Nierentransplantation: Maschinenperfusion und Prognose
Hintergrund
Nierenversagen erfordert als optimale Therapie eine Nierentransplantation. Bei Organen von verstorbenen Spendern kommt es jedoch im Vergleich zu Lebendspenden häufiger zu einer verzögerten Funktionsaufnahme (Delayed Graft Function, DGF) oder einer primären Nichtfunktion.
Traditionell werden Spendernieren während des Transports auf Eis gelagert, was als statische Kaltlagerung (SCS) bezeichnet wird. Um ischämische Schäden zu minimieren und die Organqualität zu erhalten, wurden neue Technologien wie die hypothermische (HMP) und normothermische Maschinenperfusion (NMP) entwickelt.
Ein aktueller Cochrane Review aus dem Jahr 2024 untersucht die Wirksamkeit dieser Perfusionsmethoden. Dabei werden die klinischen Ergebnisse nach der Transplantation sowie die Wirtschaftlichkeit im Vergleich zur Standardversorgung analysiert.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der Meta-Analyse folgende Kernaussagen zur Organerhaltung bei postmortalen Nierentransplantationen:
Kontinuierliche hypothermische Maschinenperfusion (HMP)
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Die kontinuierliche, nicht-oxygenierte HMP vom Spender- zum Empfängerzentrum reduziert die Rate der verzögerten Funktionsaufnahme (DGF) im Vergleich zur statischen Kaltlagerung signifikant (hohe Vertrauenswürdigkeit).
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Laut Review verbessert diese Methode zudem das Ein-Jahres-Überleben sowie das Langzeitüberleben des Transplantats (hohe Vertrauenswürdigkeit).
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Diese Vorteile zeigen sich sowohl bei Spendern nach Hirntod (DBD) als auch nach Kreislaufstillstand (DCD) und sind auch bei kurzen kalten Ischämiezeiten nachweisbar.
Oxygenierte hypothermische Maschinenperfusion
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Bei DCD-Spendern über 50 Jahren führt die zusätzliche Sauerstoffgabe während der kontinuierlichen HMP zu weiteren klinischen Verbesserungen (hohe Vertrauenswürdigkeit).
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Der Review berichtet hierbei über ein besseres Transplantatüberleben, eine verbesserte Nierenfunktion und eine geringere Rate an akuten Abstoßungsreaktionen im Vergleich zur nicht-oxygenierten HMP.
End-ischämische Perfusion und normothermische Verfahren
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Eine kurze end-ischämische HMP (im Median 4,6 Stunden nach vorheriger Kaltlagerung) zeigt laut Meta-Analyse keinen klinischen Nutzen gegenüber der alleinigen Kaltlagerung.
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Auch eine einstündige end-ischämische normothermische Maschinenperfusion (NMP) bietet keine bedeutsamen Vorteile gegenüber der statischen Kaltlagerung.
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Im indirekten Vergleich ist die end-ischämische NMP der kontinuierlichen HMP hinsichtlich des Transplantatüberlebens unterlegen.
Wirtschaftlichkeit und weitere Endpunkte
Die Meta-Analyse zeigt, dass die kontinuierliche HMP in europäischen und US-amerikanischen Gesundheitssystemen kostensparend ist. Hinsichtlich der primären Nichtfunktion (PNF) oder des Patientenüberlebens konnte kein signifikanter Unterschied zwischen HMP und Kaltlagerung festgestellt werden.
Vergleich der klinischen Endpunkte
| Endpunkt | Statische Kaltlagerung (SCS) | Kontinuierliche HMP | Evidenzgrad |
|---|---|---|---|
| Verzögerte Funktionsaufnahme (DGF) | Höheres Risiko | Signifikant reduziert | Hoch |
| Transplantatüberleben (1 Jahr) | Geringer | Signifikant verbessert | Hoch |
| Primäre Nichtfunktion (PNF) | Vergleichbar | Kein signifikanter Unterschied | Moderat |
| Patientenüberleben (1 Jahr) | Vergleichbar | Kein signifikanter Unterschied | Niedrig |
💡Praxis-Tipp
Der Cochrane Review betont, dass der Zeitpunkt der Maschinenperfusion entscheidend für den klinischen Erfolg ist. Es wird hervorgehoben, dass nur die kontinuierliche Perfusion vom Spenderkrankenhaus bis zum Empfängerzentrum signifikante Vorteile bietet. Kurze end-ischämische Perfusionsphasen nach einem Transport auf Eis zeigen laut den Studiendaten keinen Zusatznutzen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review reduziert die kontinuierliche hypothermische Maschinenperfusion das Risiko einer verzögerten Funktionsaufnahme der Niere. Zudem wird das Transplantatüberleben im Vergleich zur einfachen Lagerung auf Eis signifikant verbessert.
Die Meta-Analyse zeigt, dass die Zugabe von Sauerstoff bei Spendern nach Kreislaufstillstand (DCD), die älter als 50 Jahre sind, zusätzliche Vorteile bringt. Es wird eine weitere Verbesserung der Nierenfunktion und eine Reduktion von Abstoßungsreaktionen beschrieben.
Eine kurze, einstündige normothermische Perfusion nach dem Transport auf Eis zeigt laut den vorliegenden Daten keine wesentlichen klinischen Vorteile gegenüber der reinen Kaltlagerung. Im indirekten Vergleich schneidet sie beim Transplantatüberleben sogar schlechter ab als die kontinuierliche kalte Perfusion.
Der Review zitiert ökonomische Analysen, die zeigen, dass die hypothermische Maschinenperfusion trotz der höheren initialen Gerätekosten insgesamt kostensparend ist. Dies liegt primär an der reduzierten Rate an verzögerten Funktionsaufnahmen und dem damit geringeren Dialysebedarf.
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Quelle: Cochrane Review: Normothermic and hypothermic machine perfusion preservation versus static cold storage for deceased donor kidney transplantation (Cochrane, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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