist hierbei die Schmerzkontrolle und eine schrittweise Mobilisation.
Gelenkersatz (Arthroplastik)
Bei dislozierten intrakapsulären Frakturen älterer Menschen wird primär ein Gelenkersatz empfohlen. Die Leitlinie differenziert die Wahl des Verfahrens nach den Eigenschaften der betroffenen Personen:
| Verfahren | Indikation / Zielgruppe | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Hemiarthroplastik | Ältere Personen mit geringem Aktivitätsniveau | Geringeres Luxationsrisiko, kürzere OP-Zeit |
| Totalendoprothese (TEP) | Aktive Personen, intakte Gehfähigkeit, vorbestehende Coxarthrose | Bessere funktionelle Ergebnisse bei aktiven Menschen |
| TEP mit Dual-Mobility-Pfanne | Aktive ältere Personen | Reduziert Luxationsraten ohne erhöhte Mortalität |
Zudem wird darauf hingewiesen, dass zementierte Implantate bessere funktionelle Ergebnisse und eine höhere Stabilität bieten als unzementierte. Unzementierte Schäfte weisen hingegen ein höheres Risiko für intra- und postoperative periprothetische Frakturen auf.
Schraubenosteosynthese
Eine kopferhaltende Therapie mittels kanülierter Schrauben wird für nicht dislozierte intrakapsuläre Frakturen bei älteren Menschen empfohlen. Bei jüngeren Personen mit guter Knochenqualität ist sie auch bei dislozierten Frakturen indiziert.
Die Leitlinie beschreibt folgende technische Aspekte für die Fixation:
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Verwendung von 3 oder 4 kanülierten Schrauben
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Anordnung bevorzugt als umgedrehtes Dreieck (bei 3 Schrauben)
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Die Gewinde der Schrauben müssen die Frakturzone vollständig überbrücken, um eine ausreichende Kompression zu gewährleisten
Dynamische Hüftschraube (DHS)
Die dynamische Hüftschraube (Sliding Hip Screw) wird für stabile intertrochantäre, basiszervikale und vertikale Oberschenkelhalsfrakturen empfohlen. Bei jüngeren Personen mit vertikalen Frakturmustern wird die DHS gegenüber kanülierten Schrauben als überlegen eingestuft.
Um ein "Cut-out" der Schraube zu vermeiden, wird eine Tip-to-Apex-Distanz (TAD) von unter 20 bis 25 mm empfohlen.
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt spezifische Kontraindikationen für die verschiedenen Operationsverfahren. Eine Hemiarthroplastik oder Totalendoprothese ist bei einer aktiven Hüftgelenksinfektion kontraindiziert.
Die Versorgung mittels dynamischer Hüftschraube (DHS) ist bei folgenden instabilen Frakturmustern kontraindiziert:
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Reverse obliquitäre Frakturen
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Transtrochantäre Beteiligung
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Trümmerfrakturen mit großem posteromedialem Fragment (fehlende mediale Abstützung)
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Frakturen mit subtrochantärer Ausdehnung
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie stellt die zementierte Hemiarthroplastik ein erhöhtes Risiko für Fettembolien und nachfolgende Hypoxien dar, insbesondere während der Zementpressurisation. Es wird empfohlen, den Femurkanal vor der Zementierung gründlich zu spülen und zu trocknen, um dieses Risiko zu minimieren. Zudem wird betont, dass eine frühzeitige operative Versorgung das Risiko für Lungenembolien, tiefe Venenthrombosen und Rehospitalisierungen signifikant senkt.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist eine konservative Behandlung fast nie indiziert, da sie mit einer inakzeptabel hohen Komplikationsrate einhergeht. Sie bleibt ausschließlich nicht gehfähigen Personen mit schweren medizinischen Begleiterkrankungen vorbehalten.
Die Leitlinie empfiehlt eine TEP für ältere Menschen mit dislozierten intrakapsulären Frakturen, die vor dem Sturz aktiv und mobil waren. Auch bei vorbestehenden Hüftschmerzen oder einer degenerativen Coxarthrose wird die TEP bevorzugt.
Es wird empfohlen, drei kanülierte Schrauben in Form eines umgedrehten Dreiecks zu platzieren. Die Schraubengewinde müssen die Frakturlinie vollständig passieren, um eine optimale Kompression der Fragmente zu erreichen.
Die TAD beschreibt den Abstand zwischen der Schraubenspitze und dem Apex des Femurkopfs im Röntgenbild. Die Leitlinie gibt an, dass eine TAD von unter 20 bis 25 mm das Risiko eines Schrauben-Cut-outs bei der dynamischen Hüftschraube minimiert.
Zementierte Implantate zeigen laut Leitlinie bessere funktionelle Ergebnisse, eine höhere Stabilität und eine geringere Rate an periprothetischen Frakturen. Allerdings weisen sie ein höheres Risiko für intraoperative Fettembolien auf.
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Quelle: StatPearls: Surgical Management of Femoral Neck Fractures (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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